Schmerzen bei MS: Ursachen, Arten und Behandlung

Schmerzen gehören für viele Menschen mit Multipler Sklerose zum Alltag. Schmerzen können sich ganz unterschiedlich anfühlen – etwa brennend, stechend, ziehend oder krampfartig – und verschiedene Ursachen haben. Je besser Du verstehst, woher Deine Schmerzen kommen, desto gezielter kannst Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam dagegen vorgehen.

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Inhalte geprüft am 04.08.2026

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Lesezeit: 10 min

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Wie häufig sind Schmerzen bei MS?

Schmerzen kommen bei Multipler Sklerose (MS) häufig vor. Studien zeigen, dass bis zu 80 Prozent der Menschen mit MS im Laufe ihrer Erkrankung Schmerzen erleben. Die Beschwerden können leicht und vorübergehend sein, aber auch chronisch werden und den Alltag stark belasten. 1


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Welche Arten von Schmerzen gibt es bei MS?

Schmerzen bei MS können sich sehr unterschiedlich anfühlen: brennend, stechend, ziehend, krampfartig oder wie ein Gefühl von Enge und Einschnürung. 1 Ärztinnen und Ärzte unterscheiden dabei bei MS vor allem zwei Schmerzarten: nozizeptive und neuropathische Schmerzen. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich die Behandlung danach richtet. 2

Was sind nozizeptive Schmerzen?

Nozizeptive Schmerzen entstehen durch „normale“ Schmerzreize im Körper. Das kann zum Beispiel passieren, wenn Muskeln verkrampfen, Gelenke überlastet sind, eine Entzündung vorliegt oder eine Fehlhaltung entsteht. 1 , 2

Bei MS können nozizeptive Schmerzen etwa durch Spastik, eingeschränkte Beweglichkeit, Schonhaltungen oder Hilfsmittel entstehen, die nicht mehr gut angepasst sind. Typisch sind Muskel- und Gelenkschmerzen, Rückenschmerzen oder Schmerzen durch Verspannungen. 1 , 2

Was sind neuropathische Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen entstehen, wenn das Nervensystem geschädigt oder gereizt ist. Bei MS greifen Entzündungen die schützende Hülle der Nervenfasern an. Dadurch können Signale fehlerhaft weitergeleitet werden – auch Schmerzsignale. 1

Neuropathische Schmerzen fühlen sich häufig brennend, kribbelnd, elektrisierend oder einschießend an. Beispiele sind Nervenschmerzen im Gesicht bei einer Trigeminusneuralgie oder das sogenannte Lhermitte-Zeichen, bei dem ein stromschlagartiges Gefühl vom Nacken in Arme oder Rücken ziehen kann. 1 , 2

Gut zu wissen: Neuropathische Schmerzen sprechen oft schlechter auf klassische Schmerzmittel an. Deshalb ist eine genaue ärztliche Einordnung wichtig, damit Du eine passende Behandlung bekommst.


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Welche Rolle spielen Begleiterkrankungen?

Viele Menschen mit MS haben zusätzliche Erkrankungen, die Körper und Psyche belasten. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes, Herzkrankheiten oder chronische Atemwegserkrankungen. Auch Depressionen und Angststörungen treten bei MS häufiger auf. 3

Besonders seelische Begleiterkrankungen können Schmerzen verstärken. Wenn Du neben MS auch mit Depressionen, Angst oder starker innerer Anspannung zu kämpfen hast, sollte das mitbehandelt werden. Psychotherapie, Medikamente oder andere Unterstützungsangebote können helfen – und sich auch positiv auf Deine Schmerzwahrnehmung auswirken. 3


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Wie beeinflussen Fatigue, Schlaf und Stimmung die Schmerzen?

Schmerzen wirken sich nicht nur auf den Körper aus. Sie können auch Deinen Schlaf, Deine Stimmung, Deine Konzentration und Deine Leistungsfähigkeit beeinflussen. Gleichzeitig können Fatigue, Schlafprobleme, Stress, depressive Verstimmungen oder Ängste dazu führen, dass Schmerzen stärker wahrgenommen werden. 3

So kann ein Kreislauf entstehen: Schmerzen erschweren Bewegung und Aktivität. Dadurch nehmen Erschöpfung und Rückzug zu – und die Schmerzen können sich weiter verstärken. Umso wichtiger ist es, nicht nur den Schmerz selbst zu behandeln, sondern auch Schlaf, Stimmung, Fatigue und Alltagsbelastungen mitzudenken. 3


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Welche Rolle spielen Ernährung, Gewicht und Rauchen?

Auch der Lebensstil kann Schmerzen bei MS beeinflussen. In einer großen internationalen Studie berichteten Menschen mit Übergewicht oder Adipositas häufiger über starke Schmerzen als normalgewichtige Betroffene. Auch Rauchen und eine sehr fettreiche, wenig ausgewogene Ernährung waren mit stärkeren Schmerzen verbunden. 3

Positiv zeigte sich: Menschen mit MS, die sich regelmäßig moderat oder intensiv bewegen, berichteten seltener über starke Schmerzen. Das bedeutet nicht, dass Bewegung jede Schmerzursache beseitigt. Sie kann aber ein wichtiger Baustein sein, um Beweglichkeit, Muskelkraft, Stimmung und Schlaf zu unterstützen. 3


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Welche Medikamente und Therapien kommen bei Schmerzen durch MS infrage?

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt davon ab, wodurch Deine Schmerzen entstehen. Manchmal reicht ein einzelner Baustein aus. Häufig ist jedoch eine Kombination aus Medikamenten, Bewegung, Physiotherapie, Entspannung und psychologischer Unterstützung sinnvoll. 1


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Wie werden Schmerzen bei einem akuten MS-Schub behandelt?

Treten Schmerzen im Zusammenhang mit einem akuten MS-Schub auf, zum Beispiel bei einer Entzündung des Sehnervs, kann eine Schubtherapie notwendig sein. Dabei kommt häufig kurzzeitig hochdosiertes Kortison zum Einsatz. Ziel ist es, die Entzündung zu bremsen und dadurch Beschwerden schneller abklingen zu lassen. 1


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Wie werden nozizeptive Schmerzen behandelt?

Bei Schmerzen durch Muskeln, Gelenke, Entzündungen oder Fehlhaltungen können klassische Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika, zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac, infrage kommen. Auch Paracetamol kann bei manchen Beschwerden helfen. 1

Zusätzlich können Physiotherapie, Wärme- oder Kälteanwendungen, Bewegungstherapie, Dehnübungen oder Hilfsmittel sinnvoll sein. Welche Maßnahme passt, hängt davon ab, was den Schmerz auslöst. 1


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Wie werden neuropathische Schmerzen behandelt?

Neuropathische Schmerzen sprechen oft nur eingeschränkt auf klassische Schmerzmittel an. Häufig werden Medikamente eingesetzt, die auf das Nervensystem wirken. Dazu gehören zum Beispiel bestimmte Antiepileptika wie Gabapentin oder Pregabalin sowie bestimmte Antidepressiva wie Amitriptylin. 4

Bei speziellen Schmerzformen, etwa einer Trigeminusneuralgie, können weitere Wirkstoffe infrage kommen. Dein Behandlungsteam kann mit Dir besprechen, welche Therapie zu Deinen Beschwerden, anderen Medikamenten und möglichen Risiken passt. 4


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Welche Rolle spielt medizinisches Cannabis bei Schmerzen durch MS?

Medizinisches Cannabis kann bei manchen Menschen mit MS-Schmerzen oder Spastik lindern, besonders wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen. Es ist aber keine Standardtherapie für alle und ersetzt keine individuelle Schmerzdiagnostik. 1

Ob medizinisches Cannabis für Dich infrage kommt, entscheidet Deine Ärztin oder Dein Arzt gemeinsam mit Dir. Dabei werden Deine Beschwerden, bisherige Therapien, mögliche Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und persönliche Risiken berücksichtigt.

Verwende Cannabis zur Behandlung von Schmerzen nicht auf eigene Faust. Qualität, Dosierung und Wechselwirkungen lassen sich nur bei einer ärztlich begleiteten Therapie sicherer einschätzen.

Wichtig zu wissen: Medizinisches Cannabis ist verschreibungspflichtig. Kläre mit Deinem Behandlungsteam, ob es für Deine Situation geeignet ist und welche Voraussetzungen für eine mögliche Kostenübernahme gelten.


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Wie helfen Bewegung und Ernährung bei Schmerzen bei MS?

Ein gesunder Lebensstil kann Schmerzen bei MS positiv beeinflussen – auch wenn er keine medizinische Behandlung ersetzt. Entscheidend sind kleine, realistische Schritte, die zu Deinem Alltag und Deiner Belastbarkeit passen.

Eine ausgewogene, eher pflanzenbetonte Ernährung kann Gewicht, Stoffwechsel und Herz-Kreislauf-System unterstützen. Ein normales Körpergewicht entlastet Muskeln und Gelenke und kann Beschwerden verringern. Wer mit dem Rauchen aufhört, reduziert nicht nur Risiken für Herz und Lunge, sondern kann möglicherweise auch Schmerzbelastung und Entzündungsprozesse günstig beeinflussen. 3

Regelmäßige Bewegung stärkt Muskulatur, Gleichgewicht und Beweglichkeit. Außerdem kann sie sich positiv auf Stimmung, Schlaf und Fatigue auswirken. Schon kurze Spaziergänge, ein Übungsprogramm aus der Physiotherapie oder sanftes Yoga können ein Anfang sein. Regelmäßige Bewegung kann Kraft, Gleichgewicht und Wohlbefinden unterstützen. 3


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Wann solltest Du bei Schmerzen ärztliche Hilfe suchen?

Wende Dich an Deine Ärztin oder Deinen Arzt, wenn neue Schmerzen auftreten, wenn bekannte Schmerzen deutlich stärker werden oder wenn sie Dich im Alltag stark einschränken. Auch wenn Deine bisherigen Medikamente nicht mehr ausreichend helfen oder Nebenwirkungen auftreten, solltest Du das zeitnah ansprechen.

Besonders wichtig ist ärztliche Abklärung, wenn Schmerzen zusammen mit Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühlen, Fieber, starker Müdigkeit oder einem deutlichen Krankheitsgefühl auftreten. Das kann auf einen Schub, eine Infektion oder eine andere behandlungsbedürftige Ursache hinweisen.

In Notfällen, etwa bei plötzlichen Lähmungen, starken Sehstörungen, unerträglichen Schmerzen oder Gedanken an Selbstverletzung: wähle den Notruf 112 oder suche die nächste Notaufnahme auf.


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Checkliste: Was kannst Du selbst gegen Schmerzen bei MS tun?

1. Schmerzen ärztlich abklären lassen

Sprich neue, stärkere oder ungewohnte Schmerzen frühzeitig an. Beschreibe möglichst genau, wo der Schmerz sitzt, wie er sich anfühlt, wann er auftritt und was ihn verbessert oder verschlechtert. Das hilft Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, die Ursache einzuordnen.

2. Ein Schmerztagebuch führen

Ein Schmerztagebuch kann die Therapieplanung erleichtern. Notiere über einige Wochen, wann Schmerzen auftreten, wie stark sie sind, welche Medikamente Du eingenommen hast und was Dir guttut. Auch Schlaf, Stress, Bewegung, Fatigue oder mögliche Auslöser können wichtig sein.

3. Bewegung passend dosieren

Regelmäßige, an Deine Möglichkeiten angepasste Bewegung kann Schmerzen, Spastik, Schlaf und Stimmung positiv beeinflussen. Physiotherapie kann Dir helfen, geeignete Übungen zu finden und Überlastung zu vermeiden.

4. Entspannung und Stressabbau nutzen

Entspannungsverfahren, Atemübungen, Meditation, Yoga oder Qigong können helfen, Stress zu reduzieren und die Schmerzwahrnehmung zu verändern. Wichtig ist, eine Methode zu finden, die zu Dir passt und sich realistisch in Deinen Alltag integrieren lässt.

5. Hilfsmittel überprüfen lassen

Schienen, Gehstützen, Rollator oder andere Hilfsmittel sollten regelmäßig kontrolliert werden. Sind sie schlecht angepasst, können sie Fehlhaltungen, Druckstellen oder zusätzliche Schmerzen verursachen.

6. Unterstützung annehmen

Chronische Schmerzen können sehr belastend sein. Selbsthilfegruppen, psychologische Unterstützung oder spezialisierte Schmerzambulanzen können helfen, neue Strategien zu entwickeln und mit den Beschwerden besser umzugehen.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00031066


Quellenverzeichnis

  1. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 02.06.2026.

  2. https://www.amsel.de/multiple-sklerose-news/medizin/neuropathische-schmerzen-bei-multipler-sklerose/, zuletzt abgerufen am 19.05.2026.

  3. Marck CH, De Livera AM, Weiland TJ et al. Pain in People with Multiple Sclerosis: Associations with Modifiable Lifestyle Factors, Fatigue, Depression, Anxiety, and Mental Health Quality of Life. Front Neurol. 2017 Sep 5;8:461. doi: 10.3389/fneur.2017.00461.

  4. Foley P, Parker RA, de Angelis F et al. MS-SMART Investigators. Efficacy of Fluoxetine, Riluzole and Amiloride in treating neuropathic pain associated with secondary progressive multiple sclerosis. Pre-specified analysis of the MS-SMART double-blind randomised placebo-controlled trial. Mult Scler Relat Disord. 2022 Jul;63:103925. doi: 10.1016/j.msard.2022.103925.