Wie wirken MS-Therapien und wie werden sie angewendet?

B-Zell-Therapie: Hochwirksam bei MS

Die B-Zell-Therapie zählt zu den wirksamsten Behandlungsoptionen bei Multipler Sklerose: Antikörper entfernen gezielt fehlgeleitete B-Zellen und können so Entzündungen im zentralen Nervensystem kontrollieren. Erfahre hier verständlich, warum B-Zellen bei MS so wichtig sind, wie die Therapie wirkt und wie sie angewendet wird.

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Lesezeit: 7 min

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Was ist die B-Zell-Therapie bei MS?

Die B-Zell-Therapie ist eine hochwirksame Behandlungsmöglichkeit bei MS. Sie entfernt gezielt fehlgeleitete B-Zellen aus dem Körper, die eine wichtige Rolle bei der Krankheitsaktivität der MS spielen. Das Entfernen dieser Zellen wird auch B-Zell-Depletion genannt. So kann die B-Zell-Therapie das Fortschreiten der MS kontrollieren und körperliche sowie kognitive Beeinträchtigungen vorbeugen. 1

Gleichzeitig zeigt sie langfristig eine gute Sicherheit und Verträglichkeit. 1


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Warum sind B-Zellen bei MS so wichtig?

B-Zellen tragen entscheidend zum Krankheitsgeschehen der MS bei. Gemeinsam mit den T-Zellen fördern sie die MS-typischen Entzündungen und damit die Schädigung der Nerven in Gehirn und Rückenmark. 1 B-Zellen und T-Zellen gehören zu unserem Immunsystem und schützen den Körper normalerweise vor Krankheitserregern. Bei MS können sie jedoch nicht mehr zuverlässig zwischen „körpereigen“ und „körperfremd“ unterscheiden. 

Dadurch greifen sie fälschlicherweise die sogenannten Myelinscheiden an, die die Nerven schützend umgeben.

  • B-Zellen und T-Zellen stimulieren sich gegenseitig und schütten entzündungsfördernde Botenstoffe aus, sogenannte Zytokine.
  • Dadurch werden Fresszellen (Makrophagen) angelockt, welche die Myelinscheiden angreifen. 
  • Die fehlgeleiteten B-Zellen produzieren zudem Antikörper, welche den Entzündungsprozess verstärken. Die MS schreitet fort.

Diese Entzündungsprozesse können die MS-Symptome auslösen und langfristig zu Nervenschäden und bleibenden Beeinträchtigungen führen. Genau deshalb sind B-Zellen zu einem wichtigen Angriffspunkt moderner, hochwirksamer MS-Therapien geworden. 1

Diese Entzündungsprozesse können die MS-Symptome auslösen und langfristig zu Nervenschäden und bleibenden Beeinträchtigungen führen. Genau deshalb sind B-Zellen zu einem wichtigen Angriffspunkt moderner, hochwirksamer MS-Therapien geworden. 1


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Wie wirkt die B-Zell-Therapie bei MS?

Die B-Zell-Therapie entfernt gezielt die fehlgeleiteten B-Zellen, wodurch sich deren Anzahl im Körper verringert. Folglich werden auch weniger T-Zellen aktiviert und weniger entzündungsfördernde Botenstoffe freigesetzt. Der für MS typische Entzündungsprozess wird unterdrückt und die Schädigung der Nerven verringert. 1

Die Wirkstoffe, die bei der B-Zell-Therapie zum Einsatz kommen, sind sogenannte therapeutische Antikörper. Sie richten sich zielgenau gegen ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche der fehlgeleiteten B-Zellen und machen sie somit unschädlich. Dieses Eiweiß heißt CD20. Die Wirkstoffe der B-Zell-Therapie bei MS bezeichnet man daher auch als Anti-CD20-Antikörper. 1

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Was sind therapeutische Antikörper?

Therapeutische Antikörper werden künstlich im Labor erzeugt und für medizinische Zwecke eingesetzt. Für die B-Zell-Therapie werden sie so hergestellt, dass sie passgenau die krankheitsrelevanten B-Zellen binden und unschädlich machen.


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Wie sicher ist die B-Zell-Therapie bei MS?

In Langzeitbeobachtungen aus klinischen Studien sowie der Anwendung in der Praxis wird ein günstiges Sicherheitsprofil beschrieben. 1 Es liegen Erfahrungen zur Langzeitsicherheit für einen Zeitraum von über 10 Jahren vor. 2

Auch die Infektabwehr bleibt größtenteils erhalten. Denn nicht alle B-Zellen tragen das Eiweiß CD20 auf ihrer Oberfläche: B-Vorläuferzellen bilden neue B-Zellen und der bestehende Antikörperschutz gegen Viren und Bakterien bleibt weitestgehend erhalten. 1 , 2


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Wie wird die B-Zell-Therapie bei MS angewendet?

Je nach Wirkstoff wird die B-Zell-Therapie als Infusion über eine Armvene oder als Injektion unter die Haut gegeben. Anders als viele MS-Medikamente in Tablettenform, die täglich eingenommen werden müssen, bietet die B-Zell-Therapie bei MS lange applikationsfreie Zeiten. Die Wirkung hält über längere Zeit an. So können zwischen zwei Behandlungen mehrere Wochen oder Monate liegen. 3

Die B-Zell-Therapie kann eine sichere und wirksame Behandlungsoption bei MS sein. Sprich mit Deinem Behandlungsteam über Deine Möglichkeiten und findet gemeinsam die MS-Therapie, die am besten zu Dir und Deinem Leben passt.


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FAQ

1. Wie schnell wirkt die B-Zell-Therapie bei MS?

Im Allgemeinen kann die B-Zell-Therapie die Krankheitsaktivität der MS schnell kontrollieren. Wann genau Du eine Wirkung spürst, ist individuell unterschiedlich.

2. Beeinträchtigt die B-Zell-Therapie meine Abwehrkräfte?

Die Infektabwehr bleibt zum Großteil erhalten. Denn die Therapie richtet sich nur gegen B-Zellen mit der Zielstruktur CD20 – andere Abwehrzellen bleiben funktionstüchtig. 

Wie alle wirksamen MS-Therapien kann auch die B-Zell-Therapie Nebenwirkungen und Risiken mit sich bringen. Deshalb erfolgen vor und während der Behandlung regelmäßige ärztliche Kontrollen.

3. Kann ich mich trotz B-Zell-Therapie bei MS impfen lassen?

Ja. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut  empfiehlt bestimmte Impfungen (z. B. Influenza oder COVID-19) insbesondere bei verlaufsmodifizierender MS-Therapie – dazu zählt auch die B-Zell-Therapie. Den richtigen Zeitpunkt klärst Du am besten mit Deinem Behandlungsteam.

4. Welche Nebenwirkungen können bei einer B-Zell-Therapie auftreten?

Wie bei allen wirksamen MS-Therapien können auch bei der B-Zell-Therapie Nebenwirkungen auftreten. Welche möglichen Risiken für Dich relevant sind und welche Voruntersuchungen sinnvoll sind, klärst Du mit Deinem Behandlungsteam.

5. Wo kann ich mich über meine Therapieoptionen bei MS informieren?

Erste Ansprechperson ist immer Deine Neurologin oder Dein Neurologe. Einen Überblick über alle verfügbaren MS-Therapien findest Du im Beitrag Wie wirken MS-Therapien und wie werden sie angewendet? Auch das Team von trotz ms MEIN SERVICE – ein kostenloses Unterstützungsprogramm für Dich und Deine Angehörigen – steht Dir gerne bei allen Fragen rund um MS zur Seite.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00030527


Quellenverzeichnis

  1. Margoni M, Preziosa P, Filippi M et al. Anti-CD20 therapies for multiple sclerosis: current status and future perspectives. J Neurol. 2022;269:1316-1334. doi: 10.1007/s00415-021-10744-x.

  2. Hauser, S et al. Posterpräsentation P300. ECTRIMS 2024.

  3. ms-qualitaetshandbuch.de,  zuletzt abgerufen am 26.03.2026.

  4. Hemmer B., Gehring K. et al. Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD) und MOG-IgG-assoziierten Erkrankung (MOGAD), S2k-Leitlinie, 2026, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien, zuletzt abgerufen am 03.06.2026.