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Simone, PPMS-Betroffene, 54 Jahre

Blog Starke Worte

Wie ich mir „Auszeiten“ von der MS nehme

6 Minuten

Veröffentlicht am 17.11.2021  von  Simone

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber die Beschäftigung mit der MS nimmt für meinen Geschmack manchmal ein viel zu großes Feld in meinen Gedanken ein. Oft treibt mich der Gedanke um, ob ich genug tue, um meinen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen oder ob ich irgendetwas verpasse. Inzwischen habe ich einen Weg gefunden, mit solchen Gedanken umzugehen.

In solchen herausfordernden Situationen rufe ich mir gerne ein Bild von meinem momentanen Zustand auf. Was von dem, worum ich mich gerade sorge, trifft im Moment wirklich zu? Welche Gedanken sind zu sehr auf ein „könnte sein“ oder „könnte eintreffen“ ausgerichtet? Und oft ist meine eigene Antwort immer gleich auf diesen selbst verursachten Stress der Selbstoptimierung: Eigentlich geht es mir gerade ganz gut. Die Beschäftigung mit der MS versuche ich dann ruhen zu lassen, wenn es mir zu viel wird.

MS-Betroffene Simone sitzt lachend neben ihrem Enkel

Was mir bei Belastung und Stress weiterhilft

Es gibt aber nicht nur diese Tage, an denen mich die MS und ihr Verlauf mental beschäftigen. Es gibt auch Tage, an denen mein Körper mich ganz konkret auf die Einschränkungen durch meine Erkrankung aufmerksam macht. Dann, wenn mir zum Beispiel oft irgendetwas herunterfällt oder ich ständig mit meinem linken Fuß, der gerne nach außen zur Seite steht, überall hängen bleibe und dann so etwas wie Zorn in mir aufkommen spüre, versuche ich die Reißleine zu ziehen.

Und bei mentalem und physischem Stress hilft mir etwas, mit dem ich schon vor langer Zeit in Berührung gekommen bin: Vor 35 Jahren habe ich einen Kurs für autogenes Training belegt. Damals war meine Motivation zu viel Stress in der Schule.

Ich erinnere mich immer noch deutlich, dass ich montagabends nach dem Kurs völlig entspannt nach Hause kam, mit mir und der Welt im Reinen war und ziemlich früh zu Bett gegangen bin. Als der Kurs zu Ende war, muss ich sagen, habe ich die Übungen jedoch nie mehr so ernsthaft gemacht wie während des Kurses. Und irgendwann dann gar nicht mehr.

Nachhaltige Entspannungstechniken

20 Jahre später habe ich dann einen Kurs über „progressive Muskelentspannung nach Jacobson“ gemacht und konnte mich im Gegensatz zu den anderen Teilnehmer:innen relativ schnell in einen Modus der Entspannung bringen. Laut der Übungsleiterin war das möglich, weil ich immer noch das beim autogenen Training Erlernte und Geübte abrufen konnte. Das war damals eine beruhigende Erkenntnis: dass ich – obwohl ich die Übungen zwar nicht mehr gemacht hatte – immer noch davon profitieren konnte. Allein der Gedanke hat mich beruhigt, dass ich in mir so etwas wie eine Grundentspannung und innere Ruhe aufrufen kann und das sogar relativ schnell und ohne dabei an einen bestimmten Ort gebunden zu sein.

Das Erlernen und Anwenden von autogenem Training und der progressiven Muskelentspannung helfen mir auch heute noch sehr, wenn ich mental zu angespannt bin oder meine körperlichen Defizite zu stark spüre. Mehr über diese und weitere Entspannungsformen, die im Umgang mit MS helfen können, erfährst Du in diesem Beitrag von trotz ms.

Ich wende die Entspannungsübungen zwar nicht mehr regelmäßig an, aber bei Bedarf helfen sie mir, mich schnell selbst zu entspannen – unabhängig von Zeit, Ort oder Hilfsmitteln. So entscheide ich ganz bewusst, wann ich mir eine Auszeit von der MS nehme – und von dem Gedankenkarussell, das manchmal damit einhergeht. Diese Erkenntnis ist für mich sehr beruhigend.

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