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Sandra, SPMS-Betroffene, 56 Jahre

Betroffene

MS macht erfinderisch

6 Minuten

Veröffentlicht am 15.08.2019  von  Sandra

Trotz MS-bedingter Einschränkungen lässt sich Sandra ihre Lebensfreude nicht nehmen. Wie ihr das gelingt, erzählt sie in ihrem Beitrag.

MS macht erfinderisch

Heute möchte ich euch von einem meiner Träume erzählen, den ich im Alter von 40 Jahren verwirklicht habe: Der Motorradführerschein musste her. Eine Freundin von mir fuhr schon länger selbst Motorrad und animierte mich zur Anmeldung in der Fahrschule.

Freiheit auf zwei Rädern

Ich war immer gerne mit meinem Mann auf dem Motorrad unterwegs. Als Beifahrerin hatte ich also schon Erfahrung. Mein Lebensmotto „It`s never too late“ setzte ich sofort in die Tat um und machte in Kürze die Motorradprüfung. Mit meiner blauen Honda Hornet war ich überglücklich. Es ist ein tolles Gefühl, selbst durch die Gegend zu steuern. Oft machten mein Mann und ich uns Badeseen zum Ziel, mit einer guten Abkühlung im Wasser. Ein Besuch im Biergarten zur Stärkung durfte dabei natürlich auch nicht fehlen. Gegen Abend ging es dann wieder Richtung Heimat.

Simone mit ihrem Motorrad

Simone auf ihrem Motorrad

Mach das Beste draus!

Anfang 44 merkte ich plötzlich, dass meine Kraft und Konzentration bei den Touren nachließ. Nach eingehender Untersuchung der Taubheitsgefühle in den Fingerspitzen und Schwäche im rechten Fuß bekam ich die Diagnose MS. Als der erste Schock vorüber war und auf Rat des Arztes, stellte ich schweren Herzens das Bike in die Ecke.

Bei mir ist vor allem die rechte Körperhälfte von der MS betroffen, aber die Krankheit macht erfinderisch. Oft ist Improvisation gefragt. Ich denke, wenn es nicht mehr so funktioniert wie gehabt, dann muss ich mir halt eine Lösung einfallen lassen. Ich bin nicht der Typ, der rumjammert oder den Kopf in den Sand steckt.

Man muss einfach schauen, was noch geht und das Beste aus der Situation machen.

Deshalb kaufe ich mir zum Beispiel nur noch Schuhe zum Reinschlüpfen, statt mit Schnürsenkeln und helfe mir mit einem praktischen Schuhanzieher. Ich trage eine Stütze am Fuß, die den Fußheber unterstützt und nutze Walking-Stöcke als Hilfsmittel, aber nur, wenn es mit dem Laufen gar nicht mehr anders gehen will. Hilfe von anderen anzunehmen, wie beispielsweise im Haushalt, war für mich hingegen ein langwieriger Lernprozess.

Die beste Therapie

Auch beim Motorradfahren musste ich mir eingestehen, dass es mir zu unsicher geworden ist. Schließlich ist die Vorstellung erschreckend, an einer Ampel zu stehen und von einer über 300 Kilo schweren Maschine platt gemacht zu werden, weil einem der Fuß wegknickt. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, wieder Beifahrerin bei meinem Mann zu sein. Ich bin dankbar für die Jahre, in denen ich selbst fahren konnte. Motorradfahren ist eine Freiheit, die einem keiner nehmen kann. Egal ob du selber fährst oder mit deinem Schatz. Auf der Maschine zu sitzen und den Wind im Gesicht zu spüren, ist für mich die beste Therapie. Es hält mich aufrecht.

Also lasst Euch Euren Spaß und Eure Lebensfreude durch die Diagnose MS nicht nehmen. Es gibt immer wieder neue Horizonte, die sich für uns auftun.

– „trotz ms“ mit vielen positiven Erfahrungen –

Eure Sandra

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