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Alltag & Umgang

Corona-Impfung bei MS

9 Minuten

Veröffentlicht am 11.02.2021  von  trotz ms Redaktion

Seit einem Jahr hat uns die Pandemie fest im Griff. Die jetzt zugelassenen mRNA-Impfstoffe gegen das Corona-Virus „SARS-CoV-2“ bringen uns der ersehnten Normalität endlich ein Stück näher – werfen insbesondere bei MS-Betroffenen aber auch Fragen in Bezug auf diese zwei neu zugelassenen mRNA-Wirkstoffe auf. Hier erhältst Du einen Überblick über die aktuelle Informationslage.

Corona-Impfung bei MS

Ist die Covid-19-Impfung sicher für Menschen mit MS?

Nach einer aktuellen Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom Januar 2021 stellt die MS grundsätzlich keinen Hinderungsgrund für eine Impfung dar – dies gelte auch für die Impfung gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2). Die zum aktuellen Zeitpunkt bereits zugelassenen mRNA-Impfstoffe werden tendenziell den Totimpfstoffen zugeordnet. Daher können sich nach aktueller Datenlage auch MS-Betroffene impfen lassen, die eine Immuntherapie erhalten. Je nach Art der MS-Therapie gibt es jedoch verschiedene optimale Zeitpunkte im Therapieverlauf für Impfungen. Besprich mit Deinem Behandlungsteam, wann für Dich ein geeigneter Zeitpunkt ist.

Du möchtest wissen, welche Covid-19-Impfstoffe aktuell zugelassen sind und wie sie genau wirken? Auf der Webseite des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) findest Du verlässliche und regelmäßig aktualisierte Informationen rund um die Impfung gegen das Corona-Virus (SARS-CoV-2).

Welche Nebenwirkungen können bei der Covid-19-Impfung auftreten?

Ob mit oder ohne MS – wie jede Impfung kann auch die Covid-19-Impfung zu Nebenwirkungen führen. Zu den in den Zulassungsstudien sehr häufig beobachteten möglichen Nebenwirkungen des mRNA-basierten Impfstoffes von Biontech und Pfizer gehören unter anderem Schmerzen an der Einstichstelle sowie grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Prinzipiell können neue Impfstoffe sehr seltene Nebenwirkungen hervorrufen, die möglicherweise in den Studien nicht erfasst wurden. Deshalb werden neue Impfstoffe auch nach der Zulassung weiter beobachtet.

Bisher ist laut einer Stellungnahme des KKNMS nicht davon auszugehen, dass bei Menschen mit MS gehäuft Nebenwirkungen auftreten. Auch ist es laut der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) unwahrscheinlich, dass die Impfung einen Schub auslöst. Eine erhöhte Körpertemperatur als mögliche Nebenwirkung der Impfung könne jedoch bei MS-Betroffenen eine vorübergehende Verschlechterung der Symptome verursachen (Uhthoff-Phänomen). Gleichzeit bewertet die MSIF die Risiken einer Corona-Erkrankung höher als die der möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs.

Können nach der Covid-19-Impfung Spätfolgen auftreten?

Nebenwirkungen von Impfungen treten typischerweise innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen auf. Seltene allergische Reaktionen auf einen Impfstoff zeigen sich meist innerhalb von Minuten nach der Verabreichung und sind in der Regel gut behandelbar. Als sehr seltene Nebenwirkung von Impfungen werden Autoimmunerkrankungen diskutiert. Aber auch diese treten meist innerhalb von wenigen Wochen auf.

Schützt eine Impfung sicher vor Covid-19?

Die Impfstoffe zeigen eine hohe Wirksamkeit, eine Infektion mit dem Corona-Virus (SARS-CoV-2) zu verhindern. Bei den bisher zugelassenen mRNA-Impfstoffen sind zwei Dosen im Abstand von drei bis vier Wochen notwendig. Etwa eine Woche nach der zweiten Dosis hat sich in der Regel der entsprechende Impfschutz aufgebaut. Wenn Du eine Immuntherapie zur Behandlung Deiner MS erhältst, kann es sein, dass die Impfung weniger effektiv wirkt. Da es sich um einen neuen Impfstoff bzw. um eine neue Art von Impfstoff handelt, liegen hier noch keine Forschungsergebnisse vor. Aber selbst bei einer abgeschwächten Immunantwort kannst Du vom Schutz der Covid-19-Impfung profitieren.

Bislang ist noch nicht bekannt, ob geimpfte Personen das Corona-Virus (SARS-CoV-2) weiterhin übertragen können. Die empfohlenen AHA-Regeln müssen also auch nach der Impfung befolgt werden. Wie lange der Impfschutz nach der zweiten Impfdosis anhält, ist auch noch nicht bekannt.

Bekommen MS-Betroffene die Covid-19-Impfung früher als andere?

Aktuell gibt es die Covid-19-Impfstoffe noch nicht in ausreichender Menge, um alle Menschen sofort zu impfen. Um besonders gefährdete Menschen zuerst zu schützen, hat das Bundesministerium für Gesundheit vier Anspruchsgruppen definiert. Es ist möglich, dass diese Empfehlungen beispielsweise durch die Zulassung weiterer Impfstoffe oder neue Erkenntnisse aktualisiert und angepasst werden:

  1. Höchste Priorität, z. B. Personen über 80 Jahre, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen sowie das dort arbeitende Personal
  2. Hohe Priorität, z. B. Personen über 70 Jahre und Menschen mit geistiger Behinderung
  3. Erhöhte Priorität, z. B. Personen über 60 Jahre und Menschen mit verschiedenen chronischen Erkrankungen und auch Autoimmunerkrankungen
  4. Alle, die nicht zu der Gruppe 1 bis 3 gehören

Autoimmunerkrankungen wie die MS gehören zu der Gruppe 3. Für die Organisation der Impftermine sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Hier findest Du Informationen darüber, wie die Terminvergabe in Deinem Bundesland geregelt ist.

Wichtig zu wissen: Es besteht keine Impfpflicht. Die Impfung ist aber ein wesentlicher Faktor, um sich selbst und andere zu schützen und die Corona-Pandemie einzudämmen. MS-Betroffene mit einer Immuntherapie können laut einer Stellungnahme der DMSG vom Januar 2021 ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung mit dem Corona-Virus haben. Zudem können Infektionen MS-Schübe auslösen. Die Covid-19-Impfung kann davor schützen. Besprich das Thema mit Deinem behandelnden Arzt. Er kann Dich individuell beraten und Dich über aktuelle Erkenntnisse sowie zugelassene Impfstoffe aufklären.

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