MS kindgerecht erklären: So sprichst Du voller Vertrauen mit Deinem Kind

Wenn Du mit MS lebst, möchtest Du Deine Kinder natürlich vor Sorgen schützen. Doch Kinder haben feine Antennen und spüren schnell, wenn sich der Alltag verändert, Mama oder Papa müder sind oder Termine anstehen. Offen und ehrlich in der Familie zu sprechen, nimmt Ängste und stärkt Euren Zusammenhalt. Mit einfachen Bildern, liebevollen Vergleichen und kindgerechten Materialien hilfst Du Deinem Kind zu verstehen, was in Deinem Körper vorgeht und zeigst ihm, dass Euer Familienleben trotzdem voller schöner Momente bleibt.

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Lesezeit: 9 min

Ein Vater sitzt mit seinem  Sohn auf dem Sofa und liest aus einem Buch vor

Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Feine Antennen: Kinder merken, wenn es einem Elternteil nicht gut geht - ein behutsames Gespräch hilft ihnen viel mehr als Schweigen. 1
  • Einfache Bilder: Erkläre die MS ohne medizinische Fachbegriffe, sondern zum Beispiel als „Baustellen auf den Datenstraßen“ im Körper. 2
  • Symptome veranschaulichen: Nutze Vergleiche aus der Welt Deines Kindes, wie ein kribbelndes Gefühl von Ameisen oder einen Handy-Akku, der schneller leer wird. 1
  • Gemeinsam stark: Zeige Deinem Kind, dass die MS zwar ein Teil Eures Lebens ist, Du aber medizinische Hilfe bekommst und Ihr als Familie fest zusammenhaltet. 1 , 2
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Warum ist es so wichtig, mit Deinem Kind über die MS zu sprechen?

Kinder sind feinfühlige Beobachter. Sie merken sofort, wenn Du häufiger Pausen brauchst, traurig bist oder ein Arzttermin Eure Pläne durcheinanderbringt. 1 , 2 Wenn sie für diese Veränderungen keine Erklärung bekommen, füllen sie die Lücken oft mit ihrer eigenen Fantasie. Aus Unwissenheit entstehen dann häufig viel größere Ängste, als die Realität sie erfordern würde. Manche Kinder machen sich heimlich Vorwürfe oder denken, sie hätten etwas falsch gemacht.

Ein altersgerechtes, ehrliches Gespräch nimmt diese Last von den Schultern Deines Kindes. Offenheit schafft Vertrauen und gibt Deinem Kind die Sicherheit, dass man in Eurer Familie über alles sprechen darf. Es lernt zu verstehen, warum manche Dinge anders laufen, und erfährt gleichzeitig, dass es mit seinen Gefühlen und Fragen immer ernst genommen wird.


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Wie kannst Du die Vorgänge im Körper ganz einfach erklären?

Du musst keine komplizierten medizinischen Fachbegriffe verwenden, um die Multiple Sklerose verständlich zu machen. Nutze lieber Bilder, die Dein Kind leicht nachvollziehen kann: 2

  • Die Schaltzentrale: Erkläre Deinem Kind, dass das Gehirn wie eine große, kluge Schaltzentrale funktioniert. Von dort aus werden Nachrichten an die Muskeln, die Augen oder die Beine geschickt.
  • Die Datenstraßen: Diese Nachrichten reisen über Nervenbahnen, die man sich wie Kabel oder Straßen im Körper vorstellen kann.
  • Die Baustelle: Bei der MS schleicht sich manchmal eine Entzündung an und beschädigt die Schutzhülle dieser Kabel. Es entstehen kleine Narben - genau wie ein Schlagloch oder eine Baustelle auf einer Straße. Die Nachrichten kommen dann langsamer oder manchmal gar nicht ans Ziel. Deshalb funktioniert manches im Körper vorübergehend anders oder langsamer als gewohnt.
     
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Ein schöner Vergleich aus der Praxis:

Sehr gut eignet sich auch der Vergleich mit einem aufgeschlagenen Knie. So wie nach einem Sturz auf der Haut eine kleine Narbe zurückbleibt, können auch im Gehirn oder Rückenmark winzige Narben entstehen. 3 Sie tun nicht weh, aber sie können das Gehen, Sehen oder Festhalten von Dingen zeitweise etwas schwerer machen.


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Wie lassen sich typische MS-Symptome alltagsnah beschreiben?

Da sich die MS bei jedem Menschen anders zeigt, reicht es völlig aus, wenn Du nur die Symptome erklärst, die Dich und Euren Familienalltag aktuell betreffen. 2 Knüpfe dabei am besten an Erfahrungen an, die Dein Kind selbst schon einmal gemacht hat.

Sensibilitätsstörungen: Wenn die Nerven schummeln

Wenn Deine Hände oder Füße kribbeln oder sich taub anfühlen, kannst Du Deinem Kind erklären, dass die verletzten Nervenbahnen gerade „flunkern“ und falsche Nachrichten an die Schaltzentrale senden. Es fühlt sich dann so an, als würden lautlose Ameisen über Deine Haut laufen oder als wäre der Fuß eingeschlafen – genau wie nach langem Sitzen im Schneidersitz. Der einzige Unterschied ist, dass dieses Gefühl bei Dir etwas länger bleibt, weil die Baustelle im Körper mehr Zeit zum Aufräumen braucht.

Fatigue: Der Akku, der schneller leer wird

Die besondere MS-Müdigkeit lässt sich wunderbar mit einem Handy oder einem Spielzeugauto vergleichen. Durch die MS muss Dein Gehirn viel mehr arbeiten, weil es ständig Umwege um die Baustellen herum suchen muss. Das verbraucht unheimlich viel Energie. Dein Körper ist in diesen Momenten wie ein Akku, der sich schneller entlädt als bei anderen Menschen. Damit dieser Akku wieder aufladen kann, brauchst Du eine bewusste Pause - selbst dann, wenn Ihr gerade mitten im Spiel seid. Versichere Deinem Kind dabei, dass diese Ruhepause nichts mit ihm zu tun hat, sondern rein dem Aufladen Deiner Kräfte dient.


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Wie kannst Du Deinem Kind die Angst vor der Zukunft nehmen?

Kinder fragen oft ergreifend direkt: „Musst Du sterben?“ oder „Geht das wieder weg?“ Solche Fragen können im ersten Moment schmerzhaft sein, aber sie bieten Dir die Chance, Dein Kind liebevoll zu beruhigen. 1 , 2 Du darfst vollkommen ehrlich sein und gleichzeitig Zuversicht schenken.

Erkläre Deinem Kind, dass die MS zwar eine chronische Erkrankung ist, die Dich Dein Leben lang begleiten wird, aber man keineswegs daran stirbt. Betone ganz bewusst, wie gut die heutige Medizin helfen kann. 2 Es gibt tolle Medikamente, Gymnastik und Übungen, die Deinem Körper helfen, fit zu bleiben. So vermittelst Du Deinem Kind das sichere Gefühl: Wir bekommen professionelle Unterstützung, wir sind aktiv und wir gehen diesen Weg gemeinsam als Familie. 1


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Welche kindgerechten Materialien können Euch unterstützen?

Du musst die passenden Worte nicht ganz allein finden. Es gibt wunderbare, einfühlsame Hilfsmittel, die speziell für Familien mit MS entwickelt wurden und das Thema spielerisch transportieren. Ein vertrautes Beispiel ist das liebevoll gestaltete Bilderbuch „Annas Mama ist super“. 3 Anhand von warmherzigen Alltagsszenen zeigt die Geschichte, dass eine Mutter trotz ihrer MS-Symptome eine starke, zugewandte und wunderbare Mama bleibt. Zu diesem Buch gibt es auch ein animiertes Hörbuch sowie ein eBook, das sich ideal eignet, um es gemeinsam auf dem Tablet anzuschauen. 3

Nutzt zudem die kindgerechten Erklärvideos, Podcasts und Broschüren der großen MS-Verbände. 1 Wenn Ihr Euch die Materialien gemeinsam anseht, entsteht ganz ungezwungen Raum für Fragen, die Dein Kind vielleicht sonst gar nicht auszusprechen gewagt hätte.


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Wo findest Du Rat, wenn Du unsicher bist?

Es ist vollkommen normal, wenn Du vor dem Gespräch nervös bist oder Angst hast, die falschen Worte zu wählen. Du musst mit diesen Sorgen nicht allein bleiben. Neben Deinem medizinischen Behandlungsteam stehen Dir spezialisierte Beratungsstellen, psychologische Fachkräfte und die Familienberatungen der MS-Gesellschaften helfend zur Seite. 1 , 2 Sie haben viel Erfahrung darin, wie Kinder in den unterschiedlichen Altersstufen die Erkrankung verarbeiten, und begleiten Dich gerne Schritt für Schritt bei diesem wichtigen Schritt für Eure Familie.


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FAQ

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um mein Kind einzuweihen?

Es gibt selten den einen perfekten Moment, aber grundsätzlich gilt: Je früher und unaufgeregter das Thema in kleinen Portionen einzieht, desto vertrauter wächst Dein Kind damit auf. 1 Warte nicht auf einen schweren Schub, sondern sprich in einer ruhigen, entspannten Alltagssituation darüber. 2

Was mache ich, wenn mein Kind gar nicht über die MS reden möchte?

Dränge Dein Kind bitte nicht. Jedes Kind verarbeitet Nachrichten in seinem eigenen Tempo. 1 Signalisiere ihm einfach immer wieder sanft: „Ich bin da, wenn Du Fragen hast.“ Oft kommen Kinder ganz von selbst auf das Thema zurück, wenn sie die Informationen für sich sortiert haben.

Darf mein Kind sehen, wenn ich traurig bin oder Angst habe?

Ja, absolut. Du musst keine perfekten Gefühle vorspielen. Wenn Kinder merken, dass auch Erwachsene mal traurig oder besorgt sein dürfen, lernen sie einen gesunden Umgang mit ihren eigenen Emotionen. Wichtig ist nur, dass Du am Ende des Gesprächs wieder Zuversicht vermittelst und zeigst, dass Ihr als Familie eine Lösung findet. 1

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030928


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