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Sandra, SPMS-Betroffene, 56 Jahre

Betroffene

Mein Lebensmotto: „It`s never too late“

7 Minuten

Veröffentlicht am 13.06.2019  von  Sandra

Mein Lebensmotto lautet: „It`s never too late“. Wie es dazu kam? Lest meine Geschichte. Dann versteht Ihr, warum dieses Sprichwort für mich und mein Leben so wichtig ist.

Gleich nach meiner Geburt in Bayreuth kam ich ins Bamberger Kinderheim und hatte damals Glück nach 12 Monaten ganz liebe Adoptiveltern zu finden, die mich mehr liebten als ihr eigenes Leben. Somit wuchs ich im Frankenwald als Einzelkind auf und blicke sehr oft und glücklich auf meine Kindheit zurück. Mit 20 Jahren heiratete ich dann meinen Bernd und bekam in den nächsten fünf Jahren drei liebe und gesunde Jungs. Bis zu meinem 37. Lebensjahr beschäftigte mich immer mehr der Gedanke, wer wohl meine leibliche Mutter ist, wo sie lebt und warum ich in ein Kinderheim gegeben wurde. Da kam mir mein Motto „It`s never too late“ in den Kopf und ich fasste den Entschluss, meine leibliche Mutter zu suchen.

Meinen Wurzeln auf der Spur

Unterstützung bekam ich von meinem Mann und schließlich bekamen wir nach langer Suche die Adresse von der Schwester meiner leiblichen Mutter – meiner Tante – über das Jugendamt Bamberg heraus. Ich erfuhr, dass meine Mutter in Amerika lebt. Es dauerte nicht lange, bis wir uns bei mir zu Hause in Bayreuth trafen. Es war eine sehr emotionale Begegnung, da auch meine Stiefschwester Patrizia dabei war. Im Gespräch erfuhr ich, dass meine leibliche Mutter damals schon zwei Kinder von einem Amerikaner hatte und es zu der Zeit schwer war, uneheliche Kindern zu haben. Ihre Eltern ließen ihr keine andere Wahl, als mich wegzugeben. Sie ging zwei Jahre nach meiner Geburt mit ihrem Freund in die vereinigten Staaten und führte dort ihr Leben ohne mich und ohne meine Stiefschwester Patrizia. Sie wurde in Deutschland von ihrer Oma großgezogen. Es tat mir sehr gut, diese Hintergründe zu erfahren.

Mein ältester Stiefbruder Thomas war durch seine Arbeit öfter in Deutschland und wir trafen uns dann immer am Wochenende. Scott, mein jüngster Bruder, lebte in Amerika bei meiner Mutter. Thomas wurde leider sehr schwer krank und beendete sein Leben. Er fehlt mir, sehr aber ich bin froh, ihn noch kennengelernt zu haben. Sein Verlust war für mich der Beweis, dass man im Leben um das, was einem am Herzen liegt, kämpfen muss.

Ich traf meine leibliche Mutter nun regelmäßig

Meine Mutter und ich trafen uns seit dem Kennenlernen jedes Jahr bei meiner Stiefschwester, die nur eine Fahrstunde mit dem Auto von mir weg wohnte. Wir fanden dabei heraus, dass wir in Bayreuth sogar die gleiche Hebamme hatten. Also, als ich meinen jüngsten Sohn Daniel bekommen habe und meine Mutter mich.

Sandra (l.) mit Ihrer Schwester und Mutter (r.)

Sandra (l.) mit Ihren Geschwistern

Meine Adoptiveltern leben leider beide nicht mehr, aber ich bewundere sie dafür, wie sie mich in der Suche nach meiner leiblichen Mutter unterstützt haben. Zwei Mütter an einem Kaffeetisch – das war für mich und meine Adoptiveltern nicht immer leicht.

Jetzt hab ich Euch einige Erlebnisse aus meinem Leben geschildert. Besonders die Suche nach meiner Mutter hat mir gezeigt, dass es nie zu spät für etwas ist. So stelle ich nun auch alles andere unter das Motto: It´s never too late!. Der Motorradführerschein, Reiten und Linedance gehören zu den Highlights in meinem Leben, wobei auch die MS ihren Platz noch fand. Aber ich lasse ihr nicht viel Raum in meinem aufregenden Leben. Um immer wieder stark zu sein, habe ich mir diese Freizeitgestaltungen gesucht.

Trotz der MS – it´s never too late! Lasst Euch inspirieren von Euren Träumen.

Gemeinsam sind wir stark!

Eure Sandra

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