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Alltag & Umgang

Stress beeinflusst die Krankheitsaktivität bei MS

6 Minuten

Veröffentlicht am 15.09.2020  von  trotz ms Redaktion

Der Pulsschlag steigt, die Atmung wird schneller, unsere Sinne sind hellwach – Stress hilft uns dabei, zur Höchstform aufzulaufen und Herausforderungen in allen Lebenslagen zu meistern. Wird Stress aber zum Dauerzustand, macht er uns krank. Aber kann Stress auch die Symptome und den Verlauf einer MS beeinflussen? Wissenschaftliche Studien legen das nahe.

Entspannung hilft gegen Stress

Was passiert bei Stress im Körper?

Stress ist eine natürliche Reaktion unseres Körpers auf eine Gefahrensituation. Als wir noch in Höhlen lebten, bedeutete das zum Beispiel die Begegnung mit einem Säbelzahntiger. Um uns sekundenschnell fit für Angriff oder Flucht zu machen, schüttet unser Körper verschiedene Stresshormone aus – allen voran Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol. Diese Hormone mobilisieren Energiereserven und sorgen dafür, dass unser Körper kurzfristig auf Hochtouren läuft. Ist die Gefahr gebannt, baut der Körper die Hormone ab, der Stress lässt nach und wir entspannen uns wieder. Grundsätzlich ist Stress also erstmal nichts Schlechtes. Erst wenn er zum dauerhaften Begleiter wird, kann er uns schaden.

Dauerstress macht krank

Termindruck im Job, im Haushalt stapeln sich die Aufgaben und der Freundeskreis darf auch nicht zu kurz kommen? Heute ist es nicht mehr das wilde Tier, das uns in Stress versetzt, sondern unser meist viel zu hektische Alltag. Ab wann wir eine Situation als stressig empfinden, ist individuell sehr verschieden. Klar ist aber, dass uns Stress auf Dauer nicht guttut. Folgen auf Anspannung keine Phasen der Entspannung und Erholung, leiden Körper und Seele. Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Erschöpfung bis hin zu Depressionen und Herzkreislauf-Erkrankungen können die Folge sein.

Verschlimmert Stress auch die MS?

Schon vor über 100 Jahren vermutete der französische Neurologe Jean-Jaques Charcot – der als Erstbeschreiber der MS gilt –, dass psychischer Stress wie Trauer oder Ärger MS-Schübe auslösen kann. Mittlerweile stützen verschiedene Studien diese Vermutung. Sie zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen Stress und einem erhöhten Risiko für Schübe bei MS besteht. Wissenschaftler an der Charité konnten sogar feststellen, dass Stress den Verlust von Hirnvolumen (Hirnatrophie) fördert. Wie genau Stress eine MS verschlimmern kann, ist noch nicht genau erforscht. Untersuchungen zeigen aber, dass Stress das Immunsystem beeinflusst und Entzündungen fördert. Stresserkrankungen stehen sogar im Verdacht, MS auszulösen. Die gute Nachricht: Der eigene Umgang mit Stress lässt sich beeinflussen – und damit auch der Verlauf der MS.

Anti-Stress-Training beugt Entzündungsherden vor

Dass sich eine gute Stressbewältigung positiv auf die MS auswirkt, haben amerikanische Forscher festgestellt. Sie teilten 121 MS-Betroffene entweder einer Therapiegruppe oder einer Kontrollgruppe zu. Die Therapiegruppe erhielt über 24 Wochen ein Training, in dem die Patienten lernten, Stress zu vermeiden sowie stressige Situationen besser zu bewältigen. In der anschließenden MRT-Untersuchung zeigten sich bei der Therapiegruppe deutlich weniger MS-typische Entzündungsherde als in der Kontrollgruppe. Das Anti-Stress-Training konnte die Krankheitsaktivität also offenbar bremsen. Allerdings stellten die Forscher fest, dass sich nach Abschluss des Trainings die Anzahl der Entzündungen im Gehirn wieder erhöhte. Bei der Bewältigung von Stress heißt es also dranbleiben! Verschiedene Entspannungsverfahren können Dir helfen, Stress abzubauen und Dein seelisches Gleichgewicht zu finden.

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