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Bildung & Beruf

Finanzielle Hilfe bei MS: Erwerbsminderungsrente bei Berufsunfähigkeit

8 Minuten

Veröffentlicht am 19.08.2022  von  trotz ms Redaktion

Wenn Du Multiple Sklerose (MS)-bedingt nicht mehr – oder nicht mehr im in Vollzeit – arbeiten kannst, schützt Dich das soziale Netz in Deutschland. Für den Fall, dass Du Deinen Beruf dauerhaft aufgeben musst, kannst Du eine Erwerbsminderungsrente (EMR) bei MS beantragen. Sie soll Deinen Verdienstausfall ausgleichen.

Eine Dose voller mit Münzen

Die Erwerbsminderungsrente sichert Dich im Falle eines Falles finanziell ab.

Am MS-Register der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft beteiligen sich MS-Zentren in ganz Deutschland, die jährlich tausende Datensätze zu ihrer Patientenschaft liefern. Mit diesen Zahlen ergibt sich ein konkretes Bild, wie MS-Betroffene ihren Alltag gestalten und wie gut sie medizinisch versorgt sind. Dabei zeigt sich: Einige MS-Betroffene gehen wegen einer Berufs- und Erwerbsunfähigkeit vorzeitig in Rente. Viele Menschen mit MS können aufgrund ihrer Erkrankung ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben. Sie leiden unter Fatigue oder Störungen der Bewegung, beim Sehen oder im Gedächtnis. Auch Lähmungen und Inkontinenz können Symptome sein.

Viele können noch arbeiten − aber mit Einschränkungen

Bei den Erhebungen wird erfasst, ob Betroffene einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, in Teilzeit arbeiten oder derzeit nicht berufstätig sind. Deutlich wird: Menschen mit MS sind in ihrer Erwerbstätigkeit deutlich stärker eingeschränkt als andere Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland. Auch die Arbeitslosigkeit trifft MS-Betroffene etwas häufiger. Viele Personen mit MS, die ihre Erfahrungen im MS-Register teilen, beantworten die Frage, ob die MS die aktuelle berufliche Tätigkeit einschränke, mit "ja". Teilweise mussten sie ihren Job unterbrechen oder sogar aufgeben, teils genügte es, den Umfang der Tätigkeit zu reduzieren.

Anspruch bei dauerhafter Einschränkung

Die EMR ist eine Leistung der Deutschen Rentenversicherung. In einem ersten Schritt solltest Du mit Deinem Behandlungsteam besprechen, ob Du durch Deinen Gesundheitszustand dauerhaft nicht mehr arbeiten kannst oder ob die Aussicht besteht, dass Du nach einer gewissen Zeit und vielleicht unter modifizierten Bedingungen wieder am Berufsleben teilnehmen kannst.

Du hast Anspruch auf EMR, wenn Du die sogenannte Vorversicherungszeit erfüllt hast. Zum Beispiel, wenn Du die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rente noch nicht erreicht hast. Außerdem bist Du dazu berechtigt, wenn vor Eintritt in die EMR eine gewisse Wartezeit vorlag. Währenddessen musst Du Pflichtbeiträge für eine versicherte Beschäftigung oder Tätigkeit gezahlt haben. Ein weiteres Kriterium ist, dass Du durch Deine Erkrankung nur noch teilweise oder gar nicht mehr arbeiten kannst. Maßstab dafür ist nicht Deine zuletzt ausgeübte Tätigkeit, sondern ob überhaupt keine auf dem Arbeitsmarkt mögliche Beschäftigung für Dich mehr möglich ist.

Normalerweise fordert der Rententräger eine Rehabilitationsmaßnahme, bevor er die Erwerbsminderungsrente bewilligt. Mithilfe verschiedener Tests ermitteln Ärztinnen oder Ärzte, wie leistungsfähig Du bist und in welcher Form Du auf dem Arbeitsmarkt tätig sein kannst. Hilfestellung bei den Anträgen und allen Fragen rund um die EMR bieten die Deutsche Rentenversicherung oder örtliche Rentenberatungsstellen.

Erwerbsminderung

Die Diagnose an sich ist noch kein Grund für die Bewilligung einer EMR bei MS, ausschlaggebend ist Deine Arbeitsfähigkeit pro Tag:

  • Sechs Stunden und mehr: kein Anspruch auf EMR
  • Drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden: Anspruch auf Teil-EMR
  • Ausnahme „Arbeitsmarktrente“: Theoretisch könntest Du drei Stunden, aber weniger als sechs Stunden pro Tag arbeiten und somit einer Teilzeitstelle nachgehen. Aufgrund der schlechten Beschäftigungssituation ist aber eine solche Stelle auf dem Arbeitsmarkt nicht zu finden. In diesem Fall erhältst Du dann die volle EMR.
  • Weniger als drei Stunden pro Tag: Anspruch auf volle EMR

Ärztliches Gutachten als Bewilligungsgrundlage

Um einschätzen zu können, wie sehr die MS Deine Leistungsfähigkeit einschränkt, wird der Rentenversicherungsträger einen Befundbericht bei Deinem Behandlungsteam anfordern. Zusätzlich beurteilt der Sozialmedizinische Dienst Deinen Gesundheitszustand in einem Gutachten. Dieses kann auch ein Entlassungsbericht einer stationären Reha ersetzen.

Rente auf Zeit

Üblicherweise bewilligt die Rentenversicherung die EMR zunächst für einen befristeten Zeitraum. Es kann, je nach individueller Situation, allerdings auch die Möglichkeit bestehen, von Anfang an eine unbefristete Rente bewilligt zu bekommen. Aber nur, wenn abzusehen ist, dass die geminderte Erwerbsfähigkeit auch in Zukunft bestehen bleibt.

trotz-ms-Tipp:

Schlaumachen hilft: Die Höhe der EMR bei MS und weitere Informationen erfährst Du bei örtlichen Rentenberatungsstellen, online bei der Deutschen Rentenversicherung oder im jährlichen Informationsschreiben der Rentenversicherungsträger.

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