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Grundlagen

Außer Kontrolle: Bei MS reagiert das Immunsystem über

7 Minuten

Veröffentlicht am 15.09.2017  von  trotz ms Redaktion

Multiple Sklerose (MS) ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Anstatt Krankheitserreger unschädlich zu machen, greift unser Immunsystem dabei plötzlich gesunde körpereigene Strukturen an.

Hand, die ein Ei zerdrückt

Was bei MS im Immun­system passiert

Vielleicht warst Du eigentlich immer gesund, hattest ab und zu mal einen kleinen Infekt, aber nichts Ernsthaftes. Kurzum: Auf Dein Immunsystem war Verlass. Und jetzt greift es plötzlich Deinen Körper an, zerstört wichtige Strukturen im Zentralen Nervensystem und verursacht dadurch Beschwerden. Warum dies bei manchen Menschen passiert und sie an Multipler Sklerose erkranken, ist Wissenschaftlern und Medizinern bis heute nicht klar.

Dafür weiß man inzwischen aber genauer, was bei MS im Immunsystem passiert. Durch eine Fehlfunktion richten sich die Abwehrzellen gegen das sogenannte Myelin. Diese Substanz umgibt unsere Nervenfasern wie eine Art Isolierschicht und bildet die sogenannten Myelinscheiden. Sie sorgen dafür, dass über die Nervenfasern Reize schnell über weite Strecken im Körper weitergeleitet werden, etwa vom Gehirn zu den Muskeln oder von den Fingerspitzen und den Augen zum Gehirn.

T- und B-Zellen auf Abwegen

Bei MS werden die Myelinscheiden vom Immunsystem zerstört. Fehlt Nervenfasern die schützende Ummantelung, leiten sie die Reize nur träge weiter – die Informationsverarbeitung funktioniert nicht mehr korrekt. Eine entscheidende Rolle beim Angriff des Immunsystems auf das Myelin spielen dabei sowohl die T-Zellen als auch – neuesten Erkenntnissen zufolge – die B-Zellen.

Ein Erklärungsansatz: Irgendwo im Körper kommen T-Zellen mit einem Stoff in Berührung und werden durch diesen Kontakt falsch programmiert. In der Folge verwechseln sie sozusagen die Oberfläche des Myelins mit der von schädlichen Erregern – und greifen es an. Darüber hinaus stoßen die T-Zellen weitere entzündungsfördernde Botenstoffe aus, sogenannte Zytokine.

Aber nicht nur die T-Zellen geraten außer Kontrolle. Auch die B-Zellen, die unter anderem die Bildung von Antikörpern, also Abwehrstoffen, regulieren, werden zu Entzündungstreibern. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Auch sie stufen das Myelin als schädlich ein und befehlen dann den T-Zellen, die Substanz anzugreifen. Zusätzlich setzen auch sie Zytokine frei und produzieren Antikörper, die wiederum Fress- und Killerzellen anlocken.

B-Zellen

B-Zellen im Rampenlicht

Du möchtest noch mehr über die Rolle der B-Zellen bei MS wissen? Unsere Filmbeiträge geben Dir einen Einblick:

Zellen überwinden eine entscheidende Barriere

Damit die falsch programmierten T- und B- Zellen mit dem Myelin in Kontakt kommen und es angreifen können, müssen sie die sogenannte Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden. Diese Barriere ist ein spezieller Schutz für das Zentrale Nervensystem und hält unter anderem schädliche Erreger ab. Durch einen noch nicht vollständig entschlüsselten Mechanismus gelingt es gerade falsch programmierten Abwehrzellen, in Gehirn und Rückenmark einzudringen. Hier rufen sie die für MS typischen Entzündungen an den Nervenfasern hervor.

Kurz & Knapp

Bei MS werden Immunzellen, vor allem B- und T-Zellen, falsch programmiert und können dann das Myelin als fremd erkennen. Ihnen gelingt es, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und in der Folge die Myelinscheiden anzugreifen. Dabei entstehen im Zentralen Nervensystem die typischen Entzündungsherde.

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