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Heike, PPMS-Betroffene, 57 Jahre

Betroffene

Stress und MS – wie ich versuche, damit umzugehen

6 Minuten

Veröffentlicht am 27.02.2020  von  Heike

Als ich zu dem Thema „Stress“ befragt wurde, dachte ich: Das kann ja was werden. Mit Stress habe ich ja so meine Probleme und ich beneide die Leute, die so schön „Stopp“ sagen können. Vielleicht kennt Ihr das auch?

Was ist Stress eigentlich?

Irgendwann habe ich im Internet recherchiert, was Stress überhaupt ist. Dort wird erklärt, dass das Wort „Stress“ aus der englischen Sprache kommt und Druck bedeutet: Es drücken also äußere Reize auf ein Lebewesen und befähigen es dadurch zur Bewältigung besonderer Anforderungen bzw. sie belasten das Lebewesen körperlich und geistig.

Ist Stress negativ oder positiv?

Wahrscheinlich kommt es bei den äußeren Reizen, die auf uns einwirken, auf die Intensität und Menge dieser Reize an. Da musste ich sehr an unsere Katze denken. Als sie neu in unseren Haushalt kam, hatte sie vor vielen Dingen Angst, beispielsweise im Bad vor der Dusche und vor der Toilettenspülung. Heute hat sie sich daran gewöhnt und eine Toilettenspülung stresst sie nicht mehr.

Katze von MS-Betroffener Heike

Mir geht es bei vielen neuen Dingen genauso. Erst bin ich aufgeregt: Schaffe ich die neue Aufgabe überhaupt? Wenn ich sie gepackt habe, bin ich froh und stolz auf mich. Und oft muss ich im Nachhinein über die Aufregung zuvor lächeln. Das ist gut so, denn ich bin an den Anforderungen gewachsen.

Bei Wilhelm Busch heißt es so schön: „Eins, zwei, drei, im Sauseschritt läuft die Zeit, wir laufen mit.” Irgendwann werde ich nicht mehr mit der Zeit laufen können. Viele Dinge sind für mich schon anstrengend geworden. Ich merke, dass jüngere Menschen manches viel schneller erledigen können. Dann stresst mich meine Langsamkeit auch negativ.

Zeit für Muße in stressigen Zeiten

Stressige Zeiten sind Zeiten, in denen viele oder starke Reize auf uns einwirken. Bei mir ist dies besonders in der Adventszeit, weil da bei der Arbeit viel zu tun ist.

„Muße” wird als Zeit bezeichnet, die eine Person nach eigenem Wunsch nutzen kann. Freizeit kann von fremden Interessen bestimmt werden, aber in der Zeit von Muße sind wir von Hast und Dringlichkeit befreit. In diesen Momenten der Ruhe bin ich sehr glücklich. Ich finde sie zum Beispiel, wenn ich am See die Wolken beobachte.

Die äußeren Reize nehmen in der Leistungsgesellschaft immer mehr zu: Neben der Arbeit gibt es eine große Freizeitindustrie und selbst die Entschleunigung kann mittels Klangmassagen etc. Profis überlassen werden.

Um mich nicht zu verzetteln, habe ich mir aufgeschrieben: Was will ich eigentlich? Dann habe ich mir angewöhnt, am Abend den nächsten Tag zu planen. In den Tagesplan integriere ich auch Banalitäten, wie „Trinken nicht vergessen“. So erinnere ich mich öfter daran, auch tatsächlich zwischendurch zu trinken. Ich plane auch Ruhe-Oasen und Zeit für den Sport mit ein, sonst nehme ich mir dafür nicht die Zeit. Und ich versuche, den Tagesplan nach dem auszurichten, was ich tatsächlich will.

Übrigens: Wenn ich abends Tagebuch schreibe, finde ich ebenfalls die Muße. Ihr könnt euch gern meinen Videobeitrag über das Tagebuchschreiben anschauen.

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