Symptome bei Multipler Sklerose (MS): Übersicht und Orientierung
MS zeigt sich sehr unterschiedlich. Hier bekommst Du einen Überblick über häufige MS-Symptome, warum sie so vielfältig sind und was Du selbst tun kannst.
Lesezeit: 11 min
Das Wichtigste auf einen Blick
- MS kann unterschiedliche Symptome in fast allen Körperbereichen verursachen. Daher nennt man die chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung häufig auch „Krankheit mit 1.000 Gesichtern“.
- Besonders häufig beginnt MS mit Missempfindungen, Sehstörungen oder Bewegungsstörungen.
- Im Verlauf können viele weitere Symptome dazukommen – zum Beispiel Kribbeln in den Händen, Fatigue, Blasen- und Darmstörungen, Schmerzen, Spastik, kognitive Probleme oder Depressionen.
- Wichtige Ansprechpersonen sind Deine Neurologin oder Dein Neurologe. Sie können abklären, woher Deine Beschwerden kommen und welche Behandlung sinnvoll ist.
Welche Symptome können bei MS auftreten?
Häufige MS-Symptome sind Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in den Händen oder Füßen, Sehstörungen, Bewegungsstörungen wie Muskelschwäche, Spastik, Gang- und Gleichgewichtsprobleme, Fatigue (überwältigendes Erschöpfungsgefühl), Schmerzen, Blasen- und Darmprobleme, kognitive Beeinträchtigungen, sexuelle Funktionsstörungen sowie depressive Verstimmungen. 1
Welche Symptome bei MS auftreten und in welcher Ausprägung, ist von Person zu Person sehr verschieden. Das eine MS-Hauptsymptom gibt es also nicht. Zu Beginn der Erkrankung treten als erste MS-Symptome häufig Missempfindungen, Sehstörungen und Bewegungsstörungen auf. 2
Missempfindungen
Kribbeln, Taubheit oder Brennen – Sensibilitätsstörungen wie diese kennen viele Menschen mit MS. Reize wie Berührungen, Schmerzen oder Temperaturen werden nicht mehr richtig verarbeitet.
Sehstörungen
Sehstörungen bei MS äußern sich häufig als Verlust der Sehschärfe, eingeschränktes Farbensehen oder Schmerzen bei Augenbewegungen. Auslöser hierfür ist eine Entzündung des Sehnervs.
Motorische Störungen
MS kann Bewegungsabläufe auf verschiedene Weise beeinträchtigen: unwillkürliches Zittern (Tremor), Koordinationsstörungen (Ataxie) oder erhöhte Muskelspannung (Spastik).
Fatigue
Fatigue beschreibt eine ausgeprägte körperliche und mentale Erschöpfung. Sie zählt zu den häufigsten und belastendsten MS-Symptomen. 4
Sexuelle Funktionsstörungen
Die MS selbst kann zu Erektions- und Orgasmusstörungen führen. Verschiedene MS-Symptome wie Spastik oder Fatigue können darüber hinaus die Sexualität beeinflussen.
Blasen- und Darmstörungen
Häufiger Harndrang, Inkontinenz oder Probleme beim Wasserlassen können Symptome einer MS sein. Auch Darmstörungen wie Verstopfung und seltener Stuhlinkontinenz können auftreten.
Schluckstörungen
Probleme beim Schlucken (Dysphagie) können sich als Husten oder Verschlucken beim Essen oder Trinken sowie häufiges Räuspern oder eine veränderte Stimme äußern.
Sprechstörungen
Probleme beim Sprechen können sich in verwaschener Sprache oder veränderter Stimme äußern. Sie treten häufig erst im späteren Verlauf einer MS-Erkrankung auf.
Schmerzen
Schmerzen treten bei MS häufig auf – entweder durch die Erkrankung selbst bedingt oder durch andere Symptome verursacht, wie beispielsweise eine Spastik.
Kognitive Beeinträchtigungen
Konzentrationsschwäche, Probleme mit dem Gedächtnis oder der Aufmerksamkeit treten bei etwa 40 Prozent der Menschen mit MS auf. 3
Depressionen
Menschen mit MS haben ein erhöhtes Risiko für Depressionen. So können Ängste und Sorgen nach der Diagnose zu einer depressiven Stimmung führen. Aber auch die MS selbst kann Depressionen begünstigen.
Migräne
Migräne kommt bei Menschen mit MS etwa doppelt so häufig vor wie in der Allgemeinbevölkerung. Warum das so ist, ist noch nicht vollständig geklärt. 5
Schlafstörungen
Probleme beim Ein- oder Durchschlafen werden häufig durch andere MS-Symptome wie Schmerzen oder Blasenstörungen mit nächtlichem Harndrang verursacht, können aber auch durch die MS selbst verursacht sein.
Anfallsartige Beschwerden (paroxysmale Symptome)
Zu diesen kurz, aber wiederkehrend auftretenden Beschwerden zählt u. a. das Uhthoff-Phänomen. Dabei führt eine Erhöhung der Körpertemperatur zu einer vorübergehenden Verschlechterung der MS-Symptome.
Wichtig: Diese Beschwerden können auch andere Ursachen haben und bedeuten nicht automatisch, dass es sich um MS handelt. Wenn Du solche Symptome bei Dir bemerkst, solltest Du sie ärztlich abklären lassen.
Warum sind die Symptome bei MS so vielfältig?
Multiple Sklerose verursacht Entzündungen im zentralen Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark. Diese Entzündungen stören die Reizweiterleitung der Nerven. Da das zentrale Nervensystem alle Funktionen in unserem Körper steuert, kann sich eine MS auch auf fast alle Bereiche auswirken.
Welche Beschwerden auftreten, hängt also davon ab, welche Region im zentralen Nervensystem betroffen ist. So erklärt sich, warum MS bei jeder Person anders verläuft und warum sich die Symptome im Laufe der Zeit verändern können.
Können MS-Symptome wieder verschwinden?
Gerade zu Beginn der Erkrankung können die Beschwerden wieder abklingen. Denn bei den meisten Menschen verläuft die MS zunächst schubförmig. Das heißt, die Symptome treten plötzlich auf und bilden sich anschließend ganz oder teilweise zurück. 1
Auch ohne Schübe kann die MS im Verborgenen weiter fortschreiten und unbemerkt die Nerven schädigen. Deshalb gilt: Auch wenn Du gerade keine Symptome spürst, ist eine konsequente MS-Therapie wichtig, um das Fortschreiten der MS zu bremsen und Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen. 6 Sprich mit Deinem Behandlungsteam über Deine Therapieoptionen.
Schub oder Pseudoschub? 7
MS-Symptome können sich zeitweise verschlechtern. Das kann ein Schub sein, aber auch eine vorübergehende Verstärkung der Beschwerden durch andere Faktoren, wie das Uhthoff-Phänomen.
- Eher Hinweis auf einen Schub: Neue oder deutlich stärkere Symptome, die über mehr als einen Tag anhalten und keinen klaren Auslöser wie Fieber oder einen Infekt haben.
Eher Hinweis auf Pseudoschub: Auftreten bei Infekt, Hitze (Sauna, heißes Bad, starke körperliche Belastung) oder Schlafmangel bzw. Stress.
Was Du tun kannst: Notiere Beginn, Dauer, Intensität und mögliche Auslöser – und nimm frühzeitig Kontakt zu Deinem Behandlungsteam auf, wenn Symptome neu sind, deutlich stärker werden oder Dich stark einschränken.
Wie werden MS-Symptome behandelt?
Neben der Behandlung mit einer hochwirksamen Therapie, die darauf abzielt, die Krankheitsaktivität zu unterdrücken und Symptomen vorzubeugen, gibt es Möglichkeiten, einzelne Beschwerden zu lindern. Diese symptomatische Therapie umfasst verschiedene Medikamente sowie nicht-medikamentöse Maßnahmen wie beispielsweise: 3
Physiotherapie und Ergotherapie
Sie helfen zum Beispiel bei Spastik, Koordinationsproblemen, Muskelschwäche, Schmerzen oder Blasenstörungen, indem gezielt Bewegungsabläufe, Kraft und Ausdauer trainiert werden.
Sport und Bewegung
Regelmäßige, an Deine Situation angepasste Bewegung kann Deine Mobilität stärken und sich positiv auf Fatigue, Stimmung und kognitive Funktionen auswirken.
Logopädie
Bei Sprech- und Schluckstörungen können gezielte Übungen unterstützen.
Komplementäre Verfahren
Dazu zählen Methoden aus der Traditionellen Chinesischen Medizin oder Pflanzenheilkunde. Diese solltest Du bei Interesse immer zunächst mit Deinem Behandlungsteam gemeinsam besprechen, um mögliche Risiken und Wechselwirkungen abzuklären.
Welche Maßnahmen bei einzelnen Beschwerden zum Einsatz kommen und was Du selbst tun kannst, erfährst Du in den Artikeln zu den jeweiligen Symptomen.
Wichtig ist, dass Du Deine Symptome offen mit Deinem Behandlungsteam besprichst. Berichte auch offen über Beschwerden, die Dir vielleicht unangenehm sind, etwa Blasen- oder Sexualstörungen. So könnt Ihr gemeinsam die für Dich passende Therapie finden.
Was kannst Du tun, wenn Du neue oder stärkere Symptome bemerkst?
Wenn Du neue Beschwerden bemerkst oder sich bekannte Symptome verschlechtern, nimm das ernst und wende Dich frühzeitig an Dein Behandlungsteam. Das kann ein Hinweis auf ein Fortschreiten Deiner MS sein.
Damit Du Veränderungen gut einordnen und beim Termin verständlich beschreiben kannst, hilft es, Deine Symptome zu dokumentieren. Notiere Dir am besten:
- Seit wann besteht das Symptom (plötzlich oder schleichend)?
- Wie stark ist es ausgeprägt (z. B. auf einer Skala von 0–10)?
- Gab es mögliche Auslöser oder Verstärker (z. B. Infekt/Fieber, Stress, Schlafmangel)?
- Welche Auswirkungen hat es auf Deinen Alltag (z. B. Beruf, Haushalt, Freizeit)?
Ein klassisches Symptomtagebuch oder MS-Apps wie Brisa® können Dich dabei unterstützen. So haben Du und Dein Behandlungsteam den Verlauf Deiner MS immer im Blick und Ihr könnt entscheiden, welche Behandlung oder Maßnahmen sinnvoll sind.
FAQ
1. Warum verursacht MS so viele unterschiedliche Symptome?
MS kann sehr unterschiedliche Symptome auslösen, weil sie das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) betrifft, das alle Körperfunktionen steuert. Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, können zum Beispiel Sehen, Gefühl, Bewegung, Blasenfunktion oder Denken beeinträchtigt sein. Deshalb ist MS bei jeder Person anders.
2. Wirkt sich MS auch auf die Psyche aus?
Ja, MS kann sich auf die Psyche auswirken. Die Diagnose, Veränderungen im Alltag und Sorgen um die Zukunft können Ängste oder depressive Verstimmungen begünstigen. Zusätzlich können Fatigue, Schlafprobleme oder Schmerzen die Stimmung belasten. Sprich bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder starken Ängsten mit Deiner Neurologin oder Deinem Neurologen.
3. Ist MS der Grund, warum ich so müde bin?
Eine ausgeprägte, ungewöhnliche Erschöpfung (Fatigue) gehört zu den typischen MS-Symptomen. Sie kann direkt mit der MS zusammenhängen, wird aber oft zusätzlich durch Schlafstörungen, Schmerzen, Stress oder depressive Symptome verstärkt. Ein gutes Management von Aktivität und Pausen sowie die Behandlung begleitender Beschwerden können helfen.
4. Warum treten bei MS Spastiken auf?
Spastik kann entstehen, wenn Nervenbahnen betroffen sind, die die Muskelspannung regulieren. Dann werden Muskeln steif, verkrampfen leichter und Bewegungen fallen schwerer, häufig in den Beinen. Physiotherapie, Dehnübungen, Hilfsmittel und bei Bedarf Medikamente können die Beschwerden lindern.
5. Kann MS der Grund sein, dass ich so oft zur Toilette muss?
Ja, das ist möglich. MS kann Nervenbahnen beeinträchtigen, die die Blasenfunktion steuern. Dann können häufiger oder plötzlicher Harndrang, nächtliches Wasserlassen oder Probleme beim Entleeren der Blase auftreten. Blasenbeschwerden solltest Du ärztlich abklären lassen, auch weil es gute Behandlungsmöglichkeiten gibt.
6. Welche Symptome sind bei MS am häufigsten?
Häufige MS-Symptome sind Fatigue, Kribbeln oder Taubheit, Sehstörungen, Gang- und Gleichgewichtsprobleme, Muskelschwäche, Spastik, Schmerzen sowie Blasen- und Darmstörungen. Welche Beschwerden auftreten, ist individuell sehr unterschiedlich.
7. Können MS-Symptome wieder verschwinden?
Ja, besonders zu Beginn können Symptome nach einem Schub ganz oder teilweise wieder zurückgehen. Trotzdem ist es wichtig, die Erkrankung langfristig zu behandeln – auch in symptomarmen oder schubfreien Phasen.
8. Kann Hitze MS-Symptome verschlimmern?
Ja, Hitze kann Symptome vorübergehend verstärken (Uhthoff-Phänomen). Die Verschlechterung ist meist nicht dauerhaft und bessert sich, wenn die Körpertemperatur wieder sinkt. Hilfsmittel wie beispielsweise Kühlwesten können Linderung verschaffen.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00030105
Quellenverzeichnis
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https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/was-ist-ms, zuletzt abgerufen am 19.02.2026
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www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-erforschen/grafiken-des-quartals/monats/berichte-zu-grafiken-des-quartals/monats/sensibilitaets-seh-und-motorische-stoerungen, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.
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https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-behandeln/therapiesaeulen/symptomatische-therapie, zuletzt abgerufen am 28.01.2026
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https://www.amsel.de/multiple-sklerose/ms-wissenswert/fatigue-bei-ms/, zuletzt abgerufen am 10.02.2026
-
Moisset X, Giraud P, Dallel R. Migraine in multiple sclerosis and other chronic inflammatory diseases. Rev Neurol (Paris). 2021;177:816-820. doi: 10.1016/j.neurol.2021.07.005.
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https://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/irrtum-wenn-ms-erkrankte-keine-symptome-haben-braeuchten-sie-keine-behandlung/, zuletzt abgerufen am 11.02.2026
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https://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/alltag/pseudoschub-durch-extreme-sommerhitze/, zuletzt abgerufen am 11.02.2026
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