MS einfach erklärt
MS wirft viele Fragen auf. Hier bekommst Du verständliche Antworten auf Deine Fragen rund um die Diagnose. Was ist Multiple Sklerose? Was passiert im Nervensystem? Und welche Rolle spielt das Immunsystem?
Lesezeit: 8 min
Das Wichtigste auf einen Blick
Das Wichtigste auf einen Blick
- MS ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark).
- Fehlgeleitete Abwehrzellen greifen die Schutzhüllen der Nervenfasern (Myelinscheiden) an: Entzündungsherde (Läsionen) entstehen, Nervenimpulse werden schlechter weitergeleitet und die Nerven geschädigt.
- Die „Krankheit der 1.000 Gesichter“: MS ist sehr individuell – Beschwerden und Alltagseinschränkungen können unterschiedlich stark sein.
- MS kann auch unbemerkt im Verborgenen fortschreiten (stille Progression) – eine frühe Diagnose und eine hochwirksame Therapie können helfen, Krankheitsaktivität früh zu kontrollieren und langfristige Schäden am Nervensystem zu begrenzen.
Was ist MS?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS). Dabei greift das körpereigene Immunsystem fälschlicherweise die Schutzhüllen der Nervenfasern (Myelinscheiden) in Gehirn und Rückenmark an. Die Folge: Die Nerven werden geschädigt und die Weiterleitung der Nervenimpulse funktioniert nicht mehr richtig. 2
MS kann sehr unterschiedliche Beschwerden hervorrufen und verläuft bei jeder Person ganz individuell. Daher wird MS häufig auch als „Krankheit der 1.000 Gesichter“ bezeichnet. 3 Die Erkrankung gilt derzeit als nicht heilbar, ist jedoch mit hochwirksamen MS-Therapien gut behandelbar. Wichtig sind eine frühzeitige Diagnose und ein schnelles Handeln, um dauerhaften Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen. 1
Wie häufig ist MS – und wer erkrankt daran?
In Deutschland erhalten mehr als 15.000 Menschen pro Jahr die Diagnose MS. Insgesamt leben hierzulande etwa 280.000 Menschen mit Multipler Sklerose, weltweit geht man von über zwei Millionen Betroffenen aus. 3 , 4
Meist wird die Erkrankung zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr festgestellt – also in einer Lebensphase, in der Ausbildung, Beruf, Partnerschaft oder Familienplanung oft im Vordergrund stehen. Aber auch Kinder oder ältere Menschen können an MS erkranken. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. 4
MS-Symptome kurz im Überblick
Zu den möglichen Symptomen der MS zählen unter anderem: 5
- Sehstörungen
- Probleme mit dem Gleichgewicht oder beim Gehen
- Störungen beim Sprechen oder bei der Koordination
- Muskelschwäche in Armen oder Beinen
- Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln
- Starke Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Blasen- oder Darmstörungen
Häufige erste Anzeichen sind Missempfindungen, Sehstörungen oder Bewegungsstörungen. 6 Die MS kann sich jedoch bei jedem Menschen anders zeigen: Die Art der Beschwerden und die Stärke der Symptome sind individuell sehr verschieden.
Wie verläuft MS? MS-Verlaufsformen im Überblick
Sekundär progrediente MS (SPMS, secondary progressive MS)
Was ist ein MS-Schub?
Ein MS-Schub ist gekennzeichnet durch 4
- ein plötzliches Auftreten von Symptomen, die mehr als 24 Stunden anhalten und
- einen zeitlichen Abstand zwischen zwei Schüben von mindestens 30 Tagen.
Diese Verlaufsform entwickelt sich meist aus einer zunächst schubförmigen MS. Dabei nehmen die Beschwerden kontinuierlich zu. 4
Primär progrediente MS (PPMS, primary progressive MS)
Nehmen die Beschwerden von Erkrankungsbeginn an kontinuierlich zu, sprechen Fachleute von der primär progredienten MS, kurz PPMS. 4
Verlaufsformen der MS (Arbeitstitel)
Unabhängig von der Verlaufsform kann die Erkrankung unbehandelt weiter fortschreiten. Dieses Fortschreiten bezeichnen Fachleute als Progression: Im Krankheitsverlauf nehmen die Schäden an den Nerven in Gehirn und Rückenmark zu – und damit Beschwerden und Beeinträchtigungen.
Wichtig zu wissen: MS kann auch im Stillen fortschreiten und unbemerkt die Nerven schädigen – bei jeder Verlaufsform und bereits von Anfang an. Eine hochwirksame Therapie direkt nach der Diagnose kann helfen, Krankheitsaktivität früh zu kontrollieren und langfristige Schäden zu begrenzen.
Besprich mit Deinem Behandlungsteam, welche MS-Therapie für Dich am besten passt. Hier findest Du eine Übersicht aller aktuellen MS-Therapien.
Was passiert bei MS im Körper?
MS zählt zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Anstatt Krankheitserreger unschädlich zu machen, richtet sich unser Immunsystem gegen den eigenen Körper: Fehlgeleitete Abwehrzellen erkennen körpereigene Strukturen plötzlich als „fremd“ und greifen sie fälschlicherweise an. Durch diesen Angriff des Immunsystems kommt es zu Entzündungen, die das angegriffene Körpergewebe schädigen können. 2
Bei MS richten sich die fehlgeleiteten Abwehrzellen gegen das sogenannte Myelin. Es umgibt unsere Nervenfasern als schützende Hülle und bildet die Myelinscheiden. Du kannst Dir diese wie die Isolierschicht eines Kabels vorstellen. 2
Durch den Angriff der fehlgeleiteten Abwehrzellen entstehen für MS typische Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark. In der Fachsprache heißen diese Entzündungsherde Läsionen. Die Entzündungen zerstören die Myelinscheiden und schädigen langfristig die Nervenfasern. Die Folge: Die Nerven können Reize nicht mehr richtig weiterleiten. 2
Wie entstehen die Symptome bei MS?
Unser Nervensystem ist ein hochkomplexes Netzwerk. Über Nervenbahnen werden ständig Signale zwischen Gehirn, Rückenmark, Muskeln und Sinnesorganen hin- und hergeschickt. Die Isolierschicht aus Myelin sorgt entscheidend für die reibungslose Signalübertragung zwischen den einzelnen Nervenzellen.
Werden diese Myelinscheiden durch die Entzündungen bei MS angegriffen und teilweise zerstört, können die Nervenfasern Signale nur noch verzögert oder gar nicht mehr weiterleiten. Die Kommunikation zwischen den Nervenzellen funktioniert also nicht mehr richtig. 2
Die Entzündungen bei MS können in vielen verschiedenen Bereichen des Gehirns und Rückenmarks auftreten. Je nachdem, welcher Bereich betroffen ist, kommt es zu ganz unterschiedlichen Symptomen.
Wichtig zu wissen: MS kann auch dann aktiv sein und die Nerven schädigen, wenn Du gerade keine neuen Beschwerden bemerkst. Eine hochwirksame MS-Therapie direkt nach der Diagnose kann helfen, Krankheitsaktivität zu kontrollieren, Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen und Deine Lebensqualität zu erhalten.
FAQ
1. Ist MS heilbar?
Derzeit gilt MS als nicht heilbar. Mit modernen hochwirksamen Therapien lässt sich MS heute jedoch gut behandeln. Ziel ist es, das Fortschreiten der MS zu bremsen, Beeinträchtigungen möglichst vorzubeugen und die Lebensqualität zu erhalten.
2. Ist MS ansteckend?
Nein, MS ist nicht ansteckend. Es ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, keine Infektionskrankheit. Das heißt, sie wird nicht durch Erreger übertragen.
3. Was bedeutet der Name „MS”?
„Multiple“ bedeutet vielfach und „Sklerose“ steht medizinisch für Verhärtung bzw. Vernarbung. Der Name bezieht sich auf die vielfachen Entzündungsherde, die die MS im zentralen Nervensystem verursacht.
4. Warum wird MS oft „Krankheit der 1.000 Gesichter“ genannt?
Weil MS sehr individuell verläuft. Symptome, Schweregrad und Alltagseinschränkungen können sich stark unterscheiden. Auch der Verlauf ist nicht vorhersehbar.
5. Kann MS auch fortschreiten, wenn ich gerade keine Schübe habe?
Ja. MS kann im Verborgenen aktiv sein und Nerven schädigen, auch wenn du keine neuen Symptome bemerkst. Deshalb spielen eine frühe Diagnose, konsequente Behandlung und regelmäßige Kontrolluntersuchungen eine wichtige Rolle.
6. Warum ist frühes Handeln nach der MS-Diagnose wichtig?
MS kann unbemerkt Schäden verursachen, die erst später spürbar werden. Eine frühzeitige und hochwirksame Therapie direkt nach der Diagnose kann helfen, Krankheitsaktivität früh zu kontrollieren und das Risiko bleibender Schäden zu reduzieren.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00030099
Quellenverzeichnis
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Selmaj K, Cree BAC, Barnett M et al. Multiple sclerosis: time for early treatment with high-efficacy drugs. J Neurol. 2024;271:105-115. doi: 10.1007/s00415-023-11969-8.
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https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-verstehen, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.
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https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/was-ist-ms, zuletzt abgerufen am 19.02.2026
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Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 02.06.2026.
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https://www.amsel.de/multiple-sklerose/verstehen/vom-symptom-zur-therapie/ms-verstehen-symptome/, zuletzt abgerufen am 05.02.2026.
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www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-erforschen/grafiken-des-quartals/monats/berichte-zu-grafiken-des-quartals/monats/sensibilitaets-seh-und-motorische-stoerungen, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.
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