Was ist Fatigue bei Multipler Sklerose?
Fatigue gehört zu den häufigsten MS-Symptomen. Sie kann früh auftreten, von Tag zu Tag schwanken und den Alltag stark beeinflussen – oft, ohne für andere sichtbar zu sein. 1
Fachleute unterscheiden primäre und sekundäre Fatigue: Primäre Fatigue hängt direkt mit MS-bedingten Veränderungen im zentralen Nervensystem zusammen. Sekundäre Fatigue entsteht oder verstärkt sich durch Faktoren wie Schlafstörungen, Schmerzen, depressive Symptome, Infekte, Hitzeempfindlichkeit, Bewegungseinschränkungen oder bestimmte Medikamente. 2
Wichtig zu wissen:
Fatigue ist ein echtes körperliches Symptom der MS. Sie ist kein Zeichen von Faulheit, mangelnder Motivation oder fehlender Willenskraft.
Wie unterscheidet sich Fatigue von normaler Müdigkeit?
Normale Müdigkeit bessert sich meist durch Schlaf, Ruhe oder Abschalten. Fatigue ist anders: Du kannst ausreichend geschlafen haben und trotzdem erschöpft aufwachen – oder Deine Energie ist nach kurzer Zeit wieder aufgebraucht. 3
Fatigue kann plötzlich auftreten und betrifft nicht nur den Körper, sondern auch Konzentration, Aufmerksamkeit und Motivation. Gespräche, Lesen, Bildschirmarbeit oder ein Film können dann kaum noch möglich sein. 3
Hitze, Infekte, Schlafmangel oder bestimmte Jahreszeiten können Fatigue verstärken. 1 Wenn Deine Erschöpfung anhält, sehr stark ist oder Deinen Alltag einschränkt, sprich mit Deinem Behandlungsteam.
Vereinfacht gesagt muss das Gehirn bei MS für manche Aufgaben mehr Energie aufbringen. Dadurch können sich schon kleine Anforderungen unverhältnismäßig anstrengend anfühlen. 4
Schlafprobleme, Schmerzen, depressive Verstimmungen, nächtlicher Harndrang, Infekte, Hitze oder Medikamentennebenwirkungen können Fatigue zusätzlich verstärken. Deshalb lohnt es sich, mögliche Auslöser mit dem Behandlungsteam zu prüfen.
Wie wirkt sich Fatigue auf den Alltag aus?
Fatigue kann fast jeden Lebensbereich beeinflussen. Alltag, Familie, Hobbys oder Arbeit gelingen oft nur, wenn Pausen fest eingeplant sind.
Belastend ist auch: Fatigue ist von außen meist nicht sichtbar. Was gestern noch ging, kann heute unmöglich sein – das kann im Umfeld schwer verständlich sein und Druck oder Schuldgefühle auslösen.
Im Beruf können Konzentration, Arbeitswege, Meetings oder Bildschirmarbeit besonders anstrengend werden. Offene Gespräche helfen, passende Lösungen zu finden – etwa Pausenregelungen, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Wiedereingliederung oder Reha-Angebote.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Menschen mit MS bei Fatigue?
Fatigue sollte immer im Gesamtbild Deiner MS betrachtet werden. Ein wichtiger Baustein ist eine gute MS-Behandlung: Verlaufsmodifizierende Therapien sollen Krankheitsaktivität unterdrücken und das Fortschreiten der MS bremsen.6,7 Zusätzlich können je nach Situation Reha, Physiotherapie, Ergotherapie, Sporttherapie, Psychotherapie, Schlafdiagnostik oder Medikamente gegen Fatigue helfen. Welche Maßnahme passt, sollte individuell geprüft werden. 1 , 4 , 5
Auch Begleitfaktoren wie Schmerzen, depressive Symptome, Blasenstörungen, Infekte oder Medikamentennebenwirkungen können Fatigue verstärken. Werden sie erkannt und behandelt, lässt sich die Erschöpfung oft besser beeinflussen. 1 , 4 , 5
Welche Forschungsansätze gibt es zu Fatigue bei MS?
Forschende untersuchen, warum Fatigue bei MS entsteht und welche Behandlungen helfen könnten – etwa mit Blick auf Gehirnnetzwerke, Entzündungen und die Verarbeitung von Anstrengung.
Ein Ansatz ist die transkranielle Gleichstromstimulation: Dabei werden bestimmte Gehirnregionen über Elektroden auf der Kopfhaut sanft stimuliert. Erste Ergebnisse sind interessant, das Verfahren gehört derzeit aber nicht zur Standardbehandlung. 6
Sprich Dein Behandlungsteam an, wenn Dich solche Ansätze interessieren. Wichtig ist: Forschung ersetzt keine individuell abgestimmte Behandlung.
Wie kann ich mit meinem Behandlungsteam über Fatigue sprechen?
Beschreibe Deine Erschöpfung möglichst konkret: körperlich, mental oder beides? Wann tritt sie auf, was verstärkt sie und was hilft Dir? Je genauer Du berichtest, desto besser kann Dein Behandlungsteam die Fatigue einordnen.
Ein Symptomtagebuch kann helfen: Notiere über einige Tage oder Wochen Stärke, Dauer, Auswirkungen im Alltag und mögliche Auslöser wie Hitze, Infekte, Stress, Schlafmangel oder Schmerzen.
Sprich auch praktische Themen an – etwa Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung, Reha, Hilfsmittel oder sozialrechtliche Unterstützung. Fatigue ist ein ernst zu nehmendes Symptom, zu dem Du Hilfe bekommen kannst.
Fragen, die Du Deinem Behandlungsteam stellen kannst:
- Welche Ursachen könnten meine Fatigue verstärken?
- Sollten Schlaf, Stimmung, Schmerzen, Infekte oder Medikamente genauer geprüft werden?
- Welche Bewegung oder Therapieform passt zu meiner Belastbarkeit?
- Gibt es Reha-Angebote oder Schulungen zum Energie-Management?
- Welche Unterstützung kann ich im Beruf oder Alltag bekommen?
- Wann sollte ich mich melden, wenn die Fatigue plötzlich stärker wird?
Was hilft gegen Fatigue bei MS?
Fatigue lässt sich oft nicht vollständig „wegzaubern“. Aber Du kannst lernen, Deine Energie gezielter einzusetzen und Deinen Alltag kraftsparender zu planen.
Energie einteilen
- Plane anstrengende Aufgaben in Deine wacheren Tageszeiten.
- Teile große Aufgaben in kleine Schritte auf.
- Plane Pausen ein, bevor Du völlig erschöpft bist.
- Priorisiere: Was muss heute wirklich sein, was kann warten?
- Nutze Hilfsmittel und delegiere Aufgaben, wenn möglich.
Bewegung anpassen
- Baue leichte Bewegung ein, wenn es Deine Kraft zulässt.
- Bei niedrigem Energielevel können sanfte Formen wie Spazierengehen, Heimtrainer oder Wassergymnastik hilfreich sein.
- Fang klein an und steigere Dich langsam.
- Achte auf Regelmäßigkeit statt Überforderung.
- Lass Dir passende Übungen in der Physio- oder Sporttherapie zeigen.
Atemübungen ausprobieren
- Übe lieber kurz und regelmäßig als selten und intensiv.
- Lass Dir geeignete Übungen vom Behandlungsteam zeigen.
- Pausiere, wenn Dich die Übungen erschöpfen.
Musik gezielt nutzen
- Teste, ob Musik Dich beim Gehen, bei leichten Übungen oder im Haushalt unterstützt.
- Wähle Rhythmus und Tempo passend zu Deinem Energielevel.
- Achte darauf, Dich nicht über Deine Grenzen zu pushen.
Schlaf und Erholung schützen
- Achte auf regelmäßige Schlafzeiten und ein ruhiges Schlafumfeld.
- Plane kurze Ruhepausen über den Tag verteilt ein.
- Nimm Pausen ernst – auch wenn noch „etwas gehen würde“.
- Sprich Dein Behandlungsteam an, wenn Du dauerhaft schlecht schläfst, stark schnarchst oder nachts häufig aufwachst.
Wichtig: Nicht jede Maßnahme passt zu jeder Person. Beobachte, was Dir guttut, und besprich anhaltende oder zunehmende Fatigue mit Deinem Behandlungsteam.
Inhaltlich geprüft: M-DE-00031067
Quellenverzeichnis
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Hemmer B, Gehring K et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-opticaSpektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 02.06.2026.
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https://www.multiplesklerose.ch/PDF/de/Infoblaetter/03_Psychische_Aspekte/MS-Info_Fatigue.pdf, zuletzt abgerufen am 26.05.2026.
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Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): Informationen zu Fatigue bei MS., zuletzt abgerufen am 26.05.2026.
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https://www.multiplesklerose.ch/de/aktuelles/detail/fatigue-bei-multipler-sklerose-was-wissen-wir/, zuletzt abgerufen am 26.05.2026.
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https://www.amsel.de/multiple-sklerose/ms-wissenswert/fatigue-bei-ms/, zuletzt abgerufen am 10.02.2026
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Charvet LE, Dobbs B, Shaw MT et al. Remotely supervised transcranial direct current stimulation for the treatment of fatigue in multiple sclerosis: Results from a randomized, sham-controlled trial. Mult Scler. 2018 Nov;24(13):1760-1769. doi: 10.1177/1352458517732842.