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Symptome

MS-Symptome: Anzeichen der Multiplen Sklerose im Überblick

20 Minuten

Veröffentlicht am 05.11.2020  von  trotz ms Redaktion

Multiple Sklerose zeigt sich in ganz unterschiedlichen Beschwerden. Sie können einmal auftreten und dann nie wieder, sie können einzeln erscheinen oder in Kombination, manchmal sind sie für Außenstehende nicht einmal wahrnehmbar.

Ein Teller voller bunter Kügelchen

Hast Du vielleicht zu Beginn der Erkrankung häufiger mal ein Kribbeln in Händen oder Füßen gespürt? Hast Du plötzlich Doppelbilder gesehen oder Dich kraftlos in den Beinen gefühlt? Damit bist Du nicht allein. Denn solche Missempfindungen, Sehstörungen oder Schwäche gelten als erste Symptome der MS. Das zeigt eine Auswertung des MS-Registers der Deutschen Gesellschaft für Multiple Sklerose (DMSG1). Neben diesen ersten Anzeichen kann die Erkrankung viele weitere Symptome hervorrufen.

Typische Symptome der Multiplen Sklerose

Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems – also von Gehirn und Rückenmark. Da das Zentrale Nervensystem alle Funktionen in unserem Körper steuert, kann sich eine MS-Erkrankung auch auf fast alle Bereiche auswirken und so unterschiedlichste Symptome hervorrufen. Das eine typische MS-Symptom gibt es also nicht. Zudem können andere neurologische Erkrankungen ähnliche Beschwerden wie die MS verursachen – das erschwert die Diagnose erheblich.

Je nachdem welche Region im Zentralen Nervensystem betroffen ist, kann sich die Multiple Sklerose in einem bestimmten Symptom äußern. Zu den häufigen Symptomen der Multiplen Sklerose gehören:

  • Missempfindungen

Deine Hände und Füße fühlen sich pelzig oder taub an, plötzlich kribbelt es im Gesicht? Diese Sensibilitätsstörungen kennen viele Menschen mit MS. Das Zentrale Nervensystem sendet nicht nur Signale an Organe und Muskeln, es empfängt über die Nervenbahnen auch Reize aus der Umwelt. Die Multiple Sklerose kann diese Reizweiterleitung stören. Die Folge: MS-Betroffene nehmen Berührungen, Schmerzen oder Temperaturen zu stark, zu schwach oder gar nicht wahr. Erfahre mehr über Missempfindungen bei MS.

  • Koordinationsstörungen

Bestimmte Regionen im Gehirn steuern die Anspannung und Entspannung der Muskeln und kontrollieren so unsere Bewegungen. Betrifft die MS diese Gehirnbereiche, können Beeinträchtigungen der Koordination auftreten. Dazu gehören die Ataxie, unkontrolliertes Zittern, auch Tremor genannt, oder Probleme beim Sprechen. Erfahre mehr über Koordinationsprobleme und Sprechstörungen bei MS.

  • Spastik

Bei einer Spastik ist die normale Muskelspannung, der Muskeltonus, so stark erhöht, dass sich die Muskeln steif anfühlen und verkrampfen. Ursache hierfür ist eine MS-bedingte Schädigung der Nervenbahnen, die die Spannung der Muskulatur kontrollieren. Eine Spastik kann sehr schmerzhaft sein und die Beweglichkeit einschränken. Erfahre hier, welche Maßnahmen Dir bei einer Spastik helfen können.

  • Sehstörungen

Viele Menschen mit MS nennen Sehstörungen als ihr erstes Symptom. Das liegt daran, dass die MS häufig eine Sehnerventzündung auslöst und so zu einem Verlust der Sehschärfe durch Doppelbilder, eingeschränktem Farbensehen oder Schmerzen bei Augenbewegungen führt. Das Sehen von Doppelbildern kann zudem Schwindel verursachen. Erhalte weitere Informationen zu Sehstörungen.

  • Fatigue

Fatigue bedeutet auf Deutsch „Müdigkeit“. Die Ärzteschaft versteht darunter eine ausgeprägte Erschöpfung, die nicht mit normaler Müdigkeit zu vergleichen ist. Fatigue zählt nicht nur zu den häufigsten MS-Symptomen, sie wird von vielen Betroffenen auch als das am meisten belastende Symptom empfunden.2 Denn die lähmende Erschöpfung kann die Lebensqualität von Menschen mit MS stark einschränken. Gleichzeitig ist dieses unsichtbare Symptom der MS für Nicht-Betroffene nur schwer nachzuvollziehen. Lies nach, was hinter der Fatigue bei MS steckt und welche Maßnahmen Dir den Alltag erleichtern können.

  • Sexuelle Funktionsstörungen

Die Multiple Sklerose kann auf verschiedene Weise die Sexualität beeinflussen: So können sich geschädigte Nerven direkt darauf auswirken, wie Berührungen empfunden werden. Auch Erektions- und Orgasmusstörungen können dadurch entstehen. Darüber hinaus können verschiedene MS-Symptome wie eine Spastik oder Fatigue zu sexueller Unlust führen. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich die Freude an der Sexualität trotz MS zu bewahren.

  • Blasenstörungen

Die Multiple Sklerose kann auch die Nerven betreffen, die die Entleerung der Blase kontrollieren und so zu Störungen der Blasenfunktion führen. Eine gestörte Blasenfunktion gehört sogar zu den häufigsten Symptomen der MS. Je nach Ausprägung können sich die Probleme beim Wasserlassen unterschiedlich äußern. Erfahre mehr zu den unterschiedlichen Arten von Blasenstörungen und deren Behandlung.

  • Stuhlinkontinenz und Verstopfung

Während Verstopfung (Obstipation) als Verdauungsproblem bei Multipler Sklerose häufiger vorkommt, ist eine Stuhlinkontinenz eher selten. Die Symptome können auch abwechselnd auftreten. Ursache für diese Beschwerden ist eine durch die MS ausgelöste Störung der Nerven, die die Darmtätigkeit oder den Schließmuskel kontrollieren. Für den Alltag stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung und auch eine angepasste Ernährung kann helfen. Informiere dich, mit welchen Ernährungstipps Du Darmstörungen entgegenwirken kannst.

  • Schwierigkeiten beim Schlucken

Am Schluckvorgang beteiligen sich ganze 25 Muskeln. Stört die MS dieses komplexe Zusammenspiel, treten Schluckstörungen, sogenannte Dysphagien, auf. Diese können sich durch Husten oder Verschlucken beim Essen, Trinken oder Sprechen sowie durch vermehrten Speichelfluss äußern. Probleme beim Schlucken können zu Mangelernährung und einem Flüssigkeitsdefizit führen und stellen ein Risiko für Lungenentzündungen dar. Erhalte hier Tipps, die Dir im Alltag bei Schluckstörungen helfen.

  • Schmerzen

Schmerzen sind ein häufiges Symptom der MS. Sie können direkt durch die Nervenschädigung bedingt sein, wie beispielsweise bei einer Sehnerventzündung oder Missempfindungen. Schmerzen können aber auch die Folge von anderen MS-Symptomen sein, wie zum Beispiel bei einer Spastik. Erfahre mehr über die verschiedenen Ursachen von Schmerzen und ihre Behandlung.

  • Migräne

Du hast zusätzlich zu Deiner MS regelmäßig starke Kopfschmerzen, bist licht- und geräuschempfindlich und leidest dabei vielleicht noch unter Übelkeit und weiteren Migräne-Symptomen? Damit bist Du nicht allein. MS und Migräne treten häufig gemeinsam auf, weil beide Erkrankungen mit Entzündungen der Nerven zusammenhängen. Erfahre mehr über den Zusammenhang von MS und Migräne und welche Maßnahmen dir bei Migräne helfen können.

  • Kognitive Beeinträchtigungen

Konzentrationsschwäche, Probleme mit dem Gedächtnis oder der Aufmerksamkeit – jeder vierte Mensch mit Multipler Sklerose ist von einem dieser kognitiven Symptome betroffen. 3 Informiere Dich über verschiedene Ansätze, die Dir den Umgang mit kognitiven Problemen erleichtern und Dir helfen können, Deine Fähigkeiten zu trainieren.

  • Schlafstörungen

Etwa 50 Prozent der MS-Betroffenen geben an, unter Schlafstörungen zu leiden. 4 Meist werden sie durch andere Symptome der MS verursacht. So können nächtlicher Harndrang aufgrund einer Blasenstörung oder auch Schmerzen den Schlaf stören. Die MS kann aber auch direkt die Bereiche im Gehirn beeinträchtigen, die unseren Wach-Schlaf-Rhythmus regulieren. Wenn Du Probleme beim Ein- oder Durchschlafen hast, probiere unsere Tipps gegen Schlafstörungen bei MS aus!

  • Depressionen

MS-Betroffene tragen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein deutlich höheres Risiko, an einer Depression zu erkranken. So können Ängste und Sorgen nach der Diagnose zu einer depressiven Stimmung führen. Aber auch die MS-bedingten Entzündungen im Gehirn stehen im Verdacht, Depressionen zu begünstigen. Erfahre, was hinter Depressionen bei MS stecken kann und wie Du Unterstützung findest.

  • Anfallsartige Symptome, wie z.B. das Uhthoff-Phänomen

Treten Beschwerden nur kurz, aber wiederkehrend auf, sprechen Mediziner:innen von sogenannten „paroxysmalen Symptomen“. Zu diesen anfallsartigen Symptomen gehört das sogenannte Uhthoff-Phänomen. Dabei führt eine Erhöhung der Körpertemperatur – beispielsweise bei Sommerhitze – zu einer vorübergehenden Verschlechterung der MS-Symptome. Erfahre, wie Du dem Uhthoff-Phänomen vorbeugen kannst.

Erkrankungsverlauf der Multiplen Sklerose

Bei den meisten Betroffenen verläuft die MS schubförmig. Bei dieser Verlaufsform treten die Symptome während eines MS-Schubs auf und verschwinden mit ihm meist wieder. Aber auch unabhängig von einem akuten Schub kann die Erkrankung fortschreiten und sich die Symptome verschlimmern. Da sich im Verlauf der MS immer andere Regionen des Zentralen Nervensystems entzünden können, kann es sein, dass mit der Zeit ganz unterschiedliche Symptome auftreten.

Bei der selteneren progredienten bzw. schleichenden MS treten in der Regel keine Schübe auf. Die Symptome entstehen und verschlechtern sich schleichend. Auch bei dieser Verlaufsform können sich mit der Zeit verschiedene Symptome entwickeln.

Bei beiden Verlaufsformen gilt: Ein frühzeitiger Beginn mit einer verlaufsmodifizierenden Therapie kann die Chancen eines Therapieerfolgs erhöhen. So kann der Krankheitsverlauf bereits in einem frühen Stadium unterdrückt und einer Beeinträchtigung durch die MS-Symptome vorgebeugt werden. Um die Symptome bei einem akuten Schub zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden, kann eine Schubtherapie mit Kortison zum Einsatz kommen. Für die Behandlung von bereits bestehenden Beeinträchtigungen stehen verschiedene Maßnahmen der symptomatischen Therapie zur Verfügung.

Symptomatische Therapie: Behandlung der MS-Symptome

Genauso vielfältig wie die MS-Symptome sind auch die Behandlungsmöglichkeiten. Die symptomatische Therapie besteht aus medikamentösen und nicht-medikamentösen Ansätzen. Häufig lassen sich die Beschwerden ohne den Einsatz von Medikamenten lindern. So können eine Physiotherapie oder Ergotherapie bei einer Reihe von verschiedenen MS-Symptomen Besserung verschaffen. Dazu gehören Spastik, Schmerzen, Missempfindungen, Bewegungseinschränkungen, aber beispielsweise auch Blasenstörungen. Auch die Sporttherapie ist ein Multitalent: Bewegung verbessert nicht nur die Gehfähigkeit, Koordination und Beweglichkeit, sie kann Dich auch bei MS-Symptomen wie Fatigue oder kognitiven Einschränkungen unterstützen. Bei Sprech- und Sprachstörungen kann ein:e Logopädie helfen, die Probleme unter Kontrolle zu bringen.Neben diesen schulmedizinischen Maßnahmen interessieren sich viele MS-Betroffene auch für komplementäre Verfahren, beispielsweise aus der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wenn Du einen komplementären Ansatz zur Behandlung Deiner Symptome ausprobieren möchtest, solltest Du das zunächst immer mit Deinem Behandlungsteam besprechen.

Reichen die nicht-medikamentösen Maßnahmen nicht aus, um Deine Beschwerden zu lindern, kann Deine Ärztin oder Dein Arzt bei bestimmten MS-Symptomen verschiedene Arzneimittel verschreiben. Welche das sind und bei welchen Beschwerden sie zum Einsatz kommen, kannst Du in diesem Beitrag nachlesen.

Du siehst, Multiple Sklerose wird nicht umsonst die „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ genannt. Sprich immer mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, wenn Du neue Symptome bemerkst oder bestehende Symptome sich verschlechtern. Mit Hilfe von speziellen MS-Apps mit integrierten Symptomtrackern kannst Du auch zwischen den Kontrollterminen Tagebuch über Deine Symptome führen und Deine Beobachtungen für den nächsten Termin festhalten. Mit einer körperlichen Untersuchung kann Deine Neurologin oder Dein Neurologe herausfinden, was hinter Deinen Beschwerden steckt und welche Behandlung Dir helfen kann.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00016198

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