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Familie & Partnerschaft

Zweifache Mutter trotz MS: Nadine macht anderen Mut

8 Minuten

Veröffentlicht am 27.08.2019  von  trotz ms Redaktion

Ist es möglich, trotz der MS-Erkrankung Mama zu werden? Diese Frage hat sich auch Nadine gestellt, als sie die Diagnose „Schubförmige MS“ mit Mitte zwanzig erhalten hat. Sie kennt die Ängste, die MS-Patientinnen mit Kinderwunsch bewegen. Trotzdem hat sich dazu entschlossen, es zu versuchen. Im Interview erzählt die zweifache Mutter von ihren Erfahrungen.

Nadine ist 29 Jahre alt und kommt aus Hessen, genauer gesagt aus Langen bei Frankfurt. Ihre MS-Diagnose hat sie im Februar 2015 erhalten. Das hat sie aber nicht davon abgehalten Mutter von zwei Kindern zu werden. Über ihre Erfahrungen zum Thema „Kinderwunsch und Muttersein mit MS“ bloggt sie regelmäßig auf Instagram unter dem Namen @nanabanana1405. Durch ihr Beispiel möchte sie anderen MS-Betroffenen mit Kinderwunsch zeigen, dass es durchaus möglich ist, MS und Muttersein zu vereinbaren. Außerdem möchte sie dazu beitragen, Vorurteile zu bekämpfen, denen sich Mütter mit MS ausgesetzt sehen. Ihr Tipp für alle MS-Betroffenen, die mit dem Gedanken spielen, ein Kind zu bekommen: Besprecht Euer Vorhaben unbedingt mit Eurem Neurologen und Gynäkologen.

Liebe Nadine, wie gelingt es Dir, Familie und MS miteinander zu vereinbaren?

Ich schaffe eigentlich alles ganz gut. Mein Mann hilft mir, wo er nur kann. Und ich habe auch eine ganz liebe Freundin um die Ecke, die mich unterstützt. Nach meiner MS-Diagnose und vor der Geburt meines ersten Sohnes hatte ich drei Fehlgeburten. Damals ging es mir psychisch sehr schlecht und ich hatte innerhalb eines Jahres drei Schübe hintereinander. Da war dann auch die MS sehr präsent. Seit ich Mama bin, bin ich ausgeglichener und irgendwie glücklich. Ich hatte keinen Schub mehr und auch das Thema „MS“ ist für mich in den Hintergrund gerückt, denn die Nummer eins in meinem Leben sind meine Kinder.

Stand für Dich schon immer fest, dass Du eine Familie gründen möchtest oder hat die MS-Diagnose daran etwas geändert?

Ich wollte schon immer eine Familie gründen. Als ich meine MS-Diagnose etwa sechs Wochen vor der Hochzeit bekam, war auch meine erste Frage an die Ärzte damals: Kann ich Kinder bekommen? Doch ich hatte Glück und wurde von Anfang an gut beraten. Für meinen Mann und mich stand fest, dass wir irgendwie Kinder bekommen möchten. Nur nach der dritten Fehlgeburt sagte mein Mann irgendwann, weil es mir körperlich durch die MS so schlecht ging: „Ok, wir hören jetzt auf und legen eine Pause ein. Wir können auch so glücklich leben.“ Nach der Pause hat es dann letztendlich auch geklappt.

Hattest Du Sorge, dass Du Deine MS vererben könntest, und gibt es bei Dir in der Familie andere MS-Betroffene?

In meiner Familie bin ich die Einzige mit MS. Doch die Sorge, dass ich die Krankheit an meine Kinder übertragen könnte, war einer meiner ersten Gedanken. Bis mein Arzt mir sagte, dass das Risiko nicht viel höher wäre als das von Nicht-Betroffenen. Es läge bei etwa drei Prozent. Deshalb habe ich mich auf das Positive konzentriert und bin ohne Angst an die Sache herangegangen. Immerhin liegt die Wahrscheinlichkeit bei siebenundneunzig Prozent, dass mein Kind keine MS bekommt. Beim zweiten Kind habe ich mir viel weniger Gedanken gemacht. Allerdings hatte ich auch viel weniger Zeit dazu.

Wie hast Du die Schwangerschaft mit MS erlebt? Hast Du Deine Therapie während der Schwangerschaft und Stillzeit fortgesetzt?

Da ich ja kurz vor meiner Heirat diagnostiziert worden bin, stand bei der Therapieentscheidung auch schon das Thema „Kinderwunsch“ im Raum. Mit meinem Neurologen habe ich abgesprochen, dass ich mit der Therapie beginne und damit aufhöre, sobald ich schwanger bin. So habe ich es in beiden Schwangerschaften gehandhabt. MS-Symptome traten wenige auf. In der ersten Schwangerschaft hatte ich ab und zu mit meiner Spastik im Bein zu kämpfen. Das wurde aber besser und bei der zweiten Schwangerschaft hatte ich gar keine Beschwerden. Mir ging es körperlich und emotional richtig gut und ich war noch sehr aktiv.

Wegen des Stillens wollte ich mich nicht unter Druck setzen. Trotzdem hat es sofort super funktioniert. Während der acht Monate, in denen ich gestillt habe, habe ich keine MS-Medikamente genommen. Nach dem Abstillen fing ich wieder mit der Therapie an. Mein Neurologe kontrollierte auch, ob ich in der Schwangerschaft oder Stillzeit einen Schub hatte. Aber die MRT-Aufnahme zeigte weder einen Herd noch einen Schub.

Hat Deine Gynäkologin sich wegen Deiner MS besorgt gezeigt, spezielle Untersuchungen durchgeführt oder eine besondere Entbindung empfohlen?

Nein, gar nicht. Meine Ärztin hat mich schon ab dem Kinderwunsch voll unterstützt und mir gesagt, dass sie es toll findet, wie ich das so mache. Vor allem nach den Fehlgeburten hat sie mir Mut gemacht. Sie fragte auch immer, wie es mir mit der MS geht. Bedingt durch die Fehlgeburten musste ich öfter zu Kontrolluntersuchungen kommen. Vor der Geburt meines ersten Sohnes wollte ich wissen, ob ich normal entbinden kann. Sie meinte damals, ich solle das lieber mit meinem Neurologen besprechen. Der meinte, ich solle mir keine Gedanken machen und den Empfehlungen meiner Gynäkologin folgen. Doch im Prinzip war all dies überflüssig. Meine beiden Söhne waren beide Beckenendlage. Sie wurden per Kaiserschnitt in der Klinik entbunden, in der ich wegen meiner MS in Behandlung bin.

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