Warum zählt bei MS der Start der Therapie direkt nach der Diagnose?
Multiple Sklerose kann auch ohne sichtbare Schübe im Hintergrund fortschreiten und schon früh im Krankheitsverlauf unbemerkt die Nerven schädigen. 1 , 2 Deshalb ist ein Therapiebeginn direkt nach der Diagnose wichtig, um die Krankheitsaktivität der MS möglichst früh zu kontrollieren.
Ziel ist es, Schübe zu verhindern, ein Fortschreiten der Erkrankung auch zwischen den Schüben möglichst zu verlangsamen und das Gehirn bestmöglich zu schützen – und so langfristig die Lebensqualität zu erhalten. Die internationale Initiative „Brain health – Time matters“ betont dabei, wie wichtig ein rascher Beginn einer hochwirksamen MS-Therapie ist. 3
Welche Therapiestrategien gibt es bei MS?
In der Praxis gibt es bei der Behandlung der Multiplen Sklerose zwei Vorgehensweisen: die konservative Strategie und die sogenannte „Hit hard and early“-Strategie. Der Unterschied liegt darin, ob die MS erst moderat oder von Beginn an hochwirksam behandelt wird. 3 Hintergrund hierfür ist, dass die heute verfügbaren MS-Therapien unterschiedlich stark wirken. So unterscheidet die DGN in ihrer aktuellen MS-Leitlinie (2026) zwischen leicht-, moderat- und hochwirksamen MS-Medikamenten. 4
Sollte ich bei MS direkt hochwirksam starten?
Viele Fachgesellschaften, Expertinnen und Experten empfehlen inzwischen, hochwirksame MS-Therapien früh im Krankheitsverlauf in Betracht zu ziehen. 3 So kann die Krankheitsaktivität der MS so früh wie möglich unterdrückt und das Risiko für dauerhafte Beeinträchtigungen verringert werden. 3 , 5
Bei der konservativen Therapiestrategie kommt zunächst ein moderat wirksames MS-Medikament zum Einsatz. Dabei wird erst auf eine stärker wirksame MS-Therapie gewechselt, wenn weitere Schübe oder neue Krankheitsaktivität in der Magnetresonanztomographie (MRT) auftreten. Hintergrund ist, dass Menschen mit MS kein hochwirksames MS-Medikament erhalten sollen, das für sie möglicherweise nicht notwendig wäre. Der Nachteil: Während man auf den nächsten Schub oder die nächste MRT-Kontrolle wartet, kann die MS im Hintergrund weiter fortschreiten und unbemerkt die Nerven schädigen. Erfolgt die Behandlung zu spät, fallen die Behandlungsergebnisse bei MS langfristig schlechter aus 5 .
Nach aktueller Datenlage kann ein früher Start mit einer hochwirksamen Therapie die MS länger aufhalten (adaptiert nach Iaffaldano et al. 6 ).
Was zeigen Studien konkret zum frühen Therapiestart bei MS?
Studien zeigen: Beginnt die Behandlung früh nach der Diagnose, treten langfristig oft weniger Schübe auf. Auch dauerhafte Einschränkungen können möglicherweise reduziert werden. 6-11 Menschen mit MS, die frühzeitig eine hochwirksame Behandlung erhalten, haben dabei einen deutlichen Therapievorsprung gegenüber denjenigen, die erst zwei Jahre später von moderat zu hochwirksamen Medikamenten wechseln. 11 In mehreren Analysen zeigten sich insgesamt vergleichbare Sicherheitsprofile der untersuchten Therapieansätze. 9
Wie schnell wird in Deutschland mit der MS-Therapie gestartet?
Im Vergleich zu Großbritannien und Nordamerika beginnt die MS-Therapie in Deutschland am frühesten – und zwar im Durchschnitt 2,5 Monate nach der Diagnose. Für diesen Ländervergleich wurden die Daten aus den jeweiligen nationalen MS-Registern ausgewertet. 12
Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Untersuchung: Länderübergreifend zeigte sich, dass ein früher Therapiebeginn mit einem leichteren Schweregrad der MS verbunden war. 12
Was ist ein MS-Register?
MS-Register sammeln Daten über die Erkrankung, die Versorgungssituation im Land und die Auswirkungen von MS auf Beruf und Alltag. In Deutschland gibt es seit 2001 das von der DMSG, Bundesverband e. V. initiierte MS-Register. Hier dokumentieren MS-Zentren beispielsweise Krankheitsverläufe, Symptome sowie Zeitpunkt der Diagnose und Beginn der Therapie. Ziel ist es, die Situation der Betroffenen mithilfe dieser Informationen zu verbessern.
Darüber hinaus untersuchten Forschende, wie sich das Verschreibungsverhalten über MS-Therapien im Anschluss an die Diagnose zwischen 2020 und 2022 entwickelt hat. Das Ergebnis: Die Verschreibungen von moderat wirksamen MS-Medikamenten gingen zurück, während die der hochwirksamen MS-Therapien zunahmen. Die Forschenden schlussfolgern, dass es in Deutschland seit 2020 eine zunehmende Tendenz gibt, die MS von Anfang an hochwirksam zu behandeln. 13
Welche Fragen kann ich meinem Behandlungsteam zum Therapiestart bei MS stellen?
Gut vorbereitet in das ärztliche Gespräch zu gehen, kann Dir helfen, eine informierte Entscheidung zu treffen. Diese Fragen können Dir dabei Orientierung geben:
- Was bedeutet ein früher Therapiebeginn in meiner persönlichen Situation?
- Welche Vor- und Nachteile hätte es für mich, direkt mit einer hochwirksamen MS-Therapie zu starten?
- Wie unterscheiden sich die vorgeschlagenen Medikamente in ihrer Wirksamkeit, Anwendung und im Nebenwirkungsprofil?
- Welche Kontrolluntersuchungen sind bei den verschiedenen Therapieoptionen notwendig?
- Welche Erfahrungen haben Sie mit Menschen in einer ähnlichen Situation wie meiner gemacht?
Inhaltlich geprüft: M-DE-00030526
Quellenverzeichnis
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