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Veröffentlicht am 30.03.2026 von trotz ms Redaktion
Während früher die Schübe der MS im Fokus standen, weiß man heute, dass die MS vor allem schubunabhängig fortschreitet. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Therapie weiterentwickelt: Ziel ist es, nicht nur Schübe zu verhindern, sondern auch die stille Progression frühzeitig zu erkennen und – durch eine hochwirksame Therapie – möglichst zu verlangsamen.

Progression der MS bedeutet, dass die Erkrankung weiter fortschreitet. Dabei nehmen die Schäden an den Nerven und damit die Beeinträchtigungen zu. Die Progression der MS kann auf zwei Arten verlaufen – abhängig und unabhängig von Schüben:
Schubabhängige Progression: Die Symptome bilden sich nach einem Schub nicht vollständig zurück und verschlechtern sich dauerhaft. Der Fachbegriff dafür lautet Relapse-Associated Worsening (= schub-bedingte Verschlechterung), kurz RAW.
Schubunabhängige Progression: Das schleichende Fortschreiten der MS im Stillen, also unabhängig von Schüben, heißt in der Fachsprache Progression Independent of Relapse Activity (= Fortschreiten unabhängig von Schubaktivität), kurz PIRA.
Die spürbaren MS-Symptome und Schübe sind nur die Spitze des Eisbergs – der größte Teil der Krankheitsaktivität bleibt jedoch unter der Oberfläche verborgen.
Eine hochwirksame MS-Therapie direkt nach der Diagnose kann eine wichtige Rolle dabei spielen, die stille Progression zu bremsen.

Das konventionelle, ursprüngliche Modell der MS unterscheidet zwischen der schubförmigen und der progredienten, schleichenden Verlaufsform . Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass diese Einteilung so nicht mehr ganz stimmt.Die klassischen Verlaufsformen RRMS, SPMS und PPMS bleiben klinisch wichtig. Gleichzeitig zeigen neuere Erkenntnisse, dass sich entzündliche Aktivität und schleichende Progression überlappen können und progressive Mechanismen oft schon früh im Krankheitsverlauf mitwirken.
Das bedeutet, dass nicht nur bei der vermeintlich progredienten Verlaufsform eine stille Progression auftritt, sondern auch bei der schubförmigen. Die MS schreitet somit auch zwischen zwei Schüben unbemerkt fort und die Schübe addieren sich auf die stille Progression.
Die durch das Fortschreiten der MS hervorgerufenen Verschlechterungen unterscheiden sich nicht in ihrer Art: schubförmige und progrediente/stille Progression verursachen ähnliche Symptome. Jedoch verursachen zu Beginn der Erkrankung, wenn mehr Schübe auftreten, hauptsächlich akute, entzündungsfördernde Prozesse die Symptomverschlechterung. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung, wenn weniger Schübe auftreten, sind meist dauerhafte (chronische) entzündungsfördernde Prozesse die Ursache für das Fortschreiten der Neurodegeneration.1
Die schubförmige und die stille Progression verschlechtern also gemeinsam die MS – und das bereits von Anfang an. Einer aktuellen Studie zufolge gehen sogar 80 bis 90 Prozent der zunehmenden Beeinträchtigung bei MS auf das Konto der stillen Progression. Somit macht dieses schubunabhängige Fortschreiten (PIRA) den Großteil der Progression aus und ist hauptverantwortlich für die zunehmende Beeinträchtigung bei MS – bei allen Verlaufsformen.2, 3
Was bedeutet das für Dich? Auch wenn Du gerade keine Symptome spürst und keine Schübe auftreten, kann die MS im Stillen fortschreiten und dauerhafte Schäden an den Nerven verursachen. Eine hochwirksame Therapie von Anfang ann dir dabei helfen, die Progression der MS zu verlangsamen.
Dabei lohnt es sich, den Verlauf Deiner MS immer im Blick zu haben – Regelmäßige klinische Kontrollen und MRT-Untersuchungen sind zentrale Bausteine der Verlaufskontrolle. Ergänzend können – je nach Situation – die Bestimmung des Biomarkers NfL sowie standardisierte Tests zur Messung der Krankheitsprogression hilfreich sein. So kannst Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam schnell reagieren, wenn Deine MS-Therapie nicht die gewünschte Wirkung zeigt.
Kennst Du Deine Optionen? Hier findest Du eine Übersicht aller aktuellen MS-Therapien.
Inhaltlich geprüft: M-DE-000217723
*Quellen:
1 Lassmann H, Cold Spring Harb Perspect Med 2018 ;8: a028936
2 Kappos et al. JAMA Neurol. 2020;77:1132-1140
3 Tur et al. JAMA Neurol. 2023;80:151.
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