Kann ich mit MS stillen?
Ja. Multiple Sklerose ist in vielen Fällen kein Hindernis für das Stillen. Studien deuten darauf hin, dass ausschließliches Stillen mit einem geringeren Schubrisiko nach der Geburt verbunden sein kann. Ob und welche MS-Therapie während der Stillzeit möglich ist, sollte individuell mit dem Behandlungsteam besprochen werden.
Multiple Sklerose ist nicht ansteckend und wird nicht über die Muttermilch übertragen. Für Dein Baby geht also von der MS selbst keine Gefahr aus.
Muttermilch enthält wichtige Nährstoffe und Abwehrstoffe, die Dein Baby in den ersten Lebensmonaten unterstützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, Säuglinge in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Ob Du stillen möchtest und wie lange, bleibt aber Deine persönliche Entscheidung. 1
Wichtig ist vor allem, dass Deine eigene Gesundheit gut mitgedacht wird. Denn die Zeit nach der Geburt kann körperlich und emotional anstrengend sein. Deshalb sollte Deine Stillzeit nicht isoliert betrachtet werden, sondern zusammen mit Deiner MS-Therapie, Deinem Erholungsbedarf und Deinem Alltag mit Baby.
Laut Prof. Kerstin Hellwig, Initiatorin des Deutschsprachigen Multiple-Sklerose- und Kinderwunsch-Registers (DMSKW), ist Stillen nach ärztlicher Rücksprache sowohl mit bestimmten Medikamenten als auch ohne möglich:
„Wir haben in den letzten Jahren unglaublich viel dazugelernt. Dies führt zu einer zunehmenden Sicherheit von Frauen und Männern mit Multipler Sklerose, aber auch für die behandelnden Ärzte.“
Das ganze Interview mit Prof. Hellwig liest Du im Nachgefragt: Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit bei MS im trotz ms Magazin #14. Das Magazin kannst Du kostenlos postalisch oder digital abonnieren.
Wie wirkt sich die Zeit nach der Geburt auf die MS aus?
Während der Schwangerschaft erleben viele Menschen mit MS eine ruhigere Krankheitsphase. Besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel sinkt die Schubrate häufig. Nach der Geburt kann das Schubrisiko jedoch vorübergehend wieder ansteigen, bevor es sich meist wieder einpendelt.
Alles Wichtige zu Kinderwunsch & Schwangerschaft bei MS
Das Wochenbett ist deshalb eine wichtige Phase für Deine MS-Planung. Schlafmangel, körperliche Erholung, hormonelle Veränderungen und der neue Alltag mit Baby können belastend sein. Gleichzeitig möchtest Du vielleicht stillen und möglichst viel Nähe zu Deinem Kind erleben. Beides darf nebeneinanderstehen: Dein Wunsch zu stillen und das Ziel, Deine MS gut zu kontrollieren.
Kann Stillen das Schubrisiko nach der Geburt senken?
Studien deuten darauf hin, dass Stillen nach der Geburt mit einem geringeren Schubrisiko verbunden sein kann. Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang bei Müttern, die ihr Baby ausschließlich gestillt haben. 2
Das bedeutet aber nicht, dass Stillen zuverlässig vor Schüben schützt. MS verläuft individuell. Wie hoch Dein persönliches Risiko nach der Geburt ist, hängt unter anderem davon ab, wie aktiv Deine MS vor der Schwangerschaft war, welche Therapie Du erhalten hast und wie stabil Dein Verlauf zuletzt war.
Stillen kann also ein Baustein Deiner Planung sein. Es ersetzt aber keine MS-Therapie und keine ärztliche Verlaufskontrolle.
Gut zu wissen
Wenn Du stillen möchtest, sprich Deinen Wunsch bei Deinem Behandlungsteam möglichst früh an – idealerweise schon bei Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft. Dann bleibt genug Zeit, Therapie, Stillstart und Wochenbett gut aufeinander abzustimmen.
Kann ich trotz MS-Therapie stillen?
Ob eine MS-Therapie in der Stillzeit möglich ist, hängt vom jeweiligen Medikament ab. Früher wurde häufig empfohlen, während der Stillzeit mit einer MS-Therapie zu warten. Mittlerweile stehen hochwirksame MS-Therapien zur Verfügung, die sicher in der Stillzeit angewendet werden können. Für einzelne hochwirksame MS-Therapien zeigen Studiendaten, dass relevante Wirkstoffmengen beim gestillten Kind nicht nachweisbar waren. 3-6
Das bedeutet nicht, dass jedes MS-Medikament automatisch in der Stillzeit geeignet ist. Setze Deine Therapie deshalb nie eigenständig ab und beginne auch keine Behandlung ohne ärztliche Rücksprache. Deine Neurologin oder Dein Neurologe kann mit Dir abwägen, welche Option für Dich infrage kommt.
Was sollte ich bei einem MS-Schub in der Stillzeit tun?
Wenn Du in der Stillzeit neue Beschwerden bemerkst oder bekannte Symptome deutlich stärker werden, solltest Du Dich zeitnah bei Deinem neurologischen Behandlungsteam melden. Nicht jede Verschlechterung ist automatisch ein Schub. Auch Schlafmangel, Stress, Hitze oder ein Infekt können MS-Symptome vorübergehend verstärken.
Wird ein MS-Schub festgestellt, kann dieser häufig mit hochdosierten Steroiden behandelt werden. Nach der Medikamenteneinnahme solltest Du allerdings vier Stunden warten, bis Du Dein Kind stillst. 7
Wichtig ist: Warte bei deutlichen neuen Beschwerden nicht zu lange ab. Je früher geklärt wird, was dahintersteckt, desto besser lässt sich entscheiden, welche Behandlung sinnvoll ist.
Wie plane ich die Stillzeit mit meinem Behandlungsteam?
Die Stillzeit lässt sich am besten planen, wenn Du Deinen Stillwunschfrühzeitig ansprichst. Idealerweise beginnt die Planung schon bei Kinderwunsch oder während der Schwangerschaft. So kann Dein Behandlungsteam prüfen, ob Deine aktuelle Therapie angepasst werden sollte und wann Kontrolltermine nach der Geburt sinnvoll sind.
Hilfreiche Fragen für das Gespräch können sein:
- Wie hoch ist mein persönliches Schubrisiko nach der Geburt?
- Kann ich mit meiner aktuellen oder geplanten MS-Therapie stillen?
- Wäre eine Therapiepause für mich vertretbar?
- Wann sollte ich nach der Geburt wieder neurologisch kontrolliert werden?
- Was soll ich tun, wenn neue Symptome auftreten?
- Welche Unterstützung kann ich für Wochenbett und Stillzeit einplanen?
Nimm Dir für diese Fragen bewusst Zeit. Es geht nicht darum, eine perfekte Lösung zu finden, sondern eine Lösung, die medizinisch sinnvoll ist und zu Dir, Deinem Baby und Deinem Alltag passt.
Wie kann ich mich im Stillalltag mit MS entlasten?
Die ersten Wochen mit Baby können anstrengend sein. Mit MS ist es besonders wichtig, Deine Kräfte gut einzuteilen und Unterstützung anzunehmen.
Bequeme Stillpositionen, zum Beispiel im Liegen oder mit Kissen, können Rücken, Schultern und Arme entlasten. Wenn Du abpumpst, kann eine andere Bezugsperson eine Mahlzeit übernehmen, damit Du Dich ausruhen kannst.
Achte auf regelmäßige Mahlzeiten, genug Flüssigkeit und kurze Pausen. Bei Fatigue, Schmerzen, Spastik oder anderen Beschwerden können Dein Behandlungsteam, Deine Hebamme oder eine Stillberatung praktische Tipps geben.
Deine Entscheidung zählt: Ob Du ausschließlich stillst, teilweise stillst, abpumpst oder nicht stillst, ist Deine persönliche Entscheidung. Wichtig ist, dass Dein Baby gut versorgt ist – und Du genauso.
Wo bekomme ich Unterstützung rund um Stillzeit und MS?
Deine wichtigsten Ansprechpersonen sind Deine Neurologin oder Dein Neurologe sowie Deine Gynäkologin oder Dein Gynäkologe. Sie kennen Deine Krankengeschichte und können gemeinsam mit Dir abwägen, welche Still- und Therapieplanung zu Dir passt.
Zusätzliche Unterstützung bekommst Du bei trotz ms MEIN SERVICE: Unter der kostenlosen Servicenummer 0800.1010800 ist das Team montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr erreichbar.
Speziell rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft, Wochenbett und Stillzeit gibt es den Mama Monday (natürlich auch für werdende Papas!) – immer montags von 8 bis 18 Uhr.
FAQ: häufige Fragen zur Stillzeit mit MS
Kann MS über die Muttermilch übertragen werden?
Nein. Multiple Sklerose wird nicht über die Muttermilch übertragen.
Welche MS-Medikamente sind mit dem Stillen vereinbar?
Das hängt vom jeweiligen Wirkstoff ab. Für einige moderne MS-Therapien liegen Daten zur Anwendung während der Stillzeit vor. Die Entscheidung sollte immer gemeinsam mit dem Behandlungsteam getroffen werden.
Wie lange kann ich mit MS stillen?
Wie lange Du stillst, hängt von Deinem Wunsch, Deinem Befinden und Deiner MS-Therapie ab. Wichtig ist, dass Stilldauer, Therapieplanung und Erholung gut zusammenpassen.
Ist teilweises Stillen auch eine Möglichkeit?
Ja, teilweises Stillen kann eine gute Lösung sein. Abgepumpte Milch oder Säuglingsnahrung können Dich entlasten und Deinem Umfeld ermöglichen, Dich beim Füttern zu unterstützen.
Kann ich Muttermilch abpumpen, wenn ich Entlastung brauche?
Abpumpen kann den Stillalltag flexibler machen. Wenn Du Medikamente einnimmst oder nach einer Schubtherapie pausieren sollst, kläre vorher mit Deinem Behandlungsteam, wie Du vorgehen solltest.
Hat MS Einfluss auf die Milchbildung?
MS selbst beeinflusst die Milchbildung meist nicht direkt. Stress, Erschöpfung, Schmerzen, Schlafmangel oder Medikamente können das Stillen aber erschweren.
Welche Warnzeichen sollte ich in der Stillzeit ernst nehmen?
Melde Dich bei Deinem Behandlungsteam, wenn neue neurologische Beschwerden auftreten, bekannte Symptome deutlich stärker werden oder länger als 24 Stunden anhalten. Auch Fieber, starke Schmerzen oder eine Brustentzündung solltest Du ärztlich abklären lassen.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00031060
Quellenverzeichnis
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https://www.bmel.de/DE/themen/ernaehrung/gesunde-ernaehrung/schwangerschaft-und-baby/stillen.htm, zuletzt abgerufen am 26.05.2026.
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Krysko KM, Rutatangwa A, Graves J et al. Association Between Breastfeeding and Postpartum Multiple Sclerosis Relapses: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Neurol. 2020 Mar 1;77(3):327-338. doi: 10.1001/jamaneurol.2019.4173.
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Hellwig K et al. Präsentation IP065. DGN 2024.
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Schwake C et al. Präsentation O036. ECTRIMS 2022.
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Anderson A et al. Präsentation O037. ECTRIMS 2022.
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https://www.ms-und-kinderwunsch.de/allgemeine-informationen.html, zuletzt abgerufen am 06.05.2026.
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Bethesda MD. Prednisone. Drugs and Lactation Database (LactMed®) [Internet]. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK501077/, zuletzt abgerufen am 06.05.2026.