MS behandeln: drei Säulen der Therapie

Multiple Sklerose ist heute bei vielen Betroffenen gut behandelbar. Verschiedene Bausteine greifen ineinander, um den Krankheitsverlauf zu bremsen, Schübe zu behandeln und Symptome zu lindern. Hier erfährst Du, wie diese Säulen der MS-Therapie zusammenspielen.

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Lesezeit: 8 min

Female physician answers questions from her patient

Zusammenfassung

Das Wichtigste auf einen Blick

Das Wichtigste auf einen Blick 

  • Die Behandlung der Multiplen Sklerose beruht auf drei Säulen: der verlaufsmodifizierenden MS-Therapie, der Behandlung akuter MS-Schübe und der symptomatischen Behandlung. 
  • Ziel der hochwirksamen MS-Therapie ist es, Krankheitsaktivität zu unterdrücken, Beeinträchtigungen hinauszuzögern und Deine Lebensqualität zu erhalten. 
  • Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose und der frühe Start mit einer hochwirksamen MS-Therapie.
  • Die MS-Leitlinie fasst aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und gibt Ärztinnen und Ärzten Orientierung, welche Behandlung wann empfohlen wird.
  • Gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam kannst Du eine Therapie finden, die zu Dir und Deinem Leben passt.
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Kann man MS behandeln?

MS ist nicht heilbar, aber bei vielen Betroffenen gut behandelbar. Entscheidend sind eine frühzeitige Diagnose und der Start mit einer hochwirksamen Therapie von Beginn an. 1 Ziel ist es, die Krankheitsaktivität zu bremsen, Schübe zu reduzieren und spätere Einschränkungen möglichst lange hinauszuzögern.

Deshalb ist es wichtig, nach der Diagnose früh über eine passende Therapie zu sprechen.


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Wie wird MS behandelt?

Die Behandlung der Multiplen Sklerose stützt sich auf drei Säulen: 2

1. verlaufsmodifizierende MS-Therapie

2. akute Schubtherapie

3. symptomatische Therapie

Diese drei Bausteine ergänzen sich: Während verlaufsmodifizierende MS-Therapien den Krankheitsverlauf langfristig beeinflussen, hilft die Schubtherapie in akuten Phasen. Die Symptomtherapie unterstützt dabei, Beschwerden gezielt zu lindern und den Alltag besser zu bewältigen. 2


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Was ist eine verlaufsmodifizierende MS-Therapie?

Verlaufsmodifizierende MS-Therapien sind Medikamente, die den Verlauf der Multiplen Sklerose langfristig beeinflussen. Sie zielen darauf ab, sowohl die Anzahl von Schüben zu verringern als auch das stille Fortschreiten der MS zu unterdrücken. So können sie Beschwerden und bleibenden Beeinträchtigungen vorbeugen.

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Neurologinnen und Neurologen nutzen manchmal auch die Abkürzung „DMTs“ für verlaufsmodifizierende MS-Therapien. Diese leitet sich von dem englischen Begriff „disease modifying therapiesab

Für die verlaufsmodifizierende MS-Therapie stehen heute viele verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrer Wirksamkeit, sondern auch in der Art und Häufigkeit der Anwendung – zum Beispiel Tabletten, die täglich eingenommen werden, oder Medikamente mit einer applikationsfreien Zeit von 6 Monaten. 3

Informiere Dich über Deine  Therapieoptionen und entscheide Dich gemeinsam mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt für eine MS-Therapie, die zu Dir und Deinem Leben passt.


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Wie wird ein MS-Schub behandelt?

Bei einem MS-Schub, also dem plötzlichen Auftreten oder der Verschlechterung von Symptomen, kommt in der Regel kurzzeitig hochdosiertes Kortison zum Einsatz. Kortison wirkt entzündungshemmend und soll Beschwerden schneller abklingen lassen sowie die Dauer des Schubs verkürzen. Diese sogenannte Kortison-Stoß-Therapie erfolgt meist an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen als Infusion in der Praxis oder Klinik. 2

Sollten sich die MS-Symptome nicht bessern, kann eine erneute Schubtherapie über drei bis fünf Tage mit höher dosiertem Kortison erfolgen. Bei unzureichendem Ansprechen kann anschließend oder alternativ eine sogenannte Plasmapherese zum Einsatz kommen. 2 Bei dieser Art „Blutwäsche“ werden die schädlichen Bestandteile aus dem Blut entfernt, die bei MS zur Schädigung der Nerven beitragen.

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Gut zu wissen

Sollten bei Dir trotz verlaufsmodifizierender MS-Therapie Schübe auftreten, kann das auf eine unzureichende Wirkung Deiner Therapie hindeuten. Besprich mit Deinem Behandlungsteam, ob ein Therapiewechsel für Dich infrage kommt.


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Wie werden MS-Symptome gezielt behandelt?

Die symptomatische Therapie zielt darauf ab, einzelne MS-bedingte Beschwerden gezielt zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Hier können sowohl Medikamente als auch nichtmedikamentöse Maßnahmen zum Einsatz kommen, beispielsweise Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sporttherapie, komplementäre Methoden oder Psychotherapie. Geeignete Hilfsmittel wie Gehhilfen, Orthesen oder technische Unterstützung im Alltag können Dich zusätzlich entlasten. 2

Damit Symptome rechtzeitig erkannt und behandelt werden können, solltest Du Beschwerden im ärztlichen Gespräch gezielt ansprechen. MS-Apps wie Brisa® unterstützen beim Symptomtracking, sodass Du auch kleine Veränderungen dokumentieren kannst.


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Wer entscheidet über die MS-Therapie?

Im Idealfall entscheidest Du gemeinsam mit Deiner Neurologin oder Deinem Neurologen über Deine MS-Therapie. Du hast das Recht, über alle Optionen verständlich informiert zu werden und aktiv mitzuentscheiden. In der Fachsprache heißt das Shared Decision Making (gemeinsame Entscheidungsfindung).

Fragen, die Du Deinem Behandlungsteam stellen kannst:

  • Welche Ziele verfolgen wir mit meiner MS-Therapie konkret?
  • Welche Alternativen gibt es – und was wären Vor- und Nachteile für mich?
  • Wie gut passt die Therapie zu meinem Alltag, meinem Beruf, meinen Hobbys oder einem möglichen Kinderwunsch?
  • Woran merken wir, ob meine MS-Therapie wirkt (Schübe, MRT-Kontrollen, Symptome)?
  • Was kann ich tun, wenn das Anwenden der Therapie im Alltag schwierig ist?
  • In welchen Abständen sind Kontrolluntersuchungen sinnvoll oder notwendig?

Es ist wichtig, dass Du Deine MS-Therapie konsequent anwendest, um den bestmöglichen Therapieerfolg zu erzielen. Diese sogenannte Adhärenz (Therapietreue) fällt Dir umso leichter, je besser die Therapie zu Dir und Deinem Leben passt.


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FAQ

1. Kann man MS heilen?

Derzeit gilt MS als nicht heilbar. Sie ist aber heute meist gut behandelbar: Moderne hochwirksame MS-Therapien können die Krankheitsaktivität unterdrücken, Schübe reduzieren und das Fortschreiten bremsen. Wichtig sind eine frühe Diagnose und ein frühzeitiger Therapiebeginn – plus regelmäßige Kontrollen, um die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

2. Woher wissen Ärztinnen und Ärzte, wie man MS erkennt und behandelt?

Dafür gibt es die MS-Leitlinie. Sie fasst aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zusammen und gibt Empfehlungen zur Diagnose, Therapie und Verlaufskontrolle. Sie dient Deinem Behandlungsteam als Entscheidungshilfe, ist aber nicht rechtlich bindend.

3. Kann ich mitentscheiden, welche MS-Therapie ich erhalte?

Ja. Du hast das Recht, über Nutzen, Risiken und Alternativen verständlich aufgeklärt zu werden und bei der Therapieentscheidung mitzubestimmen. Kommen nach der Empfehlung Deines Behandlungsteams mehrere Optionen infrage, kannst Du Deine Bedürfnisse einbringen (z. B. Alltag, Beruf, Familienplanung). So lässt sich gemeinsam eine Behandlung wählen, die zu Dir und Deinem Leben passt. Denn mittlerweile stehen verschiedene MS-Medikamente zur Auswahl, die sich auch in der Art und Häufigkeit ihrer Anwendung unterscheiden – mit applikationsfreien Zeiten von bis zu 6 Monaten.

4. Woher weiß ich, ob meine MS-Therapie wirkt?

Die Verlaufskontrolle erfolgt meist über mehrere Bausteine: Deine Symptome im Alltag, mögliche Schübe und regelmäßige MRT-Untersuchungen. Ziel ist, Krankheitsaktivität früh zu erkennen und die Behandlung bei Bedarf anzupassen.

5. Gibt es eine Therapie gegen Fatigue, Spastik oder Schmerzen?

Ja. Viele MS-Beschwerden lassen sich symptomatisch behandeln – häufig mit einer Kombination aus Medikamenten, Therapieangeboten (z. B. Physiotherapie) und Anpassungen im Alltag. Sprich gezielt an, welche Symptome Dich einschränken, um eine passende Behandlung zu erhalten.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030103


Quellenverzeichnis

  1. Selmaj K, Cree BAC, Barnett M et al. Multiple sclerosis: time for early treatment with high-efficacy drugs. J Neurol. 2024;271:105-115. doi: 10.1007/s00415-023-11969-8.

  2. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 03.06.2026.

  3. https://ms-qualitaetshandbuch.de/, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.


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