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Mathilde, MS-Angehörige, 23 Jahre

Angehörige

Meine Mutter hat MS – habe ich sie vererbt bekommen?

6 Minuten

Veröffentlicht am 19.03.2020  von  Mathilde

Als meine Mutter vor sechs Jahren die Diagnose MS erhielt, wussten wir absolut nicht, was uns erwartet. Wir hatten wesentlich weniger Informationen über die Krankheit als heute und kannten auch nicht die richtigen Quellen, um uns zu informieren. Von der Krankheit hatten wir noch nie etwas gehört.

Meine Mutter erinnerte mich letztens daran, dass meine erste Frage zur MS wohl gewesen sei: ,,Kann ich das jetzt auch bekommen?“ Wie die meisten fingen wir an, zu der MS im Internet zu recherchieren. Wir kamen zu dem Ergebnis, dass sich sehr viele Angehörige mit der Frage beschäftigen, ob die MS vererbbar ist. Das Netz ist voll mit Fragen.

Nur die guten Antworten fehlen.

Die Wahrscheinlichkeit MS zu erben ist gering

Was wir herausfinden konnten ist, dass die Wahrscheinlichkeit MS zu erben, wohl sehr gering ist. Man erbt demnach lediglich die Veranlagung. Die Wahrscheinlichkeit als Nachkomme eines betroffenen Elternteils auch an MS zu erkranken, liegt bei circa zwei bis drei Prozent. Auch die Ärzte, bei denen meine Mutter bisher nachgefragt hat , haben bestätigt: Es gibt keine Studie die belegt, dass MS vererbt werden kann.

Mathilde und Heike

Und dennoch habe ich manchmal Angst davor, auch die Diagnose zu erhalten. Gerade wenn ich mit der Konzentration zu kämpfen oder wieder etwas vergessen habe, denke ich oft, ich sollte mich selbst einmal untersuchen lassen.

Das Tückische an der MS sind die unsichtbaren Symptome. Außenstehende sehen einem Betroffenen die Krankheit nicht unbedingt an. Woher soll man also wissen, wann es sinnvoll ist, sich selbst untersuchen zu lassen?

Ich weiß inzwischen gut über MS Bescheid

Was mir tatsächlich sehr geholfen hat, ist die Aussage der MS-Schwester meiner Mutter. Denn als meine Mama ihre MS-Schwester einmal fragte, ob diese manchmal Angst davor habe, auch an MS zu erkranken, antwortete Sie: ,,Nein, und selbst wenn ich die Krankheit bekommen würde, dann weiß ich ja, was zu tun ist!“ Je länger ich über ihre Aussage nachdenke, umso mehr merke ich, wie Recht sie hat. Natürlich wäre es für mich erst einmal schlimm, die Diagnose zu erhalten. Doch ich weiß zumindest, was mich erwartet.

Zudem kenne ich mittlerweile genug Betroffene, mit denen ich mich austauschen könnte, allen voran meine Mutter. Im Gegensatz zu ihr, hätte ich von Beginn an jemanden, der alles schon einmal miterlebt hat.

Auch die Forschung über MS ist mittlerweile vorangeschritten. Es gibt wesentlich mehr Medikamente und ich kenne durch meine Mutter gute Ärzte, die sich mit der MS auskennen und denen ich vertrauen kann.

Ich weiß auch, welche Auswirkungen eine gesunde Ernährung und der richtige Sport auf den Körper haben. Wie ich bereits festgestellt habe, tut meinem Körper die überwiegend vegetarische Ernährung gut (Fleisch essen wir fast gar nicht mehr, Fisch nur noch ab und zu). Doch das muss jeder für sich selbst herausfinden. Seitdem ich regelmäßig zum Yoga gehe, fühle ich mich entspannter und freier. Nicht nur der Sport selbst, auch die positive Ausstrahlung vieler Yoga-Trainer gibt mir Ruhe und Energie.

Ob die MS kommt oder nicht, kann ich nicht beeinflussen. Allerdings versuche ich, mich auf die positiven Dinge des Lebens zu konzentrieren und weiß: Ich wäre nicht alleine, wenn ich erkranken würde.

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