MS-Diagnose verstehen: Schritt für Schritt zu Klarheit

Der Verdacht auf Multiple Sklerose (MS) kann verunsichern. Eine sorgfältige Diagnose bringt Klarheit und ermöglicht es, früh mit einer hochwirksamen Therapie zu beginnen. Hier erfährst Du, welche Untersuchungen zur MS-Diagnose gehören und was die Ergebnisse bedeuten können.

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Lesezeit: 10 min

Mature doctor discussing with man at clinic

Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Diagnose der Multiplen Sklerose besteht aus mehreren Bausteinen: einem ausführlichen Gespräch (Anamnese), einer neurologischen Untersuchung, einer MRT sowie Laboruntersuchungen von Blut und Nervenwasser (Liquor).
  • Erst das Zusammenspiel aller Ergebnisse erlaubt es Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, die Diagnose MS sicher zu stellen und andere Ursachen auszuschließen.
  • Eine frühe Diagnose ist wichtig, um direkt aktiv werden zu können. Hochwirksame MS-Therapien helfen heute sehr effektiv dabei, den Krankheitsverlauf zu kontrollieren und die Lebensqualität langfristig zu erhalten.
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Was sind erste Anzeichen für MS?

Multiple Sklerose beginnt häufig mit Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühlen in den Händen oder Füßen. Auch verschwommenes Sehen oder Doppelbilder sowie Unsicherheit beim Gehen sind häufige erste Anzeichen einer MS. 1  Diese Beschwerden sind aber unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.

Symptome bei Multipler Sklerose

Je früher die Diagnose MS gestellt wird, desto eher kann eine Behandlung beginnen, die den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen kann. Daher solltest Du Beschwerden immer ärztlich abklären lassen.


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Verdacht auf MS: Wie geht es weiter?

Steht der Verdacht auf eine Multiple Sklerose im Raum, wird Dich Deine Hausärztin oder Dein Hausarzt in der Regel an eine neurologische Praxis überweisen. Für eine gesicherte MS-Diagnose erfolgen dort mehrere Untersuchungen, die zusammen ein Gesamtbild ergeben. Den einen einzelnen MS-Test gibt es nicht. Zu den Untersuchungen gehören: 2

  • Anamnese (ausführliches Gespräch)
  • neurologische Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • Lumbalpunktion (Untersuchung des Nervenwassers)
  • Magnetresonanztomographie (MRT)
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Was ist Neurologie?

Die Neurologie (Lehre vom Nervensystem) beschäftigt sich mit der Diagnose und Therapie von verschiedenen Erkrankungen des Nervensystems, wie der Multiplen Sklerose.


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Was passiert bei der Anamnese?

In einem ausführlichen Gespräch erfragt Deine Ärztin oder Dein Arzt Deine aktuellen Beschwerden und bisherige Krankheitsgeschichte. Dieses Gespräch nennen Fachleute Anamnese. Du wirst zum Beispiel gefragt, seit wann Deine Beschwerden bestehen, ob ähnliche Symptome schon früher aufgetreten sind und ob es Phasen mit deutlicher Verschlechterung gab, die auf MS-Schübe hindeuten könnten.

Außerdem interessiert Deine Ärztin oder Deinen Arzt, welche Medikamente Du einnimmst, ob Allergien bekannt sind und welche Erkrankungen in Deiner Familie vorkommen. Dieses Gespräch hilft, MS als Ursache Deiner Beschwerden in Betracht zu ziehen – oder andere Ursachen aufzudecken.


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Was ist eine neurologische Untersuchung und wie läuft sie ab?

Bei der neurologischen Untersuchung werden verschiedene Körperfunktionen getestet. Sie kann erste Hinweise auf eine Schädigung von Gehirn oder Rückenmark liefern, wie sie bei MS passiert. Dabei prüft die Neurologin oder der Neurologe unter anderem Reflexe, Muskelkraft, Sehfähigkeit, Gleichgewichtssinn, Koordination und Wahrnehmung von Reizen auf der Haut.

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Was sind evozierte Potenziale?

Evozierte Potenziale sind eine neurologische Untersuchung. Sie messen, wie schnell Reize im Nervensystem weitergeleitet werden und geben so Hinweise auf eine mögliche MS-bedingte Schädigung. Die Messung erfolgt über Elektroden auf der Haut und ist in der Regel schmerzfrei.


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Warum wird das Blut bei MS-Verdacht untersucht?

Blutuntersuchungen sollen bei MS-Verdacht vor allem andere Ursachen ausschließen. So lassen sich etwa Infektionen oder ein Vitamin-B12-Mangel erkennen, die ähnliche Beschwerden auslösen können. Das ist wichtig, weil MS-Symptome oft nicht eindeutig sind.

Ein weiterer Laborwert, der im Blut gemessen werden kann und zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist NfL (Neurofilament-Leichtketten). NfL im Blut gibt Hinweise darauf, ob gerade Nervenzellen geschädigt werden. Der Wert ist nicht MS-spezifisch, sondern kann auch bei anderen Ursachen für Nervenschädigungen erhöht sein. Für sich allein reicht NfL also nicht zur Diagnose der MS, kann jedoch helfen, Entzündungsaktivität besser einzuordnen und die Therapie im Verlauf zu begleiten.


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Lumbalpunktion: Welche Hinweise liefert das Nervenwasser (Liquor) bei MS?

Das Nervenwasser (Liquor) ist eine klare Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült, schützt und mit Nährstoffen versorgt. Bei MS finden sich darin sehr häufig bestimmte Eiweißkörper, die sogenannten oligoklonalen Banden. Sie deuten auf chronisch-entzündliche Prozesse im zentralen Nervensystem hin.

Wichtig zu wissen: Oligoklonale Banden sind ein typischer Hinweis auf MS, sie sind aber nicht allein beweisend. Umgekehrt schließt ein unauffälliger Liquor MS nicht sicher aus. Entscheidend ist immer das Gesamtbild aller Befunde.


Was passiert bei einer Lumbalpunktion (Liquor-Untersuchung) bei Verdacht auf MS?

Für die Untersuchung wird eine sogenannte Lumbalpunktion durchgeführt. Bei diesem häufig durchgeführten diagnostischen Eingriff entnimmt die Ärztin oder der Arzt unter örtlicher Betäubung mit einer dünnen Nadel etwas Nervenwasser. Im Labor wird der Liquor auf Eiweißkörper, Zellen und andere Entzündungszeichen untersucht.


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Welche Rolle spielt die MRT bei der MS-Diagnose?

Die Magnetresonanztomographie (MRT, auch Kernspintomografie) ist das zentrale Verfahren bei der MS-Diagnose. Auf den MRT-Aufnahmen erkennt Deine Ärztin oder Dein Arzt, ob sich in Gehirn oder Rückenmark die für MS typischen Entzündungsherde (Läsionen) zeigen.

 

Vor der MRT-Untersuchung zur Diagnostik bekommst Du häufig ein Gadolinium-haltiges Kontrastmittel gespritzt. Es lagert sich in Bereichen frischer Entzündungen an und macht diese auf den Aufnahmen besonders sichtbar. So lässt sich unterscheiden, welche Läsionen neu sind und welche älter und bereits abgeklungen.

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Wie funktioniert eine MRT?

Mithilfe starker Magnetfelder und Radiowellen erzeugt eine MRT detaillierte Schnittbilder von Gehirn und Rückenmark. Anders als bei der Computertomographie (CT) kommen keine Röntgenstrahlen zum Einsatz.

Neben der wichtigen Rolle bei der Diagnose der Multiplen Sklerose, ist die MRT-Untersuchung auch essenziell bei der Überwachung des Krankheitsverlaufs. Mithilfe regelmäßiger Kontrolltermine kannst Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam frühzeitig eine mögliche Krankheitsaktivität erkennen und rechtzeitig handeln.


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McDonald-Kriterien bei MS: Was bedeuten die einzelnen Befunde?

Keine der genannten Untersuchungen allein reicht aus, um MS sicher zu diagnostizieren oder auszuschließen. Deine Ärztinnen oder Ärzte beurteilen immer das Gesamtbild: Beschwerden und Verlauf, Ergebnisse der neurologischen Untersuchung, MRT-Befunde, Liquor- und Blutwerte sowie eventuell evozierte Potenziale. Dazu nutzen sie einen international anerkannten Standard für die MS-Diagnose: die McDonald-Kriterien. 2


Was sind McDonald-Kriterien?

Die McDonald-Kriterien geben an, bei welchen Befunden die Diagnose MS sicher gestellt werden kann. Eine Voraussetzung dabei ist, dass unterschiedliche MS-typische Bereiche im zentralen Nervensystem, also im Gehirn und Rückenmark, betroffen sind. Fachleute nennen das räumliche Dissemination. Im MRT zeigt sich dies durch Entzündungsherde (Läsionen) an verschiedenen Stellen. 2

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Die MS-Diagnosekriterien sind nach dem neuseeländischen Neurologen William Ian McDonald benannt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die sogenannte zeitliche Dissemination. Das bedeutet, dass Krankheitsaktivität zu unterschiedlichen Zeitpunkten nachweisbar ist – etwa durch mehr als einen Schub oder durch alte und neue Läsionen im MRT. Nach den 2024 aktualisierten McDonald-Kriterien (veröffentlicht 2025 3 ) ist dieser zeitliche Nachweis jedoch nicht mehr immer zwingend erforderlich, wenn andere typische Untersuchungsergebnisse, zum Beispiel aus dem Nervenwasser, die Diagnose ausreichend absichern. Dadurch soll die Diagnose schneller gestellt werden können und eine frühzeitige MS-Therapie ermöglicht werden. 2

Die Diagnose MS kann ein emotional sehr belastender Moment sein – gibt Dir aber auch endlich Klarheit und die Möglichkeit, die Erkrankung mit einer hochwirksamen MS-Therapie auszubremsen.


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FAQ

Wie kann ich mich auf den Termin in der Neurologie vorbereiten?

Diese Tipps helfen Dir, beim ärztlichen Gespräch nichts Wichtiges zu vergessen und möglichst alle Fragen zu klären:
 

  • Führe ein Symptom-Tagebuch: Wann traten welche Beschwerden auf? Wie lange hielten sie an? Gab es Auslöser?
  • Notiere Dir vorab Deine Fragen, z. B.: Welche Therapien kommen für mich infrage? Welche Vor- und Nachteile haben sie? Wo finde ich Unterstützung und weitere Informationen?
  • Nimm eine Begleitung mit: Vier Ohren hören mehr als zwei.
     

Tut eine Lumbalpunktion weh?

Die Lumbalpunktion wird in der Regel unter örtlicher Betäubung durchgeführt und ist daher meist schmerzfrei. Eventuell spürst Du einen kurzen Druck oder ein leichtes Ziehen. Sprich Dein Behandlungsteam an, wenn Du Bedenken hast.

Was ist ein radiologisch isoliertes Syndrom (RIS)?

Ein „radiologisch isoliertes Syndrom“ liegt vor, wenn in der MRT zufällig Entzündungsherde entdeckt werden, die typisch für eine Multiple Sklerose sind, die betroffene Person aber keinerlei neurologische Symptome verspürt. Ein RIS ist daher meist ein Zufallsbefund bei einer MRT aus einem anderen Grund. 2

Muss ein radiologisch isoliertes Syndrom (RIS) behandelt werden?

Ein RIS muss nicht grundsätzlich behandelt werden. Nach den 2024 aktualisierten McDonald-Kriterien (veröffentlicht 2025) 3 kann ein RIS jedoch bereits als MS diagnostiziert und entsprechend behandelt werden. 2

Was ist ein klinisch isoliertes Syndrom (KIS)?

Ein klinisch isoliertes Syndrom (KIS) ist das erste Auftreten von MS-typischen Beschwerden, zum Beispiel Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Gangunsicherheit. Es ist also der erste klinische Verdacht auf eine Multiple Sklerose. 2

Muss ein klinisch isoliertes Syndrom (KIS) behandelt werden?

Ja, in den meisten Fällen ist ein früher Therapiebeginn heute der Standard. Nach den 2024 aktualisierten McDonald-Kriterien (veröffentlicht 2025) 3 kann die Diagnose Multiple Sklerose bei einem KIS jetzt sofort gestellt werden, wenn die McDonald-Kriterien anhand von MRT- und Zusatzbefunden erfüllt sind. 2 Damit entfällt das Warten auf einen zweiten Schub oder neue MRT-Läsionen. Eine frühzeitige, hochwirksame MS-Therapie direkt nach dem KIS kann die Krankheitsaktivität unterdrücken und das Fortschreiten der Erkrankung bremsen.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030101

Quellenverzeichnis

  1. www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-erforschen/grafiken-des-quartals/monats/berichte-zu-grafiken-des-quartals/monats/sensibilitaets-seh-und-motorische-stoerungen, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.

  2. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 03.06.2026.

  3. Montalban X, Lebrun-Frénay C, Oh J et al. Diagnosis of multiple sclerosis: 2024 revisions of the McDonald criteria. Lancet Neurol. 2025;24:850-865. doi: 10.1016/S1474-4422(25)00270-4.


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