Angehörige von Menschen mit MS: Halt und Achtsamkeit für Dich selbst

Wenn ein Dir nahestehender Mensch die Diagnose Multiple Sklerose (MS) bekommt, verändert das unweigerlich auch Dein eigenes Leben. Plötzlich übernimmst Du mehr Verantwortung, organisierst den Alltag, koordinierst Termine oder fängst emotionale Tiefs auf. Inmitten all dieser Fürsorge passiert es jedoch ganz leicht, dass Deine eigenen Bedürfnisse aus dem Blick geraten. Dieser Beitrag soll Dir als sicherer Rückzugsort dienen: Er zeigt Dir, warum Selbstfürsorge kein Egoismus ist, wie Du Warnsignale rechtzeitig deutest und wo Du einfühlsame Unterstützung findest.

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Lesezeit: 8 min

Eine Frau sitzt am Fenster

Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

Veränderter Alltag: Die Diagnose MS bringt oft zusätzliche Aufgaben, neue Sorgen und emotionale Doppelbelastungen für das gesamte Umfeld mit sich. 1

  • Bedürfnisse zählen: Nur wenn Du selbst körperlich und seelisch stabil bleibst, kannst Du langfristig eine verlässliche Stütze sein.
  • Warnsignale ernst nehmen: Schlafstörungen, ständige innere Unruhe oder körperliche Schmerzen ohne organische Ursache sind dringende Zeichen für eine Pause.
  • Hilfe annehmen: Es ist ein Zeichen von emotionaler Stärke und kein Versagen, frühzeitig professionelle oder psychologische Entlastung in Anspruch zu nehmen. 2
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Wie verändert die MS Dein Leben als Angehörige:r?

Eine chronische Erkrankung wie die Multiple Sklerose betrifft selten nur einen Menschen allein - die Erkrankung Multiple Sklerose bewegt das gesamte familiäre Gefüge stark. 1 Als Partner:in, Kind oder nahestehende Person möchtest Du natürlich Schutz bieten, Belastungen abfedern und den Alltag so normal wie möglich gestalten. Doch während Du versuchst, eine verlässliche und dauerhafte Unterstützung zu bieten, laufen Dein eigener Beruf, der Haushalt und Deine persönlichen Themen unvermindert weiter.

Diese dauerhafte Doppelbelastung kostet unbemerkt viel körperliche und seelische Kraft. Bitte denke in intensiven Phasen immer daran: Du musst diese Herausforderungen nicht ganz allein bewältigen. Es ist vollkommen menschlich und absolut erlaubt, Grenzen zu haben, müde zu sein und selbst Unterstützung anzunehmen.


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Warum Deine eigenen Bedürfnisse das wichtigste Fundament sind

Viele liebevolle Menschen neigen dazu, ihre eigenen Wünsche und Sorgen weit hintenanzustellen, sobald ein Familienmitglied erkrankt. Vielleicht kennst Du den inneren Druck, ständig „funktionieren“ zu müssen, oder spürst sogar ein schlechtes Gewissen, wenn Du Dir eine Auszeit gönnst.

Doch echte Selbstfürsorge hat nichts mit Egoismus zu tun. Sie ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass Deine Hilfe dauerhaft tragfähig bleibt. Genau wie die Sauerstoffmaske im Flugzeug musst Du zuerst für Dich selbst sorgen, um anschließend für andere da sein zu können. Du hast, ganz unabhängig von der MS, das uneingeschränkte Recht auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben, in dem Deine Gefühle genauso viel zählen wie die Deines Gegenübers.


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Erfahrungswert aus der psychologischen Begleitung: In der professionellen Beratung zeigt sich häufig, dass unterstützende Angehörige aus tiefer Zuneigung über ihre eigenen Belastungsgrenzen gehen, bis die eigenen Kraftreserven vollständig erschöpft sind. 2 Das bewusste Setzen von Grenzen und das Einfordern von regelmäßigen Pausen ist kein Versagen, sondern der wertvollste Schutz für die Partnerschaft und die gemeinsame Zukunft. 1


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Welche Warnsignale Deines Körpers solltest Du ernst nehmen?

Da die Unterstützung eines Menschen mit MS oft ein schleichender Prozess ist, bemerken viele Angehörige die Erschöpfung erst, wenn diese bereits tief sitzt. Achte daher sensibel auf die leisen Warnzeichen Deines Körpers und Deiner Seele:

  • Du liegst nachts lange wach, analysierst Probleme oder leidest unter unruhigem Schlaf.
  • Du spürst eine ungewohnte Gereiztheit, weinst schneller oder fühlst Dich emotional leer und erschöpft.
  • Eine anhaltende kognitive Überlastung und Sorgen um die Pflege und die Zukunft lassen sich kaum noch stoppen.
  • Dein Körper reagiert mit Kopfschmerzen, Verspannungen im Rücken oder Magendrücken, ohne dass es eine klare organische Ursache gibt.
  • Dinge, die Dir früher Kraft und Freude geschenkt haben, fühlen sich nur noch wie eine weitere Verpflichtung an.

Dauerhafter Stress ohne Ausgleich kann Dich seelisch verwundbar machen und im schlimmsten Fall zu einer schweren Erschöpfungsdepression führen. Nimm diese Sorgen als wichtigen Weckruf, rechtzeitig gegenzusteuern.


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Wege zur Selbstfürsorge: Wie Du gut mit Deiner Energie haushältst

Auch wenn die MS einen festen Platz in Eurem Leben einnimmt, darfst Du aktiv entscheiden, wie Du Deine verbleibende Energie einteilst. 1 Kleine, regelmäßige Strategien helfen Dir, Deine Kraftreserven zu schützen:

  • Grenzen setzen: Beobachte achtsam, was Dich am meisten erschöpft. Erlaube Dir ein klares, sanftes „Nein“ - sowohl in der Familie als auch im Freundeskreis.
  • Gefühle teilen: Sprich offen aus, wenn Dir die Anforderungen zu viel werden. Ein vertrauensvolles Gespräch nimmt oft schon den ersten Druck von Deinen Schultern.
  • Feste Ruheinseln planen: Betrachte Pausen nicht als Belohnung, die Du Dir erst mühsam verdienen musst. Ein Spaziergang, ein gutes Buch oder ein Treffen außerhalb des Krankheitsthemas sind wirksame Erholungsstrategien.
  • Austausch suchen: Das Gespräch mit anderen pflegenden Angehörigen in Foren oder Selbsthilfegruppen tut unendlich gut. 1  Dort erlebst Du das erleichternde Gefühl: „Ich werde verstanden und bin mit meinen Sorgen nicht allein.“

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Wie erhaltet Ihr die Balance und die Liebe in Eurer Beziehung?

Wenn Pflege- und Organisationsaufgaben überhandnehmen, besteht die Gefahr, dass sich das gesamte Beziehungsleben nur noch um die Erkrankung dreht. 1 Versucht deshalb ganz bewusst, die ursprünglichen Rollen als Liebespaar oder Familie zu schützen.

Arbeitet nach dem wertvollen Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“: Lass Deinem Gegenüber so viel Eigenständigkeit wie möglich. 1 Das entlastet nicht nur Dich, sondern stärkt auch das Selbstwertgefühl des erkrankten Menschen. Schafft Euch bewusst krankheitsfreie Zonen und feste Räume für das Schöne - für gemeinsame Rituale, Zärtlichkeit, Romantik und Gespräche, die weit über die MS hinausgehen. Denn der Mensch an Deiner Seite ist so viel mehr als seine Diagnose.


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Wann und wo findest Du professionelle Unterstützung?

Wenn Du merkst, dass die Traurigkeit überwiegt, Du kaum noch abschalten kannst oder die Erschöpfung chronisch wird, ist es ein Zeichen von immenser innerer Stärke, Dir professionelle Hilfe zu holen. 2 Psychologische Unterstützung hilft Dir, Schuldgefühle einzuordnen, Stressbewältigung zu lernen und neue Kraft zu schöpfen. 2

Hier findest Du jederzeit ein offenes Ohr und konkrete, diskrete Hilfe:

  • pflegen-und-leben.de: Eine kostenlose, völlig anonyme und psychologisch begleitete Online-Beratung speziell für pflegende Angehörige. 2
  • Pflegestützpunkte & Pflegeberatung: Regionale Anlaufstellen, die Dich bei der Organisation von Entlastungsleistungen tatkräftig unterstützen. 4
  • DMSG-Landesverbände: Bieten psychosoziale Beratung und vermitteln Dich in regionale Selbsthilfegruppen vor Ort. 1
  • Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums: Schnelle, vertrauensvolle telefonische Hilfe unter der Nummer +49 (0)30 201 791 31. 3

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FAQ

Ich fühle mich oft schuldig, wenn ich Zeit für mich beanspruche. Ist das normal?

Ja, Schuldgefühle sind unter Angehörigen leider sehr weit verbreitet. Bitte versuche, Dir immer wieder vor Augen zu führen: Selbstfürsorge ist der notwendige Treibstoff, der Dich über die lange Zeit rettet. Du darfst und musst gut zu Dir sein.

Wie kann ich offen sagen, dass ich an meine Belastungsgrenze stoße?

Wähle ein ruhiges Gespräch und formuliere Deine Sorgen wertschätzend als Ich-Botschaft. Du könntest sagen: „Ich liebe Dich und möchte fest an Deiner Seite stehen - aber ich merke, dass meine Kräfte nachlassen und ich kleine Pausen brauche, um wieder voll für uns da sein zu können.“

Es überkommt mich manchmal Wut oder tiefe Trauer - darf ich das fühlen?

Absolut. Das Leben mit einer chronischen Erkrankung ist eine tiefgreifende emotionale Herausforderung. Diese Gefühle bedeuten nicht, dass Du ungeduldig oder lieblos bist - sie zeigen einfach nur, wie viel Du gerade trägst. Wichtig ist, dass Du Dich damit jemandem anvertraust. 2

Inhaltlich geprüft: M-DE-00015069


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