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Carsten, MS-Betroffener, 51 Jahre

Blog Starke Worte

MS und kleine Unfälle – ist das normal?

8 Minuten

Veröffentlicht am 16.02.2022  von  Carsten

Hallo an alle Interessierten und willkommen zu meinem neuen Beitrag. Wie komme ich eigentlich zu dem Thema „MS und Unfälle“? Unfälle sind ja nicht zwangsläufig krankheitsabhängig. Aufgefallen ist mir ein Zusammenhang aber, als ich 2019 einen Antrag für eine Reha-Maßnahme gestellt habe. Hierzu hat die Rentenversicherung eine Aufstellung meiner Krankentagen angefordert, die ich mir von meiner Krankenversicherung besorgte. Ich habe mir die Aufstellung angeschaut und mit Verwunderung festgestellt, dass ich fast am gleichen Tag in drei aufeinanderfolgenden Jahren Krankmeldungen hatte, welche auf Unfälle zurückzuführen waren – schon irgendwie komisch ;-)

MS-Betroffener Carsten sitzt mit bandagierten Daumen und Kopf an einem Tisch

Der erste Unfall

Der erste Unfall ist mir passiert, als ich unsere Dachbodenluke öffnete – naja, ich hatte sie nur zur Hälfte geöffnet, da ich vom Handy im anderen Zimmer abgelenkt war. Ich also rüber ins andere Zimmer, telefoniert und als ich zurück in den Flur lief, bin ich geradewegs mit dem Kopf gegen die Kante der Luke und zack: Platzwunde. Da meine Frau an diesem Tag (Feiertag) arbeiten war, rief ich meine Schwiegermutter an, die mich dann auch schnell ins Krankenhaus zum Verarzten brachte …

Der zweite Unfall

Der zweite Unfall ist mir beim Schneiden der Rasenkanten passiert. Wie das geht? Ganz einfach: Ich hatte mir eine neue Akku-Rasenkantenschere im Baumarkt gekauft und wollte diese dann auch gleich einsetzen. Gesagt, getan. Lief auch alles gut, bis ich auf einmal der Meinung war, das es doch schneller geht, wenn ich die langen Grashalme einfach mit der linken Hand hoch halte und somit besser fixieren und besser schneiden kann. Blöde Idee! Hat nämlich nicht lange gedauert, bis ich mir in den Daumen und die halbe Kuppe abgeschnitten hatte. Meine Frau auf der Arbeit (mal wieder Feiertag), Schwiegermutter auch nicht da, also irgendwie mit dem Auto ins nicht so weit entfernte Krankenhaus gefahren, war nicht so spaßig … Meine Frau habe ich dann vom Wartebereich aus angerufen, auch ihre Begeisterung hielt sich in Grenzen, weiß auch nicht warum …

Der dritte Unfall

Der dritte Unfall fand dann mal nicht zu Hause, sondern mit Kumpels im Urlaub statt. Unsere bis vor Corona alljährlich stattfindende Tour führte uns damals nach Mallorca. Wir checkten nach einiger Wartezeit in unserem Hotel ein. Nachdem wir uns allerdings die Zimmer angeschaut hatten, war uns klar, dass hier ein Wechsel erforderlich ist. Also Koffer erst gar nicht ausgepackt, sondern zurück zur Rezeption und Zimmer reklamiert. Nach einigem Hin und Her bekamen wir dann neue Zimmer. Also mit den Koffern aus dem alten Zimmer ins neue Zimmer umziehen. Die alten Zimmer befanden sich allerdings im 1. Stock und waren über eine enge, geschwungene Treppe mit dem Erdgeschoss verbunden. Wir hatten in der Zwischenzeit auf bequemere Kleidung gewechselt, sprich Shorts und Badelatschen. Das mit den Badelatschen war keine so gute Idee, wie sich kurz danach herausstellte. Ich bin nämlich als Letzter die enge Kurve runter, den unhandlichen Koffer in der linken Hand. Es kam, wie es kommen musste: Ich habe das Gleichgewicht verloren bzw. mit dem Fuß eine Stufe verpasst, bin dann gestürzt und mit dem Hinterkopf auf die Steintreppe aufgeschlagen.

Ein Krankenwagen wurde gerufen, der auch recht schnell kam. Ich wurde in der Praxis genäht und mit einem Druckverband ausstaffiert. War ein echt blöder Start in einen Kurztrip, weil ins Wasser springen und so war ja mit der Verletzung nicht möglich. Reaktion von meiner Frau: „Dich kann ich ja auch nicht allein lassen“ – habe ich nicht ganz verstanden, weil allein war ich ja nicht ;-)

Der vierte Unfall

Recht aktuell hatte ich dann (wieder zu Hause) einen unangenehmen und sehr schmerzhaften Kontakt mit meiner Spitzhacke. Ich wollte Chinaschilf-Wurzeln im Garten entfernen – wer die Dinger kennt, weiß, dass diese sehr hart und fest im Boden verwurzelt sind.

Mit der Spitzhacke ausgerüstet bin ich dann den Wurzeln an den Kragen … Was soll ich sagen, irgendwie und für mich immer noch nicht ganz nachvollziehbar, hat mich dies dann meinen Fingernagel gekostet, den ich mir zwischen Spitzhacke und hartem Boden geklemmt hatte. Es war nicht nur schmerzhaft, nein, der Nagel hat sich auch nach ca. einer Woche komplett verabschiedet und ist dann erst nach mehreren Monaten wieder vollständig nachgewachsen.

Und was hat das jetzt eigentlich mit MS zu tun???

Die Zauberworte heißen schlicht und einfach Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration – also Fähigkeiten, die durch die MS beeinträchtigt werden können. Wäre ich achtsamer, aufmerksamer und konzentrierter gewesen, dann wären all diese kleinen Unfälle wahrscheinlich gar nicht erst passiert. Im Nachgang sehe ich das ganze mit Humor, wie ihr meinem Text ansehen könnt – es hätte auch alles wesentlich schlimmer ausgehen können. Wie heisst es doch im Kölschen Grundgesetz, Artikel 3:

Et hätt noch emmer joot jejange

In diesem Sinne schließe ich und wünsche Euch und mir ein ab sofort unfallfreies Leben!

Euer Carsten

P.S.: Wer resigniert, verliert (seinen Humor) ;-)

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