Zurück
Therapie

Das Immunsystem wieder auf Kurs bringen: Medikamentöse Therapie bei MS

4 Minuten

Veröffentlicht am 12.01.2018 von trotz ms Redaktion

Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Medikamenten, die den Verlauf der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen und schwerwiegenden Folgen vorbeugen können.

Hand, die einen Kompass hält

Langzeittherapie bei MS

Nach der Diagnose wird Dein Arzt mit Dir über die verschiedenen Möglichkeiten der Behandlung von MS gesprochen haben. Dabei hat er bestimmt auch Medikamente erwähnt, die Du über einen längeren Zeitraum einnehmen sollst. Sie können die MS so beeinflussen, dass Du im besten Fall keine Schübe oder weniger Schübe hast und diese weniger heftig ausfallen. Gleichzeitig sollen damit auch schwerwiegende Folgen und Beeinträchtigungen hinausgezögert oder sogar ganz verhindert werden. Wie aber wirken diese Medikamente?

Medikamente greifen ins Immunsystem ein

Bei Multipler Sklerose gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht. Deshalb greifen die Medikamente direkt in das Abwehrsystem ein: Entweder verändern sie es oder sie dämpfen es. Mediziner sprechen deshalb von Immunmodulatoren, also „Veränderern“, oder Immunsuppressiva, also „Unterdückern“.

Dabei fungieren die Immunmodulatoren als Botenstoffe, die das Gleichgewicht zwischen entzündungsfördernden und entzündungshemmenden Faktoren wieder herstellen können.

Die Immunsuppressiva hingegen unterdrücken die Abwehrzellen des Körpers so, dass diese das Nervensystem nicht weiter angreifen können. Dabei können die Medikamente entweder fast alle Zellen oder nur gezielt einzelne Zellen des Immunsystems hemmen.

Es wird diskutiert, ob einige dieser Medikamente auch direkt im ZNS die Myelinscheiden oder die Nervenzellen schützen können. Wahrscheinlich ist in jedem Fall, dass die immungerichteten Wirkungen der Therapeutika letztendlich dazu beitragen, die Zerstörung von Nervengewebe zu verhindern.

Die Wirkstoffe im Überblick:

Bei milden und moderaten Verläufen werden eingesetzt:

Name

Wirkweise

Verabreichungsform

Dimethylfumarat

  • Wirkstoff, der einem körpereigenen Stoff des Energiestoffwechsels ähnelt
  • Wirkung vermutlich über Reduzierung von oxidativem Stress und durch entzündungshemmende Eigenschaften

Zweimal täglich als Kapsel

Glatirameracetat

  • Präparat, dessen Zusammensetzung einem Eiweiß in Gehirn und Rückenmark ähnelt
  • Vermutete Wirkung: unter anderem Aktivierung entzündungshemmender Immunzellen

Als Injektion unter die Haut (täglich/dreimal pro Woche)

Interferon beta-1a / Interferon beta-1b/Peginterferon beta-1a

  • Hormoneller Wirkstoff mit vielfältigen Effekten auf das Immunsystem
  • Vermuteter Wirkmechanismus: unter anderem vermehrtes Ausschütten antientzündlicher Botenstoffe sowie Verminderung des Eindringens von Immunzellen ins ZNS

Als Injektion

  • unter die Haut (alle zwei Tage/mehrmals pro Woche, alle zwei Wochen)
  • in die Muskulatur (einmal pro Woche)

Teriflunomid

  • Gehört zur Gruppe der selektiven Immunsuppressiva
  • Vermuteter Wirkmechanismus: Autoreaktive B- und T-Zell Antworten werden gedämpft, da Teriflunomid der Vermehrung sich schnell teilender Zellen entgegen wirkt

Einmal täglich als Tablette

Bei (hoch-)aktiven Verläufen werden eingesetzt:

Name

Wirkweise

Verabreichungsform

Alemtuzumab

  • Antikörper, der insbesondere B- und T-Zellen zerstört
  • Wirkt vermutlich über die Reduktion der Zahl krankheitsauslösender Zellen

Als Infusion in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr:

  • im ersten Behandlungsjahr je eine Infusion an fünf aufeinander folgenden Tagen
  • im zweiten Behandlungsjahr je eine Infusion an drei aufeinander folgenden Tagen

Cladribin

  • Wirkstoff, der vor allem in B- und T-Zellen in den Stoffwechsel des Erbguts eingreift und zu deren Zelltod führt
  • Wirkt vermutlich über die Reduktion der Zahl krankheitsauslösender Zellen

Als Tablette in zwei Behandlungsphasen im Abstand von einem Jahr:

  • pro Behandlungsphase im ersten und zweiten Monat Einnahme an fünf aufeinander folgenden Tagen
  • danach keine Einnahme in Jahr drei und vier

Fingolimod

  • Molekül, das an bestimmte Rezeptoren auf Immunzellen und Zellen im ZNS bindet
  • Wirkt vermutlich über das Zurückhalten von Immunzellen in den Lymphknoten

Einmal täglich als Kapsel

Natalizumab

  • Antikörper, der verhindert, dass bestimmte Immunzellen ins ZNS einwandern

Alle vier Wochen als Infusion

Ocrelizumab▼

  • Antikörper, der an eine bestimmte Oberflächenstruktur auf B-Zellen bindet
  • Entfernung von B-Zellen einschließlich der an der MS beteiligten

Als Infusion:

  • Alle sechs Monate eine Infusion
  • Nur bei Therapiebeginn zwei Infusionen im Abstand von 14 Tagen

Therapieentscheidung hängt von verschiedenen Faktoren ab

Welches dieser Medikamente Du erhältst, hängt von Deiner MS-Form und dem Verlauf der Erkrankung ab. Außerdem kann ein Medikament bei Dir besser oder schlechter wirken als bei einem anderen Betroffenen. Deshalb wirst Du zusammen mit Deinem Arzt eine individuelle Therapie zusammenstellen – auch unter Einbeziehung der anderen Therapiesäulen. Außerdem wird Dein Arzt regelmäßig kontrollieren, ob das ausgewählte Medikament noch die erwünschte Wirkung erzielt.

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Sie können dabei helfen, indem Sie jede auftretende Nebenwirkung melden. Bitte melden Sie Nebenwirkungen an die Roche Pharma AG (grenzach.drug_safety@roche.com oder Fax: +49 7624/14-3183) oder an das Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de oder Fax: +49 6103/77-1234).

Newsletter

Infomaterial

Hier kannst Du kostenfrei Deine trotz ms Materialien downloaden oder bestellen und trotz ms DAS MAGAZIN abonnieren.

Zum Infomaterial