Symptome bei MS: Übersicht und Orientierung

Empfindungsstörungen bei MS: was wirklich wichtig ist

Kribbeln in den Beinen, Brennen auf der Haut oder taube Finger: Viele Menschen mit Multipler Sklerose kennen solche Missempfindungen. Sie können plötzlich auftreten, wieder verschwinden oder länger anhalten. Auch wenn man sie von außen nicht sieht, können Empfindungsstörungen im Alltag sehr belastend sein. Erfahre, wie Sensibilitätsstörungen bei MS entstehen, wie sie sich anfühlen können und was helfen kann.

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Lesezeit: 7 min

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Was sind Empfindungsstörungen bei MS?

Empfindungsstörungen sind veränderte Wahrnehmungen auf oder in der Haut. Fachleute sprechen auch von Sensibilitätsstörungen. Gemeint ist, dass Berührungen, Temperatur, Druck, Schmerz oder Vibration anders ankommen als gewohnt. Du spürst Reize vielleicht stärker, schwächer oder gar nicht. Manchmal entstehen auch Missempfindungen ohne äußeren Auslöser, zum Beispiel Kribbeln, Brennen oder ein pelziges Gefühl. Solche Beschwerden können an Armen, Beinen, Händen, Füßen, im Gesicht oder an anderen Körperstellen auftreten. 1


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Wie fühlen sich Sensibilitätsstörungen an?

Sensibilitätsstörungen bei MS können sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen beschreiben ein Ameisenlaufen, Prickeln oder Kribbeln. Andere erleben Brennen, Jucken, ein Kälte- oder Wärmegefühl oder Taubheit. Auch die Intensität kann schwanken. Bei manchen sind die Beschwerden nur leicht und vorübergehend. Bei anderen beeinflussen sie den Alltag deutlich, etwa beim Gehen, Greifen, Schreiben oder beim Einschätzen von Temperatur und Schmerz.


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Warum entstehen Empfindungsstörungen bei MS?

Bei MS greift das Immunsystem Strukturen im zentralen Nervensystem an. Dadurch können Entzündungen und Schäden an Nervenbahnen entstehen. Wenn Nervenreize nicht mehr zuverlässig weitergeleitet werden, kann sich die Wahrnehmung verändern. 2 , 3

Das Gehirn erhält dann unvollständige, verzögerte oder fehlerhafte Informationen aus dem Körper. Dadurch kann ein Reiz stärker, schwächer oder anders wahrgenommen werden, als er tatsächlich ist. So können Kribbeln, Brennen, Taubheit oder andere Missempfindungen entstehen.


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Sind Empfindungsstörungen ein frühes MS-Symptom?

Empfindungsstörungen können zu den frühen Symptomen einer MS gehören. Viele Betroffene berichten schon zu Beginn der Erkrankung von Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder anderen Missempfindungen. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Empfindungsstörung durch MS verursacht wird. Auch andere Ursachen wie Nervenreizungen, Durchblutungsprobleme, Vitaminmangel, Bandscheibenprobleme oder Stoffwechselerkrankungen können ähnliche Beschwerden auslösen. Deshalb ist eine ärztliche Einordnung wichtig, besonders wenn Symptome neu auftreten oder stärker werden. 2 , 3

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Neue oder deutlich stärkere Empfindungsstörungen solltest Du ärztlich abklären lassen. Das gilt besonders, wenn sie länger anhalten, plötzlich auftreten oder zusammen mit Sehstörungen, Muskelschwäche, Gangunsicherheit oder starken Schmerzen vorkommen.


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Was hilft bei Empfindungsstörungen durch MS?

Was hilft, hängt davon ab, wodurch die Beschwerden ausgelöst werden und wie stark sie Dich einschränken. Wenn Empfindungsstörungen im Rahmen eines akuten MS-Schubs auftreten, kann eine Schubtherapie infrage kommen. Dabei wird häufig Kortison eingesetzt, um die Entzündungsaktivität zu reduzieren. 2

Bestehen Missempfindungen länger oder kehren sie immer wieder, können nicht medikamentöse Maßnahmen wichtig sein. Dazu gehören Physio- und Ergotherapie, Wahrnehmungstraining, Bewegung und Strategien für mehr Sicherheit im Alltag. Ziel ist nicht immer, die Beschwerden vollständig zu beseitigen. Oft geht es auch darum, besser damit umzugehen und Einschränkungen zu verringern. 2 , 3


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Wie können Physio- und Ergotherapie bei MS-bedingten Missempfindungen unterstützen?

Physiotherapie und Ergotherapie können helfen, die Körperwahrnehmung zu schulen und den Umgang mit Empfindungsstörungen im Alltag zu verbessern. Dabei können gezielte Übungen eingesetzt werden, die Berührung, Druck, Temperatur oder Bewegung bewusst erfahrbar machen.

Auch Wärme- und Kälteanwendungen, Massagen oder Materialbäder können je nach Situation sinnvoll sein. In der Ergotherapie geht es zusätzlich darum, alltägliche Handlungen sicherer zu machen, etwa Greifen, Schreiben, Anziehen oder den Umgang mit heißen und scharfen Gegenständen.


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Was kannst Du im Alltag mit MS bei Empfindungsstörungen beachten?

Empfindungsstörungen können das Risiko für kleine Verletzungen erhöhen, besonders wenn Taubheitsgefühle auftreten. Wenn Du Hitze, Kälte, Druck oder Schmerz schlechter wahrnimmst, bemerkst Du vielleicht später, dass etwas zu heiß, zu eng oder unangenehm ist.

Achte deshalb im Alltag bewusst auf Sicherheit. Bei Taubheitsgefühlen in den Füßen können gut sitzende, rutschfeste Schuhe helfen. Wenn Deine Hände betroffen sind, solltest Du bei heißen Töpfen, Wasserkochern, Bügeleisen oder scharfen Küchenmessern besonders vorsichtig sein. Auch regelmäßige Hautkontrollen können sinnvoll sein, wenn Du Druckstellen oder kleine Verletzungen schlechter spürst.


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Welche Rolle spielt Bewegung bei Empfindungsstörungen?

Regelmäßige Bewegung kann Dein Körpergefühl unterstützen und sich positiv auf Wohlbefinden, Fatigue und Stimmung auswirken. Geeignet sind Bewegungsformen, die zu Deiner Belastbarkeit passen und Dich nicht überfordern. Yoga, Wassergymnastik, Spaziergänge, leichtes Krafttraining oder Übungen aus der Physiotherapie können helfen, den Körper bewusster wahrzunehmen. Bewegung kann außerdem die Durchblutung fördern, Stress reduzieren und dazu beitragen, dass Du Dich insgesamt sicherer und stabiler fühlst. 4


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FAQ: häufige Fragen zu Empfindungsstörungen bei MS

Sind Empfindungsstörungen bei MS gefährlich?

Empfindungsstörungen sind nicht automatisch gefährlich, können aber sehr belastend sein. Wichtig ist, neue oder deutlich stärkere Beschwerden ärztlich abklären zu lassen. Bei Taubheitsgefühlen solltest Du außerdem auf Verletzungs- und Sturzrisiken achten.

Können Empfindungsstörungen wieder verschwinden?

Empfindungsstörungen können sich wieder zurückbilden, besonders wenn sie im Rahmen eines Schubs auftreten. Manchmal bleiben Missempfindungen aber länger bestehen oder schwanken im Verlauf. Wie sich die Beschwerden entwickeln, ist individuell verschieden.

Was ist der Unterschied zwischen Empfindungsstörungen und Schmerzen?

Empfindungsstörungen betreffen die Wahrnehmung von Reizen wie Berührung, Temperatur oder Vibration. Schmerzen können zusätzlich auftreten, zum Beispiel als Brennen, Stechen oder elektrisierendes Gefühl. Manchmal überschneiden sich beide Bereiche.

Hilft Kortison bei Empfindungsstörungen?

Kortison kann bei einem akuten MS-Schub eingesetzt werden, um Entzündungsaktivität zu reduzieren. Ob es bei Deinen Beschwerden sinnvoll ist, entscheidet Dein Behandlungsteam. Bei länger bestehenden Empfindungsstörungen stehen oft andere Maßnahmen im Vordergrund.

Was kann ich selbst tun, wenn meine Hände taub sind?

Achte besonders auf Schutz im Alltag. Prüfe die Temperatur von Wasser vorsichtig, nutze Topflappen oder Handschuhe bei Hitze und sei vorsichtig mit Messern oder anderen scharfen Gegenständen. Ergotherapie kann Dir zusätzlich Strategien zeigen, um Tätigkeiten sicherer auszuführen.

Welche Bewegung ist bei Empfindungsstörungen geeignet?

Geeignet ist Bewegung, die zu Deiner Situation passt und Dich nicht überfordert. Das können Spaziergänge, Yoga, Wassergymnastik, leichtes Krafttraining oder physiotherapeutische Übungen sein. Wichtig ist Regelmäßigkeit und eine gute Abstimmung mit Deinem Körpergefühl.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00031084


Quellenverzeichnis

  1. https://hirnstiftung.org/wp-content/uploads/2022/05/DHS_Patientenleitlinie_Multiple-Sklerose.pdf, zuletzt abgerufen am 29.05.2026.

  2. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 02.06.2026.

  3. https://www.dmsg.de/multiple-sklerose/ms-verstehen, zuletzt abgerufen am 19.02.2026.

  4. Razazian N, Yavari Z, Farnia V et al. Exercising Impacts on Fatigue, Depression, and Paresthesia in Female Patients with Multiple Sclerosis. Med Sci Sports Exerc. 2016;48(5):796-803. doi: 10.1249/MSS.0000000000000834.