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Manuela T., MS-Angehörige, 43 Jahre

Manuela T.

Die Arbeit mit der Arbeit

8 Minuten

Veröffentlicht am 01.02.2018 von Manuela T.

Als MS-Angehörige und Redakteurin für den Blog „Starke Worte“ habe ich einige Erfahrungen mit dem für MS-Betroffene sehr heiklen Thema "Arbeitsunfähigkeit" gemacht: Generell kann sich MS erheblich auf den Arbeitsalltag auswirken, sie muss aber nicht gleich zur Arbeitsunfähigkeit führen.

Ein gutes Beispiel dafür ist mein Partner Alex, der auch für „Starke Worte” schreibt: Vor seiner MS-Erkrankung arbeitete er als Schreiner – eine körperlich und psychisch anspruchsvolle Arbeit mit hohem Stresslevel. Er war ziemlich viel unterwegs und arbeitete oftmals von morgens 7 Uhr bis abends 22 Uhr: Möbel schleppen, Küchen aufbauen, Küchen abbauen, Deadlines einhalten ... Bis der Körper resignierte und die Diagnose MS erfolgte. Aufgrund der gesundheitlichen Situation musste er den Beruf als Schreiner an den Nagel hängen.

Es musste eine berufliche Veränderung her.

Neue Wege einschlagen: Vom Schreiner zum Sozialarbeiter

In einer medizinischen Reha nahm Alex Kontakt zu einem Sozialdienst auf. Hier erfuhr er, dass er im Rahmen einer Umschulung sogar ein Studium machen könne. Für die Finanzierung der Umschulung musste aber zunächst ein Träger gefunden werden, wie zum Beispiel die Agentur für Arbeit. Im Gespräch mit dem Reha-Berater der Agentur wurde geklärt, ob eine Umschulung in Form eines Studiums unterstützt würde. Zunächst wurden verschiedene Tests durchgeführt: sowohl psychologische als auch Arbeitserprobungsmaßnahmen. Bei der Arbeitserprobung sollte festgestellt werden, ob Alex für ein bestimmtes Berufsziel – in seinem Fall Sozialarbeiter – geeignet ist. Hier wurden seine Schwächen, Stärken und Fähigkeiten unter die Lupe genommen. Dies nahm etwas Zeit in Anspruch, aber nach einigen Monaten gab die Agentur grünes Licht und die SRH Hochschule in Heidelberg durfte sich über einen neuen Studenten freuen. Drei Jahre harte Arbeit später hatte Alex seinen Bachelorabschluss und wechselte so vom Schreiner zum Sozialarbeiter.

Abschlusszeugnis und Diplomhut

Heute arbeitet Alex bei der Caritas, was zwar nicht minder Stress bedeutet, aber die körperliche Anstrengung fällt weg. Er hat sein eigenes Büro und ein eigenes Projekt. Ich denke, das ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich selbst verändern und etwas dafür tun kann, um weiterhin aktiv am Arbeitsleben teilzuhaben.

Veränderungen bei MS annehmen

Die Erkrankung MS gehört zum Alltag dazu, aber man sollte keineswegs resignieren und vorschnell über eine frühzeitige Rente nachdenken: Der Rückzug aus dem Arbeitsleben kann auch einen Rückzug aus dem sozialen Leben bedeuten. Es ist auch mit MS möglich, seinen Beruf über viele Jahre – vielleicht sogar bis zum Rentenalter – auszuüben. Körperliche Belastungen während der Arbeit sind natürlich zu berücksichtigen. Stellt sich schneller eine körperliche Ermüdung ein, kann man aber beispielsweise öfter kleine Pausen über den Tag verteilt einplanen. Bei ständiger Überforderung sollte man aber über eine Teilzeit oder einen Wechsel zu leichteren Tätigkeiten nachdenken.

So kann man trotz einer chronischen Erkrankung weiter im Berufsleben stehen. Das ist wichtig, denn eine Arbeitsstelle kann viele positive Effekte mit sich bringen:

Selbstbewusstsein, Anerkennung, die Motivation, sich seiner Erkrankung zu stellen sowie die Kraft, allem „die Stirn zu bieten“.

Muss der Chef informiert werden?

Oftmals steht man nach der Diagnose vor der Frage, ob man seinen Arbeitgeber über die Erkrankung informieren sollte oder nicht. Solange man durch die MS in seiner Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist, muss es nicht zwingend mitgeteilt werden. Niemand kann sagen, wie die MS verlaufen wird. Viele Betroffene bleiben über einen langen Zeitraum fast unbeeinträchtigt. Hier kann es von Vorteil sein, seine Erkrankung dem Arbeitsumfeld nicht mitzuteilen.

Hat man dauerhafte Einschränkungen durch die MS, die sich auf die Arbeit auswirken oder liegt ein Grad der Schwerbehinderung (GdB) vor, muss man den Arbeitgeber auch nur dann darüber informieren, wenn dieser konkret danach fragt. Dazu ist der Arbeitgeber nach sechs Monaten berechtigt. Antwortet der Arbeitnehmer hierauf nicht wahrheitsgemäß, kann er gekündigt werden.

Auch ich leide an einer chronischen Erkrankung und muss mich gezwungenermaßen selbst mit diesem Thema auseinandersetzen. Alex und auch mein Arbeitgeber wissen über unsere jeweilige Erkrankung Bescheid – und es wurde auch gut aufgefasst. Ich habe mich davon leiten lassen, womit ich am besten umgehen kann. Halbwahrheiten, Vermutungen und Geheimnisse kann ich nicht leiden. Gerne erkläre ich aber jedem, der interessiert ist, die Erkrankung und wie es mir mit dieser geht. Letztendlich muss aber jeder für sich selbst entscheiden, ob man offen mit seiner Erkrankung umgehen möchte oder nicht.

Eure Manuela

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