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Therapie

Nachgefragt: Experteninterview zu Therapiemöglichkeiten bei PPMS

4 Minuten

Veröffentlicht am 22.01.2021  von  trotz ms Redaktion

Auch für Multiple Sklerose, die ohne Schübe verläuft, gibt es eine verlaufsmodifizierende Behandlungsmöglichkeit. Sie zielt darauf ab, das Fortschreiten der PPMS zu bremsen. Doch wie sicher und wirksam ist diese Methode? Einblicke, wie sich das auf die Therapie und Therapietreue auswirkt, gibt Neurologe Prof. Dr. Rauer im Interview.

Prof. Dr. med. Sebastian Rauer ist Facharzt für Neurologie und leitender Oberarzt der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg. Schwerpunkte seiner klinischen Arbeit sind unter anderem neurologische Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und die Liquordiagnostik. Als Leiter der MS-Ambulanz kennt er die Besonderheiten bei schubunabhängiger Multipler Sklerose und ist praxiserprobt in Bezug auf moderne Therapiemöglichkeiten.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei PPMS?

Man unterscheidet zwischen symptomatischen und krankheitsmodifizierenden Behandlungen. Mit den symptomatischen Therapien können wir beispielsweise Spastiken oder Schmerzen reduzieren – also die PPMS-bedingten Beschwerden lindern. Die krankheitsmodifizierenden Therapien zielen dagegen darauf ab, den Krankheitsverlauf bestenfalls zu stoppen. Mit der B-Zell-Therapie steht uns eine solche Behandlungsmöglichkeit für die PPMS zur Verfügung.

Wie wird die neue Therapie von den Patienten angenommen?

Die B-Zell-Therapie wird von unseren Patienten sehr gut angenommen. Die gute Verträglichkeit der B-Zell-Therapie spielt für die Patienten eine wichtige Rolle. Da müssen wir keine große Überzeugungsarbeit leisten. Bei der Adhärenz spielt auch die Häufigkeit der Anwendung eine Rolle. Seltener angewendete Therapien lassen sich häufig einfacher in den Alltag und die Lebensabläufe integrieren. Das kann sich in der Therapietreue der Patienten widerspiegeln.

Welche neuen Erkenntnisse bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit gibt es inzwischen?

Bei unseren Patienten sehen wir generell eine sehr gute Verträglichkeit und Sicherheit der B-Zell-Therapie. Worauf wir während der Behandlung besonders achten, ist der Wert der Immunglobuline, also die Menge der Antikörper im Blut. Da sie von bestimmten B-Zellen gebildet werden, kann es durch B-Zell-Therapien zu einer Verringerung kommen. Das kann zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen. Bisher haben wir aber lediglich bei einzelnen unserer PPMS-Patienten einen Immunglobulin-Mangel festgestellt.

Inwieweit wirkt sich die B-Zell-Therapie auf die Therapieziele bei PPMS aus?

Bei einer Reihe von Patienten mit PPMS erreichen wir mit der B-Zell-Therapie einen Stillstand der Progression. Bei einer weiteren Gruppe von Patienten können wir mit der Therapie den Krankheitsverlauf zumindest verlangsamen.

Was trägt zur Wirksamkeit der B-Zell-Therapie besonders bei?

Bei älteren Patienten oder Patienten mit deutlich längerem Krankheitsverlauf hat man den Eindruck, dass die B-Zell-Therapie nicht in gleichem Maße wirkt wie im Frühstadium der Erkrankung. Deshalb ist die Message – wie auch bei der schubförmigen MS: Die Therapie sollte möglichst frühzeitig beginnen.

Du möchtest mehr erfahren? Unsere Broschüre „Diagnose PPMS – Leben mit Primär Progredienter Multipler Sklerose“ kannst Du hier bestellen oder downloaden.

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