MS einfach erklärt

Die Verlaufsformen der MS: RRMS, SPMS und PPMS erklärt

Multiple Sklerose verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Dennoch unterscheiden Neurologinnen und Neurologen bestimmte MS-Verlaufsformen: RRMS, SPMS und PPMS. Hier erfährst Du, was hinter diesen Abkürzungen steckt und wie sich die MS-Verläufe unterscheiden.

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Inhalte geprüft am 08.06.2026

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Lesezeit: 6 min

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Verlaufsformen: Wie verläuft MS?

Jede MS verläuft individuell. Dennoch teilen Neurologinnen und Neurologen die Erkrankung traditionell in drei MS-Verlaufsformen ein: 1

  • Schubförmig remittierende MS (RRMS): Beschwerden treten in Schüben auf. Danach bilden sie sich ganz oder teilweise zurück.
  • Sekundär progrediente MS (SPMS): Diese Form entwickelt sich aus einer RRMS, wobei Schübe seltener werden und dann oft gar nicht mehr auftreten.

Primär progrediente MS (PPMS): Die Symptome verschlechtern sich von Beginn an meist ohne Schübe.

Verlaufsformen, vgl. WK Progression

Diese Einteilung hilft, den Krankheitsverlauf der MS besser einzuordnen. Eine Vorhersage über den individuellen Verlauf der Multiplen Sklerose ist in der Regel jedoch nicht möglich. Wichtig ist außerdem: Die MS kann bei allen Verlaufsformen und von Anfang an auch ohne das Auftreten von Schüben unbemerkt fortschreiten. Das gilt auch für die schubförmigen Verläufe. 1

Progression der MS

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Eine hochwirksame Therapie direkt nach der Diagnose kann entscheidend dazu beitragen, das Fortschreiten der MS zu bremsen und die Lebensqualität zu erhalten.


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Was bedeutet RRMS?

RRMS steht für „relapsing-remitting multiple sclerosis“, auf Deutsch schubförmig remittierende MS. Sie ist die zu Beginn häufigste Verlaufsform und betrifft den Großteil der neudiagnostizierten Menschen mit MS. 1

Typisch für RRMS sind MS-Schübe: Neue Beschwerden treten plötzlich auf oder bekannte Symptome verschlechtern sich deutlich. Nach dem Schub können sich die Beschwerden ganz oder teilweise zurückbilden.

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Nicht jede kurzfristige Verschlechterung ist automatisch ein Schub. Auch Infekte, Hitze oder Erschöpfung können Beschwerden vorübergehend verstärken. Neurologinnen und Neurologen sprechen von einem MS-Schub, wenn: 1

  • die plötzlich auftretenden Beschwerden mindestens 24 Stunden anhalten und
  • zwischen den Schüben mindestens 30 Tage liegen.

Woran erkennt man eine RRMS?

Für eine RRMS sprechen vor allem diese Merkmale:

  • Symptome treten schubweise auf.
  • Beschwerden können sich nach Abklingen eines Schubs deutlich bessern.
  • Gerade zu Beginn bleibt zwischen zwei Schüben häufig keine oder nur eine geringe bleibende Einschränkung zurück.

Typische erste Beschwerden einer RRMS können zum Beispiel Sehstörungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle und Gangunsicherheit sein.


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Was bedeutet SPMS?

SPMS steht für „secondary progressive multiple sclerosis“. Diese sekundär progrediente MS entwickelt sich aus einer zuvor bestehenden RRMS. Dabei bilden sich die Beschwerden nicht mehr vollständig zurück und Schübe werden meist seltener. Treten in der Übergangsphase von RRMS zu SPMS weiterhin Schübe auf, sprechen neurologische Fachkräfte von „SPMS mit überlagernden Schüben“ oder Englisch: relapsing SPMS, kurz rSPMS. 1

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Was bedeutet RMS?

RMS steht für relapsing multiple sclerosis, also schubförmige MS. Die Abkürzung fasst die beiden Krankheitsverläufe zusammen, bei denen Schübe auftreten: RRMS und rSPMS. 1

Woran erkennt man eine SPMS?

  • Tritt meist in einer späteren Krankheitsphase auf.
  • Schübe werden meist seltener.
  • Die Beschwerden nehmen insgesamt kontinuierlich zu.

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Was bedeutet PPMS?

PPMS steht für „primary progressive multiple sclerosis“ und wird auf Deutsch primär progrediente MS genannt. Sie ist die seltenste Verlaufsform und betrifft nur etwa 5 Prozent der Menschen mit MS. Typisch ist, dass die Symptome von Anfang an schleichend, meist ohne Schübe zunehmen. Vereinzelt können jedoch Schübe auftreten. 1

Woran erkennt man eine PPMS?

  • Die Beschwerden verschlechtern sich von Beginn an schleichend.
  • Schübe sind im Krankheitsverlauf eher selten.
  • Die Erkrankung beginnt häufig später (ab dem 40. Lebensjahr) als bei der RMS.

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Neuer Blick auf die MS: Ist die Einteilung der MS-Verlaufsformen noch zeitgemäß?

Die Einteilung in die MS-Verläufe RRMS, SPMS und PPMS hat weiterhin Bestand. Sie hilft, die Erkrankung einzuordnen und beeinflusst auch die Auswahl der MS-Therapie. 1 Gleichzeitig zeigen neue Erkenntnisse, dass diese Einteilung dem Bild der MS nicht gerecht wird. 2

Neurologinnen und Neurologen gehen heute zunehmend davon aus, dass MS nicht in klar voneinander getrennten Phasen verläuft. Stattdessen wird sie immer mehr als Kontinuum verstanden. Entzündliche Prozesse und fortschreitende Nervenschädigung können von Beginn an gleichzeitig ablaufen. Das bedeutet: Auch wenn gerade keine typischen Schübe auftreten, kann die Erkrankung im Stillen weiter fortschreiten und unbemerkt bleibende Schäden an den Nerven verursachen. 2

Die neue Sichtweise auf die MS führt auch zu einem Umdenken bei der Behandlung der MS: hin zu einer hochwirksamen MS-Therapie direkt ab Diagnose, um das stille Fortschreiten der MS möglichst früh zu bremsen und so die Lebensqualität zu erhalten.


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FAQ

1. Warum nennt man MS „die Erkrankung mit 1.000 Gesichtern“?

Weil sich MS bei jedem Menschen anders zeigen kann. Beschwerden, Schubhäufigkeit, Verlauf und Alltagseinschränkungen unterscheiden sich oft deutlich.

2. Gibt es einen typischen Krankheitsverlauf bei MS?

Nein. Es gibt zwar typische Verlaufsformen, aber keinen einheitlichen Standardverlauf. Selbst innerhalb derselben Verlaufsform kann sich MS sehr unterschiedlich entwickeln.

3. Kann sich meine MS-Verlaufsform im Laufe der Zeit ändern?

Ja. Viele Menschen erhalten zunächst die Diagnose RRMS. Im weiteren Verlauf kann sich aus einer RRMS eine SPMS entwickeln. Eine frühzeitige Behandlung kann helfen, dieses Risiko zu senken.

4. Kann ich trotz MS lange beschwerdefrei leben?

Viele Betroffene können – insbesondere bei früher Diagnose und Behandlung – über lange Zeit beruflich und privat aktiv bleiben. Wichtig sind eine frühe hochwirksame Therapie sowie ein guter Austausch mit Deinem Behandlungsteam.

5. An wen kann ich mich mit Fragen zum Verlauf meiner MS wenden?

Erste Ansprechpersonen sind Deine Neurologin oder Dein Neurologe sowie Dein weiteres Behandlungsteam. Zusätzlich steht Dir das Team von trotz ms MEIN Service gerne zur Seite.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030106


Quellenverzeichnis

  1. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 03.06.2026.

  2. Filippi M, Amato MP, Avolio C et al. Towards a biological view of multiple sclerosis from early subtle to clinical progression: an expert opinion. J Neurol. 2025;272:179. doi: 10.1007/s00415-025-12917-4.