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medikamentöse Therapie

Progression bei MS – mit und ohne Schübe

7 Minuten

Veröffentlicht am 24.06.2024  von  trotz ms Redaktion

Während früher die Schübe der MS im Fokus standen, weiß man heute, dass die MS vor allem schubunabhängig fortschreitet. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Therapie geändert: Heute gilt es, nicht nur Schübe zu verhindern, sondern auch die schleichende Progression der MS früh mit einer hochwirksamen MS-Therapie zu bremsen.

Progression bei MS bremsen

Was bedeutet Progression bei MS?

Progression der MS bedeutet, dass die Erkrankung weiter fortschreitet. Dabei nehmen die Schäden an den Nerven und damit die Beeinträchtigungen zu. Die Progression der MS kann auf zwei Arten verlaufen – abhängig und unabhängig von Schüben:

Schubabhängige Progression: Die Symptome bilden sich nach einem Schub nicht vollständig zurück und verschlechtern sich dauerhaft. Der Fachbegriff dafür lautet Relapse-Associated Worsening (= schub-bedingte Verschlechterung), kurz RAW.

Da sich die MS dabei sprunghaft mit den Schüben verschlechtert, kannst Du Dir dieses schubabhängige Fortschreiten mit dem Bild des Kängurus als Eselsbrücke merken.

Schaubild Känguru

Schubunabhängige Progression: Das schleichende Fortschreiten der MS im Stillen, also unabhängig von Schüben, heißt in der Fachsprache Progression Independent of Relapse Activity (= Fortschreiten unabhängig von Schubaktivität), kurz PIRA.

Stell Dir eine Schnecke vor, die langsam, aber stetig ihren Weg geht. Genauso kann die MS durch PIRA schleichend, aber dauerhaft fortschreiten.

Schaubild Schnecke

Progression und die verschiedenen MS-Verlaufsformen

Das konventionelle, ursprüngliche Modell der MS unterscheidet zwischen den schubförmigen (Känguru) und der progredienten, schleichenden Verlaufsform (Schnecke). Mittlerweile ist jedoch bekannt, dass diese Einteilung so nicht mehr ganz stimmt. Wachsende Erkenntnisse über die MS haben gezeigt, dass die RRMS, die SPMS und die PPMS keine unterschiedlichen Krankheitsbilder sind, sondern verschiedene Phasen derselben MS-Erkrankung darstellen.

Das bedeutet, dass nicht nur bei der vermeintlich progredienten Verlaufsform eine schleichende Progression auftritt, sondern auch bei den schubförmigen. Die MS schreitet somit auch zwischen zwei Schüben unbemerkt fort und die Schübe addieren sich auf die schleichende Progression.

Die durch das Fortschreiten der MS hervorgerufenen Verschlechterungen unterscheiden sich nicht in ihrer Art: schubförmige und progrediente Progression verursachen ähnliche Symptome. Jedoch verursachen zu Beginn der Erkrankung, wenn mehr Schübe auftreten, hauptsächlich akute, entzündungsfördernde Prozesse die Symptomverschlechterung. Bei einer fortgeschrittenen Erkrankung, wenn weniger Schübe auftreten, sind meist dauerhafte (chronische) entzündungsfördernde Prozesse die Ursache für das Fortschreiten der Neurodegeneration.1

Schaubild RAW und PIRA

Känguru und Schnecke verschlechtern also gemeinsam die MS – und das bereits von Anfang an. Einer aktuellen Studie zufolge gehen sogar 80 bis 90 Prozent der zunehmenden Beeinträchtigung bei MS auf das Konto der Schnecke. Somit macht das schubunabhängige Fortschreiten (PIRA) den Großteil der Progression aus und ist hauptverantwortlich für die zunehmende Beeinträchtigung bei MS – bei allen Verlaufsformen.2, 3

Progression der MS von Anfang an bremsen

Was bedeutet das für Dich? Auch wenn Du gerade keine Symptome spürst und keine Schübe auftreten, kann die MS im Stillen fortschreiten und dauerhafte Schäden an den Nerven verursachen. Mit einer hochwirksamen Therapie von Anfang an kannst Du die Progression bremsen und die MS länger aufhalten. Dabei lohnt es sich, den Verlauf Deiner MS immer im Blick zu haben – durch regelmäßigeMRT-Kontrollen und Tests zur Progressionsmessung. So kannst Du gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam schnell reagieren, wenn Deine MS-Therapie nicht die gewünschte Wirkung zeigt. Denn auch unter einer MS-Therapie kann es trotzdem noch zu einer Progression der MS kommen.

Kennst Du Deine Optionen? Hier findest Du eine Übersicht aller aktuellen MS-Therapien.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00022196

*Quellen:
1 Lassmann H, Cold Spring Harb Perspect Med 2018 ;8: a028936
2 Kappos et al. JAMA Neurol. 2020;77:1132-1140
3 Tur et al. JAMA Neurol. 2023;80:151.

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