MS-Pflege zu Hause: Leistungen und Entlastung für Angehörige

Wenn Du einen Menschen mit MS zu Hause pflegst oder Dir als MS-Betroffene:r Sorgen um Deine Liebsten machst, trägst Du oft viel Verantwortung auf einmal. Neben der emotionalen Herausforderung gilt es, den Alltag zu organisieren und finanzielle Fragen zu klären. Doch Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Es gibt wertvolle gesetzliche Leistungen, die Dich als pflegende Angehörige oder pflegenden Angehörigen absichern und Dir spürbare Entlastung schenken können.

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Lesezeit: 7 min

Rollstuhlfahrerin mit  Begleitung und Hunden im Wald.

Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Großes Engagement: Pflegende Angehörige leisten einen unschätzbaren Beitrag bei der Versorgung von Menschen mit MS, oft neben Beruf und Familie. 1
  • Soziale Absicherung: Der Staat unterstützt Dich durch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung, wenn Du die Voraussetzungen erfüllst. 2
  • Auszeiten finanzieren: Die Verhinderungspflege ermöglicht Dir wichtige Ruhepausen, während die Pflegekasse die Ersatzpflege finanziert. 3
  • Finanzielle Entlastung: Seit dem Angehörigen-Entlastungsgesetz wirst Du für die Pflegekosten naher Angehöriger erst ab einem Bruttoeinkommen von 100.000 Euro im Jahr herangezogen. 4
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Warum ist Unterstützung für pflegende Angehörige so wichtig?

Essen kochen, beim Anziehen helfen oder Fahrten zu Arztterminen organisieren - einen lieben Menschen mit MS zu begleiten, ist eine tief empfundene Herzensangelegenheit, kostet aber auch ungemein viel Zeit und Kraft. 1 Damit Du in diesem anspruchsvollen Pflegealltag nicht das Gefühl hast, auf Dich allein gestellt zu sein, hat der Gesetzgeber verschiedene Schutzmechanismen verankert. 2 Diese Leistungen der sozialen Sicherung sollen Dich finanziell, rechtlich und organisatorisch absichern, damit Deine eigene Gesundheit und Lebensqualität geschützt bleiben. 3


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Wer gilt offiziell als Pflegeperson?

Ob Du Anspruch auf bestimmte Absicherungen hast, richtet sich danach, ob Du rechtlich als sogenannte Pflegeperson anerkannt wirst. 2 Dies ist in der Regel der Fall, wenn:

  • Du einen oder mehrere pflegebedürftige Menschen mit den Pflegegraden 2 bis 5 in ihrer häuslichen Umgebung versorgst. 3
  • Du diese Pflege nicht erwerbsmäßig – also nicht als regulär bezahlten Beruf – ausführst. 2
  • Dein Pflegeeinsatz mindestens zehn Stunden pro Woche, verteilt auf mindestens zwei Tage, umfasst. 2
  • Du neben der Pflege nicht mehr als 30 Stunden pro Woche einer Erwerbstätigkeit nachgehst. 2

Wenn diese Punkte auf Deine Situation zutreffen, solltest Du Dich unbedingt bei der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person als Pflegeperson melden, um Deine Absicherung in die Wege zu leiten. 2


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Wie wirst Du im Pflegealltag sozial abgesichert?

Deine Absicherung in der Rentenversicherung

Wer die eigene Arbeitszeit reduziert, oder den Job pausiert, um für ein Familienmitglied mit MS da zu sein, sorgt sich oft um die eigene Zukunft. Hier sorgt die Pflegekasse vor: Sie übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung für Dich. 2 Das gilt, sobald die gepflegte Person mindestens Pflegegrad 2 hat und Du maximal 30 Stunden pro Woche nebenbei arbeitest. 2 Die Höhe dieser Beiträge richtet sich flexibel nach dem Pflegegrad und den genutzten Leistungen - so baut sich über die Jahre ein wichtiges Rentenplus für Dich auf. 2

Schutz bei Unfall und Arbeitslosigkeit

Um Dir den späteren Wiedereinstieg in den Beruf zu erleichtern, finanziert die Pflegeversicherung unter bestimmten Bedingungen auch Deine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. 2 Sollte die Pflegephase enden, bist Du dadurch abgesichert und hast Anspruch auf Arbeitslosengeld sowie Unterstützung bei der Jobsuche 2 . Zudem bist Du während Deiner Pflegestunden und auf allen damit zusammenhängenden Wegen beitragsfrei gesetzlich unfallversichert - ein wichtiger Schutz, falls im Pflegealltag einmal etwas passiert. 2

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Kostenlose Pflegekurse nutzen

Niemand muss perfekt pflegen können. Die Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse für Angehörige an - sowohl vor Ort als auch online. 3 Hier lernst Du praktische Handgriffe, den richtigen Umgang mit Hilfsmitteln und kannst Dich mit anderen Betroffenen austauschen. Zudem ist bei Pflegegrad 2 oder höher in regelmäßigen Abständen eine pflegefachliche Beratung vorgesehen, die Dich direkt zu Hause unterstützt. 2 , 3


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Was regelt das Angehörigen-Entlastungsgesetz für Dich?

Neben den direkten Leistungen der Pflegekasse schützt Dich das Angehörigen-Entlastungsgesetz vor tiefgreifenden finanziellen Sorgen. 4 Wenn das Einkommen der pflegebedürftigen Person nicht ausreicht, um die Pflegekosten, die Eingliederungshilfe oder einen Platz im Pflegeheim zu decken, sprangen früher oft die Sozialhilfeträger ein und forderten das Geld von den Kindern zurück. Das Gesetz setzt hier eine klare Grenze, um Familien vor finanzieller Überforderung zu bewahren. 4

Wer ist wann unterhaltspflichtig?

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes gelten sehr strenge und familienfreundliche Regeln für die Unterhaltspflicht: 4

  • Unterhaltspflichtig sind ausschließlich Verwandte ersten Grades (also Kinder für ihre Eltern oder Eltern für ihre vollljährigen Kinder). Ehepartner:innen, Schwiegerkinder oder Geschwister sind in der Regel nicht unterhaltspflichtig. 4
  • Eine finanzielle Heranziehung erfolgt erst ab einem jährlichen Bruttoeinkommen von über 100.000 Euro. 4 Dazu zählen auch Einkünfte aus Vermietung oder Kapitalanlagen. 4

Der Sozialhilfeträger geht gesetzlich erst einmal davon aus, dass Du unter dieser Grenze liegst. 4 Einkommensnachweise dürfen nur bei konkreten Anhaltspunkten verlangt werden, was für die allermeisten Familien eine spürbare emotionale und finanzielle Entlastung bedeutet. 4


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Wo findest Du vertrauensvolle Beratung und Unterstützung?

Da jeder Krankheits- und Pflegeverlauf bei Multipler Sklerose einzigartig ist, tut eine maßgeschneiderte Beratung gut. Nimm Dir die Zeit und wende Dich an die Pflegekasse 3 , die Deutsche Rentenversicherung, lokale Pflegestützpunkte oder die Ergänzende Unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) 5 . Auch die Landesverbände der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) stehen Dir mit viel Erfahrung zur Seite und helfen Dir, die verschiedenen Leistungen optimal für Euren Alltag zu kombinieren 1 .


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FAQ

Muss ich meinen Job komplett aufgeben, um als Pflegeperson zu gelten?

Nein, ganz im Gegenteil. Du darfst bis zu 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein und wirst dennoch sozial abgesichert, solange Du mindestens 10 Stunden wöchentlich pflegst. 2

Was passiert mit meiner Rente während der Verhinderungspflege?

Keine Sorge, Deine soziale Absicherung über die Renten- und Arbeitslosenversicherung läuft auch während Deiner wohlverdienten Auszeit ganz normal weiter. 2

Zählen Ersparnisse oder Immobilien zu der 100.000-Euro-Grenze beim Unterhalt?

Die Grenze bezieht sich primär auf das jährliche Bruttoeinkommen, in welches jedoch auch regelmäßige Einkünfte aus Vermietung, Verpachtung oder Kapitalanlagen hineingerechnet werden. 4 Eine individuelle Beratung bei den Pflegestützpunkten, der UPD 6 oder den Sozialämtern schafft hier genaue Klarheit.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030931


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