Symptome bei Multipler Sklerose (MS): Übersicht und Orientierung

Schlafstörungen bei MS: warum sie so belastend sind – und was helfen kann

Schlechter Schlaf gehört für viele Menschen mit MS zum Alltag. Einschlafprobleme, häufiges Aufwachen oder das Gefühl, morgens nicht erholt zu sein, können Fatigue, Stimmung und Konzentration zusätzlich belasten. Hier erfährst Du, warum Schlafstörungen bei MS auftreten können und was Dir helfen kann, wieder besser zur Ruhe zu kommen.

timer

Lesezeit: 9 min

01

Warum sind Schlafstörungen bei MS so häufig?

Schlafstörungen gehören zu den häufigen Begleitproblemen bei Multipler Sklerose (MS). Rund 60 Prozent der Menschen mit MS sind von Schlafstörungen betroffen. 1 Sie schlafen schlecht ein, wachen nachts immer wieder auf oder fühlen sich morgens nicht erholt. Die Ursachen sind oft vielfältig. Manchmal steht eine eigenständige Schlafstörung dahinter, zum Beispiel eine Insomnie oder Schlafapnoe.

Häufig werden Schlafprobleme durch MS-Symptome verstärkt – etwa Schmerzen, Spastik, Blasenstörungen, depressive Verstimmungen oder Fatigue. Auch das sogenannte Restless-Legs-Syndrom kann für schlechten Schlaf sorgen. 1-4

emoji_objects

Wichtig ist: Schlechter Schlaf ist kein „Nebenthema“. Wenn Du dauerhaft schlecht schläfst, kann das Deinen Alltag deutlich belasten und bestehende MS-Beschwerden verstärken.


02

Warum wirken sich Schlafprobleme bei MS so stark aus?

Schlaf ist eine wichtige Erholungsphase für Körper und Gehirn. Gerade bei einer chronischen Erkrankung wie MS kann schlechter Schlaf dazu führen, dass Deine Reserven schneller erschöpft sind. Die Folge: Fatigue, Konzentrationsprobleme, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen können zunehmen. 5

Schlafstörungen können Fatigue verstärken. Gleichzeitig kann Fatigue Schlaf-Wach-Rhythmen beeinflussen und dadurch Schlafprobleme begünstigen. Wer schlecht schläft, ist tagsüber erschöpfter. Wer tagsüber stark erschöpft ist, bewegt sich möglicherweise weniger, schläft zwischendurch länger oder grübelt abends stärker – und kommt dadurch nachts wieder schlechter zur Ruhe. 5

So kann ein Kreislauf entstehen, der Deinen Alltag, Deine Arbeit, Dein Familienleben, Deine Freizeit und Therapietreue beeinträchtigt. Deshalb lohnt es sich, Schlafprobleme früh anzusprechen und gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam nach Ursachen zu suchen.


03

Welche Schlafstörungen können bei MS auftreten?

Bei MS können verschiedene Formen von Schlafstörungen auftreten. Einige hängen direkt mit MS-Symptomen zusammen. Andere können unabhängig von der MS entstehen, kommen bei Menschen mit MS aber häufiger vor oder fallen stärker ins Gewicht.

Insomnie

Insomnie bedeutet, dass Du über längere Zeit schlecht einschläfst, nachts häufig wach wirst, sehr früh aufwachst oder Deinen Schlaf als nicht erholsam empfindest. Viele Menschen mit MS kennen solche Ein- oder Durchschlafstörungen. 1 , 2

Auslöser können Stress, Grübeln oder seelische Belastungen sein. Auch MS-Symptome wie Schmerzen, Spastik, Blasenstörungen oder depressive Verstimmungen können dazu führen, dass Du nachts immer wieder wach wirst. Zusätzlich können bestimmte Medikamente den Schlaf beeinflussen, zum Beispiel Kortison im Rahmen einer Schubtherapie. 1 , 2

Sprich Dein Behandlungsteam an, wenn Schlafprobleme länger anhalten. Oft lässt sich klären, ob Gewohnheiten, Beschwerden, Medikamente oder eine eigenständige Schlafstörung dahinterstecken.

Schlafapnoe

Bei schlafbezogenen Atmungsstörungen kommt es im Schlaf zu wiederholten Atempausen. Die häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe. Dabei verengt sich im Schlaf der Rachenraum, die Atmung setzt kurz aus und der Körper reagiert mit kleinen Weckreaktionen. 1 , 3

Du selbst bemerkst diese Atemaussetzer oft nicht. Hinweise können lautes, unregelmäßiges Schnarchen, morgendliche Kopfschmerzen, starke Tagesmüdigkeit oder Konzentrationsprobleme sein. Auch Fatigue kann durch eine unerkannte Schlafapnoe verstärkt werden. 1 , 3

Eine Schlafapnoe sollte ärztlich abgeklärt werden. Wird sie erkannt und behandelt, kann sich die Schlafqualität deutlich verbessern.

Restless-Legs-Syndrom

Das Restless-Legs-Syndrom, kurz RLS, tritt bei Menschen mit MS häufiger auf. Typisch sind unangenehme Missempfindungen in den Beinen und ein starker Bewegungsdrang, besonders in Ruhe und am Abend oder in der Nacht. 1 , 3

Viele beschreiben Kribbeln, Ziehen oder das Gefühl, als würden „Ameisen durch die Beine laufen“. Bewegung lindert die Beschwerden oft kurzfristig, erschwert aber das Einschlafen. Dadurch können Tagesmüdigkeit und Fatigue zunehmen. 1 , 3

Wenn Du solche Beschwerden bemerkst, solltest Du sie gezielt ansprechen. Es gibt Behandlungsmöglichkeiten, die je nach Ursache und Ausprägung infrage kommen.

Welche MS-Symptome können den Schlaf zusätzlich stören?

Auch typische MS-Symptome können Deinen Schlaf beeinträchtigen. Spastiken können Dich nachts aufwecken. Schmerzen können verhindern, dass Du eine bequeme Schlafposition findest. Blasenstörungen können dazu führen, dass Du mehrmals pro Nacht zur Toilette musst. 1 , 6

Auch depressive Verstimmungen, Ängste oder Grübeln nach der Diagnose oder im Krankheitsverlauf können den Schlaf stören. Manchmal kommen mehrere Faktoren zusammen. Dann ist es besonders hilfreich, die Beschwerden systematisch zu beobachten und nicht nur „den Schlaf“ allgemein zu behandeln. 1


04

Wie findest Du heraus, was Deinen Schlaf bei MS stört?

Der erste Schritt ist, Deine Schlafprobleme genauer zu beobachten. Ein Schlaftagebuch kann Dir helfen, Muster zu erkennen. Notiere zum Beispiel, wann Du ins Bett gehst, wie lange Du wach liegst, wie oft Du nachts aufwachst und wie erholt Du Dich am nächsten Morgen fühlst.

Ergänze mögliche Auslöser: spätes Essen, Alkohol, Koffein, Bildschirmzeit, Stress, Schmerzen, nächtlicher Harndrang oder unruhige Beine. Diese Informationen helfen Deinem Behandlungsteam, die möglichen Ursachen besser zu erkennen.

Auch digitale Anwendungen können unterstützen. MS-Apps wie Brisa® können dabei helfen, Schlaf, Symptome und Veränderungen im Alltag zu dokumentieren. In manchen Fällen ist zusätzlich eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll, etwa bei Verdacht auf Atemaussetzer, auffällige Beinbewegungen oder andere Schlafstörungen.


05

10 Tipps für besseren Schlaf bei Multipler Sklerose

Nicht jede Schlafstörung lässt sich allein durch Verhaltensänderungen lösen. Trotzdem können gute Schlafgewohnheiten dazu beitragen, dass Dein Körper leichter zur Ruhe kommt. Probiere aus, was zu Dir und Deinem Alltag passt.

  1. Führe ein Schlaftagebuch und notiere Schlafzeiten, Wachphasen, Tagesmüdigkeit und mögliche Auslöser.
  2. Sprich störende Symptome wie Schmerzen, Spastik, Restless Legs, Blasenprobleme oder depressive Verstimmungen gezielt an.
  3. Achte auf regelmäßige Schlafenszeiten und vermeide lange Nickerchen am Tag.
  4. Gestalte Dein Schlafzimmer dunkel, ruhig und eher kühl.
  5. Reduziere Bildschirmzeit vor dem Schlafengehen.
  6. Meide abends schwere Mahlzeiten, Alkohol, Nikotin und größere Mengen Koffein.
  7. Entwickle ein ruhiges Abendritual, zum Beispiel mit Atemübungen, Dehnen, Lesen oder Musik.
  8. Schaue nachts nicht ständig auf die Uhr. Das kann zusätzlichen Druck erzeugen.
  9. Besprich mit Deinem Behandlungsteam, ob Medikamente Deinen Schlaf beeinflussen könnten.
  10. Nutze Schlafmittel nur nach ärztlicher Rücksprache.
emoji_objects

Hin und wieder schlecht zu schlafen, ist normal. Ärztliche Hilfe ist sinnvoll, wenn Deine Schlafprobleme mehrere Wochen anhalten, an mindestens drei Nächten pro Woche auftreten oder Deinen Alltag deutlich beeinträchtigen.


06

Welche Rolle spielt die MS-Therapie bei Schlafstörungen?

Eine verlaufsmodifizierende MS-Therapie zielt darauf ab, die Krankheitsaktivität zu unterdrücken und das Fortschreiten der MS zu bremsen. Sie behandelt Schlafstörungen nicht direkt. Trotzdem kann eine gut eingestellte MS-Behandlung wichtig sein, um Beschwerden vorzubeugen, die Deinen Schlaf belasten können.

Zusätzlich gibt es die symptomatische Therapie. Sie richtet sich gegen einzelne Beschwerden wie Schmerzen, Spastik, Blasenstörungen, Fatigue oder depressive Symptome. Wenn Beschwerden besser kontrolliert sind, kann sich auch Dein Schlaf verbessern. 1

Welche Maßnahmen für Dich sinnvoll sind, hängt von Deinen Beschwerden, Deinem MS-Verlauf, Deiner aktuellen Therapie und Deinem Alltag ab. Entscheide gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam, welche Schritte zu Dir passen.


07

FAQs

Können Schlafstörungen ein Symptom von MS sein?

Ja. Schlafstörungen treten bei Menschen mit Multipler Sklerose deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung und können durch MS-Symptome oder eigenständige Schlafstörungen verursacht werden.

Kann schlechter Schlaf Fatigue bei MS verschlimmern?

Ja. Schlechter Schlaf kann Tagesmüdigkeit und Fatigue verstärken und die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

Welche Schlafstörungen treten bei MS besonders häufig auf?

Zu den häufigsten Schlafstörungen bei MS gehören Insomnie, Schlafapnoe und das Restless-Legs-Syndrom.

Wann sollte ich wegen Schlafproblemen ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Schlafprobleme über mehrere Wochen hinweg bestehen, regelmäßig auftreten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00031068


Quellenverzeichnis

  1. Hemmer B, Gehring K et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-opticaSpektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 02.06.2026.

  2. Mayer G. et al. Insomnie bei neurologischen Erkrankungen, S2k-Leitlinie, 2020, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. https://www.dgn.org/leitlinie/insomnie-bei-neurologischen-erkrankungen, zuletzt abgerufen am 26.05.2026. 

  3. Veauthier C. Schlafstörungen bei Multipler Sklerose. Nervenheilkunde 2019; 38: 97–100. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0817-2588.pdf, zuletzt abgerufen am 26.05.2026.

  4. Obstruktive Schlafapnoe, zuletzt abgerufen am 26.05.202

  5. Kotterba S, Neusser T, Norenberg C et al. Sleep quality, daytime sleepiness, fatigue, and quality of life in patients with multiple sclerosis treated with interferon beta-1b: results from a prospective observational cohort study. BMC Neurol. 2018 Aug 24;18(1):123. doi: 10.1186/s12883-018-1113-5.

  6. https://www.dmsg-bayern.de/news/meldung/news/schlafstoerungen-bei-ms, zuletzt abgerufen am 26.05.202