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Diagnose

Evozierte Potentiale: Wenn der Arzt die Nerven testet

3 Minuten

Veröffentlicht am 15.09.2017  von  trotz ms Redaktion

Multiple Sklerose (MS) schädigt die Verkleidung der Nerven, weshalb Reize verlangsamt übertragen werden. Im Rahmen der Diagnose prüft der Arzt die Funktionsfähigkeit und Leitgeschwindigkeit der Nervenbahnen mit Hilfe sogenannter evozierter Potenziale.

Bunte Kabel

Messung evozierter Potentiale

Sei es das Kribbeln in Deinem Bein oder die schwarzen Flecken vor Deinen Augen – hinter diesen Symptomen verbirgt sich eine Störung der Reizweiterleitung im Nervensystem. Durch äußerliche Stimulation löst der Arzt gezielt elektrische Spannungsunterschiede in der Hirnrinde aus, sogenannte evozierte Potenziale. Durch die Messung dieser Spannungsunterschiede untersucht Dein Arzt gezielt die Funktion Deiner Nervenbahnen. Dabei löst er einen Reiz aus und misst, wie lange es dauert, bis dieser von der Hirnrinde verarbeitet wird. Die Messung erfolgt über Elektroden an der Hautoberfläche.

Folgende Reize werden bei der Überprüfung eingesetzt:

  • Visuell evozierte Potenziale (VEP)
    Ziel: Überprüfen der Sehnerven und des Sehzentrums im Gehirn
    Vorgehen: Der Patient verfolgt jeweils mit einem Auge, wie ein Schachbrettmuster auf einem Bildschirm seine Farben wechselt.
  • Akustisch evozierte Potenziale (AEP)
    Ziel: Erkennen von Störungen der Hörnerven
    Vorgehen: Der Patient hört, mal auf einem Ohr, mal auf beiden, kurze gleichbleibende Geräusche über Kopfhörer.
  • Somatosensibel evozierte Potenziale (SEP)
    Ziel: Kontrolle der Übertragung von sensorischen Reizen ans Gehirn
    Vorgehen: Der Arzt setzt elektrische Reize an Fußknöcheln und Handgelenken.
  • Magnetisch evozierte Potenziale (MEP)
    Ziel: Untersuchen der Weiterleitung von Impulsen an Gehirn und Rückenmark
    Vorgehen: An Kopf, Hals und Lendenwirbelsäule wird mittels einer Magnetspule ein Magnetfeld erzeugt. Die magnetischen Reize führen im Idealfall zu einem Muskelzucken in Armen oder Beinen.