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Therapie

Das Immunsystem wieder auf Kurs bringen: Medikamentöse Therapie bei MS

5 Minuten

Veröffentlicht am 03.09.2020  von  trotz ms Redaktion

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, die den Verlauf der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen und schwerwiegenden Folgen vorbeugen können.

Hand, die einen Kompass hält

Langzeittherapie bei MS

Nach der Diagnose wird Dein Arzt mit Dir über die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung von MS gesprochen haben. Dabei hat er bestimmt auch Medikamente erwähnt, die Du über einen längeren Zeitraum einnehmen sollst. Diese können den Krankheitsverlauf der MS positiv beeinflussen und im besten Fall aufhalten. Daher nennt man sie auch krankheitsmodifizierende Therapien. Je nach Verlaufsform, kommen verschiedene Wirkstoffe zum Einsatz. Diese unterscheiden sich nicht nur in ihrem Wirkmechanismus, sondern auch in Art und Häufigkeit der Verabreichung. Die folgende Tabelle gibt Dir einen Überblick über die verschiedenen verlaufsmodifizierenden Therapien.

Die Wirkstoffe im Überblick:

Verabreichungsform

Name

Verlaufsform

Häufigkeit

Wirkweise

Infusion

Ocrelizumab▼

RRMS
rSPMS
PPMS

Alle 6 Monate*

Entfernt bestimmte B-Zellen, die bei der MS eine wichtige Rolle spielen.

Infusion

Alemtuzumab

RRMS

Im 1. Jahr: An 5 aufeinanderfolgenden Tagen
Im 2. Jahr (und ggf. im 3. und 4. Jahr): An 3 aufeinanderfolgenden Tagen

Entfernt bestimmte T- und B-Zellen, die bei der MS eine wichtige Rolle spielen.

Infusion

Natalizumab

RRMS

Alle 4 Wochen

Verhindert die Einwanderung von Immunzellen ins ZNS.

Injektion unter die Haut

Peginterferon beta-1a

RRMS

Alle 2 Wochen

Interferone wirken regulierend auf das Immunsystem. Die genaue Wirkweise bei MS ist noch nicht bekannt.

Injektion unter die Haut

Interferon beta-1a

RRMS
rSPMS

3 x pro Woche

Interferone wirken regulierend auf das Immunsystem. Die genaue Wirkweise bei MS ist noch nicht bekannt.

Injektion unter die Haut

Glatirameracetat (40 mg)

RRMS

3 x pro Woche

Die genaue Wirkweise ist nicht bekannt. Vermutet wird eine Aktivierung von entzündungshemmenden Immunzellen.

Injektion unter die Haut

Interferon beta-1b

RRMS
rSPMS

Alle 2 Tage

Interferone wirken regulierend auf das Immunsystem. Die genaue Wirkweise bei MS ist noch nicht bekannt.

Injektion unter die Haut

Glatirameracetat (20 mg)

RRMS

1 x am Tag

Die genaue Wirkweise ist nicht bekannt. Vermutet wird eine Aktivierung von entzündungshemmenden Immunzellen.

Injektion in den Muskel

Interferon beta-1a

RRMS

1 x pro Woche

Interferone wirken regulierend auf das Immunsystem. Die genaue Wirkweise bei MS ist noch nicht bekannt.

Tablette oder Hartkapsel

Cladribin

RRMS
rSPMS

2 Behandlungsphasen im Abstand von 1 Jahr: Pro Behandlungsphase im 1. und 2. Monat an 4 bzw. 5 aufeinanderfolgenden Tagen
Keine Einnahme im 3. und 4. Jahr
Eine Wiederaufnahme nach dem 4. Jahr wurde nicht untersucht

Reduziert die Anzahl von T- und B-Zellen, die an der MS beteiligt sind.

Tablette oder Hartkapsel

Fingolimod

RRMS

1 x am Tag

Reduziert die Anzahl von bestimmten T- und B-Zellen im Blut.

Tablette oder Hartkapsel

Ozanimod

RRMS

1 x am Tag

Reduziert die Anzahl von bestimmten T- und B-Zellen im Blut.

Tablette oder Hartkapsel

Siponimod

SPMS mit Krankheitsaktivität

1 x am Tag

Reduziert die Anzahl von bestimmten T- und B-Zellen im Blut.

Tablette oder Hartkapsel

Teriflunomid

RRMS

1 x am Tag

Hemmt die Vermehrung von T- und B-Zellen und reduziert so deren Anzahl.

Tablette oder Hartkapsel

Dimethylfumarat

RRMS

2 x am Tag

Die Wirkweise bei MS ist nicht vollständig geklärt. Vermutlich erhöht der Wirkstoff entzündungshemmende T-Zellen und reduziert entzündungsfördernde T-Zellen.

* nach Initialdosis. Bei Therapiebeginn 2 Infusionen im Abstand von 14 Tagen.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Sie können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax: +49 7624/14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 6103/77-1234).

Wie wirken die MS-Medikamente?

Bei Multipler Sklerose gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht. Deshalb greifen die Medikamente direkt in das Abwehrsystem ein: Entweder verändern sie es oder sie dämpfen es. Mediziner sprechen deshalb von Immunmodulatoren, also „Veränderern“, oder Immunsuppressiva, also „Unterdückern“.

Dabei fungieren die Immunmodulatoren als Botenstoffe, die das Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Faktoren wieder herstellen können.

Die Immunsuppressiva hingegen unterdrücken die Abwehrzellen des Körpers so, dass diese das Nervensystem nicht weiter angreifen können. Dabei können die Medikamente entweder fast alle Zellen oder nur gezielt einzelne Zellen des Immunsystems hemmen.

Ziel dieser Medikamente ist es, durch ihre immunregulierende Wirkung einer weiteren Schädigung der Nerven durch die MS vorzubeugen und so ein Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.

Therapieentscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab

Welches MS-Medikamente Du erhältst, hängt von Deiner MS-Form und dem Verlauf der Erkrankung ab. Außerdem kann ein Medikament bei Dir besser oder schlechter wirken als bei einem anderen Betroffenen. Kommen für Dich nach Empfehlung Deines Arztes mehrere Therapien infrage, entscheiden Deine Lebensgewohnheiten und Vorlieben. Denn die Medikamente unterscheiden sich auch in Art und Häufigkeit der Verabreichung. Deshalb wirst Du zusammen mit Deinem Arzt eine individuelle Therapie zusammenstellen – auch unter Einbeziehung der anderen Therapiesäulen. Außerdem wird Dein Arzt regelmäßig kontrollieren, ob das ausgewählte Medikament noch die erwünschte Wirkung erzielt.

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