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Forschung

Eiswasser-Test deckt Blasenstörungen bei MS auf

6 Minuten

Veröffentlicht am 13.03.2019  von  Onmeda

Ein einfacher Test mit Eiswasser könnte Störungen der Blasenfunktion bei multipler Sklerose aufdecken, zeigt eine neue Studie. Die Reaktion der Blase auf die Kälte gibt Auskunft darüber, wie gut der Blasenmuskel funktioniert.

Mann in Eiswasser

Bei 50 bis 80 Prozent aller Patienten mit multipler Sklerose (MS) ist die Blasenfunktion nicht intakt. Zum Beispiel verspüren die Betroffenen dann einen starken Harndrang, haben aber Probleme mit dem Wasserlassen. Daneben sind wiederkehrende Harnwegsinfektionen eine häufige Beschwerde.

Schon heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, um Blasenstörungen bei MS zu diagnostizieren. Forscher um die Urologin Dr. Tanja Hüsch von der Universitätsmedizin Mainz haben eine neue, sehr einfache Diagnosemöglichkeit entwickelt: den Eiswassertest. Sie fanden heraus, dass sich mit diesem Test bislang unentdeckte Fälle von Blasenfunktionsstörungen ausfindig machen lassen. Daneben lässt sich auch der Schweregrad anhand einer neu entwickelten Skala feststellen.

Die Blase unter Kälteschock

An der Studie nahmen 141 Frauen und 60 Männer mit multipler Sklerose teil. Keiner der Probanden hatte vor den Untersuchungen eine Therapie gegen Blasenfunktionsstörungen erhalten. Die Forscher analysierten von jedem Probanden einen sogenannten Eiswassertest. Dabei bringen Ärzte eine etwa vier Grad Celsius kühle Natriumchloridlösung über einen Katheter in die Blase ein. Der Test gilt als positiv, wenn die Blase das Wasser sofort wieder ausstößt. Der Mechanismus hinter dem Provokationstest: Das Eiswasser führt über verschiedene Reaktionen dazu, dass sich der Blasenmuskel zusammenzieht. Durch diese Kontraktion hat der Blaseninhalt "freie Bahn" und läuft wieder heraus. Die Maßeinheit beim Eiswassertest ist die Kontraktionsfähigkeit des Blasenmuskels.

Der Reflex, dass sich der Blasenmuskel zusammenzieht, lässt sich bei Kindern von fünf Jahren und darunter gezielt provozieren. Später, wenn das Nervensystem voll ausgereift ist, verschwindet dieser Reflex. Er setzt jedoch bei neurologischen Störungen wieder ein.

Die Forscher setzten die Episoden von Inkontinenz innerhalb von 24 Stunden in einen Zusammenhang mit dem Geschlecht der Probanden und dem Ergebnis des Eiswassertests. Zudem entwickelten sie eine spezielle Skala (ein sogenanntes Nomogramm), um die Überaktivität der Blasenmuskulatur in verschiedenen Schweregraden abzubilden.

Zuverlässige Diagnose

Bei 75 der 201 Patienten fiel der Eiswassertest positiv aus – darunter waren anteilig deutlich mehr Männer als Frauen. Bei 17 Prozent deckte der Test eine unfreiwillige Kontraktion des Blasenmuskels auf, obwohl andere Diagnoseverfahren – etwa die Blasendruckmessung (Zystometrie) – keine Überaktivität dieses Muskels ergeben hatten. Das neu entwickelte Nomogramm bewies, dass der Test funktioniert und Aussagekraft besitzt. Der Schweregrad der Blasenstörung ließ sich durch das Ergebnis im Eiswassertest, die Häufigkeit der Inkontinenz-Episoden und die maximale Kraft des Blasenmuskels feststellen.

"Der Eiswassertest ist ein einfaches Mittel, um eine bislang unerkannte Überaktivität des Blasenmuskels bei nervenbedingten Blasenfunktionsstörungen aufzudecken", schreiben die Autoren. Das Nomogramm könne es Ärzten erleichtern, den Schweregrad dieser Blasenfunktionsstörung festzustellen. Jetzt wollen die Forscher weitere Untersuchungen durchführen, um die Verlässlichkeit des Eiswassertests zu überprüfen: "Dann könnte der Test ein objektives Verfahren sein, um Störungen der Blasenfunktion bei multipler Sklerose zu diagnostizieren."

Der Eiswassertest geht auf das Jahr 1957 zurück. Damals hatten zwei Ärzte ihn erstmals eingesetzt, um den Einfluss neurologischer Schäden bei Blasenfunktionsstörungen zu untersuchen. Sie hatten kaltes Wasser in die Blase von Patienten mit Verletzungen des Rückenmarks eingebracht.

Quellen:

Hüsch, T. et al.: Ice water test in multiple sclerosis: a pilot trail. International Journal of Urology (November 2018)

Online-Informationen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): www.dmsg.de (Seitenabruf: 3.1.2019)

*Quelle: Onmeda

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