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Steffi B., MS-Betroffene, 45 Jahre

Blog Starke Worte

Ein Jahr COVID-19 – meine persönliche Bilanz

6 Minuten

Veröffentlicht am 19.05.2021  von  Steffi B.

Hallo Ihr Lieben, ja, es ist tatsächlich schon über ein Jahr mit Corona vorbei. Ein Jahr, das anders war als alles, was wir bis dahin kannten. Ein Jahr mit AHA-Regeln, von denen wir bis dahin in dieser Form noch nie etwas gehört haben. Ein Jahr, das mit uns allen etwas gemacht hat. Ein Jahr mit COVID-19.

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Wieso ist dieses Thema, über das ich heute für Euch schreibe, für mich als MS-Betroffene wichtig? Wie gesagt, Corona hat mit uns allen etwas gemacht. Für mich und ich denke auch für Euch waren vor der Pandemie andere Dinge wichtig als heute: Wir sind nach Herzenslust shoppen gegangen, waren auf der ganzen Welt unterwegs, haben Freunde getroffen. Unsere Sorgen galten vielleicht dem nächsten Termin bei unserem Neurologen: Ob alles noch ok ist? Sich die MS wenigstens nicht verschlechtert hat? Und ganz langsam schlichen sich neue Gedanken in unser Leben. Auf einmal haben sich meine Prioritäten verschoben.

Die Ungewissheit wuchs

Ich war bis dahin auf einem guten Weg ein „normales“ Leben zu führen. Die Arbeit war gut organisiert, meine Freizeit konnte ich gut einteilen, Freunde und Kollegen konnten gut mit mir und meiner MS umgehen, Sport war wieder wichtig. Und nun? Kommt dieses komische Virus um die Ecke und wirft alles mühsam Erarbeitete über den Haufen! Alles hat sich verschoben. Zu Anfang nahm auch ich das Ganze nicht so ernst: Das ist in China – so weit weg! Und an Fasching nahm das Ganze dann so richtig Fahrt auf und mein Gedankenkarussell startete durch. Die letzte Woche vor dem ersten Lockdown war alles andere als spaßig. Ich habe immer mehr negative Nachrichten gehört. Im Geschäft waren Kunden stark erkältet und alles wurde immer negativer. Als meine Chefin von sich aus die Notbremse zog, um uns zu schützen, schwankte ich den ganzen Tag zwischen Erleichterung und Angst. Erleichterung endlich nicht mehr diesen engen Kontakt zu Menschen zu haben. Wir hatten ja noch keine Masken etc. Aber auch Angst, vor dem, was kommt. Was macht mein Immunsystem, wenn mich Corona erwischt? Kann ich meine Kontrolltermine beim Doc einhalten? Reicht mein Geld, wenn ich in Kurzarbeit bin? Bin ich, auch wegen der Medikamente, gefährdeter als andere? Jeder sitzt allein zu Hause. Was macht das mit mir? Ich bin das ja gar nicht gewöhnt, werde jeden Tag dauerbeschallt. Diese Ungewissheit. Keiner weiß, was zu tun ist. Unsicherheit an allen Fronten. Unsicherheit wegen der MS.

Trotz Corona, trotz MS – gelassener als vorher

Nun nach einem Jahr hat sich doch so einiges aufgelöst. Wir alle haben wohl notgedrungen gelernt, mit der Situation umzugehen. Meine MS ist glücklicherweise gleichbleibend gut geblieben. Was sich bei mir verändert hat, ist die Einstellung zu manchen Dingen. Musste ich mit der MS lernen langsam zu machen, hat Corona das Ganze noch einmal verlangsamt. Ich werde, je länger das Ganze dauert, toleranter gegenüber unterschiedlichen Meinungen und ich weiß es noch mehr zu schätzen, dass es mir „eigentlich“ gut geht.

Mein Fazit nach einem Jahr COVID-19 lautet: Noch mehr Achtsamkeit. Mir, meiner MS und auch meinem Umfeld gegenüber.

Danke für Eure Zeit, bleibt gesund!

Von Herzen

Eure Steffi

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