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Diagnose

MS – oder doch NMOSD?

7 Minuten

Veröffentlicht am 04.03.2024  von  trotz ms Redaktion

NMOSD – ist das sowas wie MS? Jein. Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten zählte man NMOSD lange als eine Unterform zur MS. Heute gilt sie aber als eigenständige Erkrankung.

Gelbe und rote Schuhe

Du hast noch nie von NMOSD (Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen) gehört? Kein Wunder, zählt sie mit geschätzten 1.500 bis 2.000 Betroffenen in Deutschland doch zu den seltenen Erkrankungen.¹ Andersherum wurden wahrscheinlich viele Menschen mit NMOSD bereits mit MS konfrontiert: Aufgrund der Ähnlichkeiten erhielten NMOSD-Betroffene früher häufig zunächst die Fehldiagnose „MS“ – und auch heute ist das zum Teil noch Realität.² ³

Viele Gemeinsamkeiten, wichtige Unterschiede

Wie MS gehört auch NMOSD zu den chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems. Deshalb können beide sehr ähnliche Symptome hervorrufen. Da bei NMOSD meist Rückenmark und Sehnerven betroffen sind, gehören Lähmungserscheinungen und Sehstörungen zu den häufigsten Beschwerden. Weitere Symptome der NMOSD können aber auch u. a. Übelkeit, unstillbarer Schluckauf und/oder anhaltendes Erbrechen sein.

Symptome bei MS und NMOSD

NMOSD verläuft überwiegend schubförmig, die Beschwerden bilden sich nach einem Schub jedoch häufig nur schlecht oder gar nicht zurück. Deshalb sollten Betroffene frühzeitig eine Therapie erhalten, um erneuten Schüben und so einer Verschlechterung der Symptome vorzubeugen.

Wie MS betrifft auch NMOSD mehr Frauen: Sie erkranken bis zu neunmal häufiger als Männer.¹ Mit einem Erkrankungsalter von durchschnittlich 39 Jahren entwickelt sich NMOSD typischerweise etwa zehn Jahre später als eine MS.²

NMOSD und MS – wichtige Unterschiede¹ ² ⁴ ⁵

NMOSD

MS

Verlauf:

Meist schubförmig

85 % schubförmig
15 % ohne Schübe

Beeinträchtigungen:

Symptome bilden sich zum Teil nach einem Schub schlecht zurück

Verschlechterung durch Schübe

Symptome bilden sich nach einem Schub meist zurück

Verschlechterung größtenteils schleichend, unabhängig von Schüben

Durchschnittliches Erkrankungsalter:

39 Jahre

29 Jahre

Geschlechterverteilung:
Mann:Frau

1:9

1:2

Diagnose

Autoantikörper gegen AQP4:

Bei etwa 80 %

Nicht vorhanden

Magnetresonanztomographie (MRT):

Größere, zusammenhängende Entzündungsherde v. a. in Sehnerven und Rückenmark

Kleine und viele Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark

Antikörper im Nervenwasser (oligoklonale Banden):

Bei < 30 %

Bei bis zu 98 %

Sichere Diagnose heute möglich

Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten wurde und wird teils noch häufig vorschnell die Diagnose „MS“ gestellt, was bei einer NMOSD aber fatale Folgen haben kann³: Einige der bei MS eingesetzten Medikamente zeigen keine Wirkung oder können die NMOSD-Symptomatik sogar verschlechtern. Zudem ermöglicht nur die richtige Diagnose die frühzeitige Therapie der NMOSD. Doch mittlerweile stehen Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe Ärztinnen und Ärzte NMOSD sicher diagnostizieren können. Dazu gehören die Magnetresonanztomographie (MRT), die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) und eine Blutuntersuchung zur Feststellung von Autoantikörpern.

Auf der MRT-Aufnahme finden sich auch bei NMOSD Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark, sie unterscheiden sich aber von denen der MS. Auch die Liquor-Untersuchung erleichtert der Ärzteschaft die Abgrenzung zur MS. Die eindeutige Diagnose „NMOSD“ wird durch den Nachweis des Autoantikörpers gegen ein körpereigenes Eiweiß (Aquaporin-4, AQP4) im Blut der Betroffenen ermöglicht, welcher im Zusammenhang mit dem klinischen Bild einer NMOSD 2004 entdeckt wurde. Mit einem einfachen Test auf diesen Autoantikörper können Ärztinnen und Ärzte die Diagnose NMOSD sicher stellen – zumindest bei rund drei Viertel der Betroffenen. Etwa 20 Prozent weisen trotz NMOSD keine Autoantikörper gegen AQP4 auf.¹

Neue Therapieoptionen

Sowohl MS als auch NMOSD sind bisher nicht heilbar – aber behandelbar. Bei beiden verfolgen die Therapieansätze unterschiedliche Ziele: Die Schubtherapie mit hochdosiertem Kortison hilft bei einem akuten Schub und die Schubprophylaxe beugt einem erneuten Schub vor. Dabei handelt es sich um Medikamente, die in die Entzündungsprozesse der NMOSD eingreifen. Diese müssen, wie die verlaufsmodifizierenden Therapien der MS, langfristig angewendet werden.

Du siehst, trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen MS und NMOSD. Aber für beide Erkrankungen gilt: Eine sichere Diagnose und eine frühzeitige Behandlung mit wirksamen Medikamenten sind entscheidend für den Therapieerfolg.

Das neue Patientenportal „Stark mit NMOSD“ bietet hilfreiche Informationen rund um die seltene Erkrankung.

Inhaltlich geprüft: M-DE-00020512

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