Wie wirken MS-Therapien und wie werden sie angewendet?

Neurofilament-Leichtketten bei MS: Ein Biomarker zur Früherkennung

Neurofilament-Leichtketten (NfL) sind Eiweißbausteine von Nervenzellen. Werden Nerven geschädigt, gelangen sie ins Blut und können dort gemessen werden. Bei Multipler Sklerose (MS) kann ein erhöhter NfL-Wert auf Krankheitsaktivität hinweisen. Auch wenn Du keine Schübe spürst, kann die Multiple Sklerose im Verborgenen aktiv sein und Nerven schädigen. Deshalb ist es so wichtig, den Verlauf von Anfang an genau im Blick zu behalten. NfL wird als vielversprechender Biomarker zur frühzeitigen Erkennung von Krankheitsaktivität untersucht und zunehmend in der Verlaufskontrolle der MS eingesetzt.

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Lesezeit: 8 min

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Was sind Neurofilament-Leichtketten (NfL)?

Neurofilament-Leichtketten sind winzige Eiweißbausteine, die in Nervenzellen vorkommen und zu deren Aufbau und Stabilität beitragen. Werden Nervenzellen z. B. durch die MS geschädigt, gelangen diese Eiweiße über das Nervenwasser ins Blut. 1 Die Menge an NfL kann durch eine einfache Blutuntersuchung gemessen werden.

Das macht Neurofilament-Leichtketten zu einem vielversprechenden Biomarker für Nervenschädigungen. Bei MS kann NfL zusätzliche Hinweise auf aktuelle oder kürzlich aufgetretene Krankheitsaktivität liefern – auch dann, wenn diese noch keine Beschwerden verursacht. 1

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Was ist ein Biomarker?

Ein Biomarker ist ein biologisches Signal aus dem Körper, das z. B. über eine Blutuntersuchung gemessen werden kann. Solche Marker helfen Ärztinnen und Ärzten, Erkrankungen besser zu erkennen und zu beobachten.


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Welche Rolle spielen NfL bei MS?

Neurofilament-Leichtketten im Blut können Hinweise auf die Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose geben. So haben Studien gezeigt, dass die NfL-Werte im Blut bei einem akuten MS-Schub meist deutlich ansteigen. Bei stiller Krankheitsaktivität kann ein erhöhter NfL-Wert darauf hindeuten, dass die MS im Verborgenen weiter aktiv ist. 2

NfL kann also dabei helfen, das zu erkennen, was von außen nicht sichtbar ist. Klassische Methoden wie neurologische Untersuchungen oder Magnetresonanztomographie (MRT) stoßen hierbei an Grenzen: Trotz ihrer hohen Aussagekraft können neurologische Untersuchungen und MRT-Aufnahmen nicht jede Krankheitsaktivität vollständig erfassen. NfL kann zusätzliche Hinweise auf neuroaxonale Schädigungen liefern.

Was passiert eigentlich im Körper bei MS – und wie hilft NfL, das zu erkennen?

In unserem kurzen Video erfährst Du leicht verständlich, warum NfL ein wichtiges Frühwarnsystem bei MS sein kann.

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Was bedeutet mein NfL-Wert bei MS?

Dein NfL-Wert gibt an, wie viele dieser Eiweiße sich derzeit in Deinem Blut befinden. Je höher der NfL-Wert ist, desto mehr Nervenzellen wurden vor kurzer Zeit geschädigt. Ein einzelner Messwert kann zwar auf Krankheitsaktivität der Multiplen Sklerose hinweisen, entscheidend ist aber die zeitliche Entwicklung:

  • Sinkende NfL-Werte: Können ein Hinweis darauf sein, dass die MS-Therapie die Krankheitsaktivität wirksam kontrolliert.
  • Steigende NfL-Werte: Möglicherweise könnte die MS wieder aktiv sein, auch wenn Du sie aktuell vielleicht gar nicht spürst.
  • Stabile, niedrige Werte: Die MS ist vermutlich gut unter Kontrolle.

Wichtig ist aber auch: NfL ist nicht MS-spezifisch. Der Wert muss deshalb immer zusammen mit Deiner individuellen Situation und weiteren Befunden beurteilt werden.

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Die MRT bleibt wichtig bei MS

NfL ersetzt keine MRT- oder neurologische Untersuchung, sondern ergänzt diese sinnvoll. Der NfL-Wert bietet zusätzliche Informationen darüber, was im Nervensystem gerade passiert – selbst dann, wenn Du keine Veränderungen spürst.


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Welche Vorteile hat die NfL-Messung bei MS?

Die Messung des NfL-Werts ist unkompliziert: Ein einfacher Bluttest genügt und ist im Vergleich zu einer MRT-Untersuchung schneller, weniger aufwendig und belastend.

  • Früher erkennen: NfL kann Krankheitsaktivität anzeigen, bevor sie im MRT-Befund sichtbar wird.
  • Häufiger kontrollieren: Eine Blutprobe ist schnell gemacht und kann so öfter wiederholt werden.
  • Weniger belastend: Eine Blutentnahme ist für viele angenehmer als eine MRT-Untersuchung.
  • Wertvoll ergänzen: NfL ergänzt die MRT und liefert zusätzliche Informationen über die Krankheitsaktivität und den Verlauf der MS.
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Gut zu wissen

Je früher eine MS erkannt wird, desto schneller kann mit einer Therapie begonnen werden. Das verbessert nicht nur langfristig Deine Chancen auf ein stabiles Leben mit MS, sondern schützt auch das Gehirn bestmöglich vor irreversiblen Schäden.


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Wie wird der NfL-Wert bei MS gemessen und bewertet?

Die Messung des NfL-Werts erfolgt ganz einfach über eine Blutprobe. Der Wert wird meist in pg/ml (Pikogramm pro Milliliter) oder ng/l (Nanogramm pro Liter) angegeben. Der gemessene NfL-Wert kann sich von Labor zu Labor unterscheiden. Zudem können Dein Alter, Dein BMI oder Begleiterkrankungen Deine NfL-Werte beeinflussen. Um Deinen NfL-Wert richtig einzuordnen, braucht es daher Messungen über einen längeren Zeitraum sowie die richtige Einordnung durch Deine Ärztin oder Deinen Arzt. So könnt Ihr gemeinsam entscheiden, ob weitere Untersuchungen oder eine Anpassung Deiner MS-Therapie notwendig sind.

Welche Therapieoptionen gibt es bei MS?

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FAQ

1. Kann der NfL-Wert die MRT-Kontrollen bei MS ersetzen?

Nein, NfL ersetzt nicht die MRT-Kontrollen, sondern ergänzt diese sinnvoll. Der NfL-Wert bietet zusätzliche Informationen darüber, was im Nervensystem gerade passiert – selbst dann, wenn Du keine Veränderungen spürst.

2. Kann NfL schon vor der Diagnose von MS erhöht sein?

Studien zeigen, dass erhöhte NfL-Werte sich oft schon Monate bis Jahre vor der Diagnose nachweisen lassen. 3 , 4 Sie können auf Schäden im Nervensystem hinweisen, bevor diese in einem MRT sichtbar oder spürbar sind. Gerade deshalb ist NfL als mögliches Frühwarnsystem für MS interessant.

3. Ist ein erhöhter NfL-Wert ein sicherer Beweis für MS-Aktivität?

Nein. Ein erhöhter NfL-Wert gibt Hinweise darauf, dass kürzlich Nervenzellen geschädigt wurden – und kann somit auf MS-Aktivität hindeuten. Der Wert muss aber immer zusammen mit Deiner Krankengeschichte, neurologischen Untersuchungen und gegebenenfalls einer MRT beurteilt werden.

4. Kann mein NfL-Wert auch aus anderen Gründen als MS erhöht sein?

Ja. NfL ist nicht MS-spezifisch. Auch andere Ursachen für Nervenschädigungen oder bestimmte Begleitumstände wie Dein Alter oder Dein BMI können den Wert beeinflussen. Sprich deshalb immer mit Deinem Behandlungsteam über die Einordnung Deines NfL-Werts.

5. Warum ist NfL als Biomarker für MS so vielversprechend?

Biomarker wie NfL ermöglichen zusätzliche Einblicke in Krankheitsprozesse, die nicht immer unmittelbar sichtbar sind. Sie können dazu beitragen, Krankheitsaktivität besser zu erkennen und Therapieentscheidungen im Rahmen der Verlaufskontrolle zu unterstützen.

6. Übernimmt die Krankenkasse die NfL-Messung?

Ob die Krankenkasse die NfL-Messung übernimmt, hängt vom Einzelfall ab. Frag am besten vorab bei Deiner neurologischen Praxis oder Deiner Krankenkasse nach.

7. Wie oft sollte der NfL-Wert bei MS kontrolliert werden?

Wie oft der NfL-Wert kontrolliert wird, hängt von Deinem individuellen Verlauf und Deiner Therapie ab. Dein Behandlungsteam entscheidet, ob und in welchen Abständen eine Messung sinnvoll ist.

8. Gibt es einen normalen NfL-Wert?

Einen allgemeingültigen normalen NfL-Wert gibt es nicht. Der Wert hängt unter anderem von Alter, BMI, Begleiterkrankungen und dem Laborverfahren ab.

9. Wie hoch ist ein normaler NfL-Wert?

Ein normaler NfL-Wert lässt sich nicht als feste Zahl für alle Menschen angeben. Wichtig ist vor allem, wie sich Dein Wert im Verlauf entwickelt.

10. Wann wird der NfL-Wert bei MS bestimmt?

Der NfL-Wert kann bestimmt werden, wenn Dein Behandlungsteam zusätzliche Hinweise auf Krankheitsaktivität erhalten möchte. Er kann die MRT und neurologische Untersuchung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00031088


Quellenverzeichnis

  1. Benkert P, Meier S, Schaedelin S, Manouchehrinia A, et al.  NfL Reference Database in the Swiss Multiple Sclerosis Cohort Study Group. Serum neurofilament light chain for individual prognostication of disease activity in people with multiple sclerosis: a retrospective modelling and validation study. Lancet Neurol. 2022;21(3):246-257. doi: 10.1016/S1474-4422(22)00009-6. PMID: 35182510.

  2. Bar-Or A, Thanei GA, Harp C, Bernasconi C, et al. Blood neurofilament light levels predict non-relapsing progression following anti-CD20 therapy in relapsing and primary progressive multiple sclerosis: findings from the ocrelizumab randomised, double-blind phase 3 clinical trials. EBioMedicine. 2023 Jul;93:104662. doi: 10.1016/j.ebiom.2023.104662. Epub 2023 Jun 22. PMID: 37354600; PMCID: PMC10320523.

  3. Bjornevik K, Munger KL, Cortese M. Serum Neurofilament Light Chain Levels in Patients With Presymptomatic Multiple Sclerosis. JAMA Neurol. 2020 Jan 1;77(1):58-64. doi: 10.1001/jamaneurol.2019.3238.

  4. Rival M, Thouvenot E, Du Trieu de Terdonck L et al. SFSEP and RISC. Neurofilament Light Chain Levels Are Predictive of Clinical Conversion in Radiologically Isolated Syndrome. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm. 2022 Oct 24;10(1):e200044. doi: 10.1212/NXI.0000000000200044. PMID: 36280258; PMCID: PMC9621336.