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Andrea, MS-Betroffene, 36 Jahre

Andrea

Wie Yoga mein Leben verändert hat

12 Minuten

Veröffentlicht am 06.02.2018 von Andrea

Yoga ist schönerweise immer mehr auf dem Vormarsch. Leider vermitteln uns die Medien allerdings manchmal den Eindruck, dass man für Yoga fit, flexibel und schlank sein müsste, um sich in die verrücktesten Posen zu verbiegen. Aber Yoga ist so viel mehr als flexible Körperübungen. In diesem Beitrag möchte ich Dir gerne einen Teil meiner ganz persönlichen Yogareise zeigen, um Dich eventuell auch (noch mehr) dafür zu begeistern.

Der Anstoß zu meiner Yogareise

Zu Yoga bin ich ganz zufällig gekommen. Es war 2010 – vier Jahre nach meiner MS-Diagnose. Durch die MS hatte ich damals keine Einschränkungen. Im Gegenteil, ich war mit Vollgas im Leben unterwegs: Ich hatte gerade eine Beförderung erhalten, war dabei die Abschlussarbeit für mein berufsbegleitendes Masterstudium zu verfassen und hatte als sportliches Ziel einen kleinen Volkstriathlon vor Augen, für den ich regelmäßig trainierte. Damals dachte ich noch, dass Yoga nichts für mich ist, da ich es als zu langweilig und esoterisch abgestempelt hatte.

Aber dann kam eine meiner besten Freundinnen um die Ecke mit dem Wunsch, ihren Junggesellinnenabschied mit uns Mädls in Form eines Yoga-Wochenendes auf einer Alm in Tirol zu verbringen. Etwas seltsam – zugegeben, aber natürlich macht man da als Freundin mit. Was soll ich sagen: Dieses Wochenende hat mein Leben verändert. Ich war nach den zwei Tagen unglaublich entspannt und ganz begeistert von den tollen Wirkungen, sodass ich mich, wieder zurück in Bayreuth, gleich auf die Suche nach einem Yogastudio gemacht habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann regelmäßig Yoga praktiziert und habe auch einen Meditationskurs gemacht. Ich spielte bereits damals mit der Idee, eine Yogalehrerausbildung zu machen, um noch tiefer in die Materie einzutauchen – aber dann kam mir das Leben dazwischen. Im positiven Sinne, nämlich mit meiner Hochzeit (Ende 2010) und Schwangerschaft. Ich habe zwar noch während der Schwangerschaft und nach der Geburt (August 2011) einige Monate Yoga praktiziert, aber sobald mein Sohn mobil war, ging es mit meiner regelmäßigen Yogapraxis bergab. Und spätestens, als ich nach einem Jahr wieder in den Job eingestiegen bin, war diese wieder ganz vergessen, obwohl ich es gerade zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich am meisten gebraucht hätte. Aber gut, alles zu seiner Zeit.

Wenn die Zeit reif ist, fügt sie zusammen, was zusammen gehört

Und diese Zeit war 2014 gekommen: Damals hat mir die MS im Sommer sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Im Nachhinein betrachtet eine logische Konsequenz aus dem Hamsterrad zwischen Family, Job und meinem Perfektionismus, in dem ich gefangen war. Nachdem ich durch die MS vorerst gezwungen war, aus meinem Job auszusteigen, hatte ich viel Zeit nachzudenken. Ich habe mich darauf zurückbesinnt, woraus ich früher meine Kraft gezogen habe und so kam unter anderem Yoga (endlich!) wieder auf meinen Radar.

Wie ich eben so bin, wollte ich das Ganze dann nicht nur irgendwie machen, sondern wenn schon, denn schon. So habe ich 2015 beschlossen, eine zweijährige Yogalehrerausbildung zu beginnen. Diese Entscheidung zählt heute definitiv mit zu meinen TOP 5 der allerbesten Lebensentscheidungen, die ich je getroffen habe.

Die Ausbildung hat mich und mein Leben Schritt für Schritt auf den Kopf gestellt – und das nicht nur, weil ich bald auch lernte im Kopfstand zu stehen. Denn Kopfstand – und auch alle anderen Asanas (so nennt man die Körperhaltungen im Yoga) sind nur ein kleiner Teil im Yoga. Leider ist es manchmal so, dass man heutzutage Yoga mit fitten, schlanken, flexiblen Menschen in Verbindung bringt, die sich irgendwo am Strand in die verrücktesten Posen verbiegen. Aber Yoga ist so viel mehr, und ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich das in meiner Ausbildung erfahren und lernen durfte.

Ich vergleiche Yoga gerne mit einer Schatzkiste, aus der man individuell für sich das herauspicken kann, was einem gut tut.

Es gibt sehr viele Arten von Yoga. In meiner Ausbildung habe ich mich vor allem intensiv mit HATHA-Yoga auseinandergesetzt. Dabei stehen fünf Bereiche im Fokus: Körperübungen (Asanas), Atemübungen (Pranayama), Tiefenentspannung, positives Denken & Meditation sowie gesunde Ernährung. Schritt für Schritt lernte ich alle Bausteine kennen, konnte sie verknüpfen und begann schnell das Gesamtpaket zu lieben.

Füße auf einer Yoga Matte

Yoga-Matten an der Wand

Yoga-Ausstattung

Im Endeffekt geht es im Yoga nämlich nicht darum, irgendwann endlich seine Zehen berühren zu können, sondern wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Auf sich und seinen Körper zu hören und diesen auch anzunehmen – in jeder Lebenslage. Es geht auch darum, seinen Geist unter Kontrolle zu bringen und im Hier und Jetzt zu sein. Gerade in herausfordernden Situationen gibt mir die Schatzkiste Yoga dafür immer wieder das nötige Rüstzeug. Ich habe mittlerweile gelernt, auf meinen Körper und seine Warnsignale zu hören. Mache ich es immer? Oh nein, aber ich lerne jeden Tag neu dazu und bin erheblich achtsamer geworden. Yoga bereichert mein Leben durch so vieles: Neben den erfreulichen Goodies wie einer besseren Körperhaltung, erhöhter Flexibilität und besserem Gleichgewicht, sind für mich ganz klar die positiven Auswirkungen auf meine Psyche und meine erhöhte Stressresistenz die größten Geschenke meiner regelmäßigen Yogapraxis.

Das Tolle ist, dass man die Yogaübungen auf seine individuellen Bedürfnisse anpassen kann. So wie die Krankheit MS 1.000 Gesichter hat, bietet Yoga 1.000 und mehr Möglichkeiten.

Vor allem, wenn der Körper einmal nicht ganz so möchte oder kann, wie man es sich vorstellt. Dann kann man die Übungen kreativ anpassen und die Asanas weniger fordernd gestalten oder auch mal ganz weg lassen und sich auf die übrigen Bereiche konzentrieren.

Den eigenen Yoga-Weg finden

Wichtig ist, dass man sich wohlfühlt bei seiner Yogapraxis. Man kann sich gerne fordern, aber nicht überfordern. Man sollte schauen, dass man sich auch im Yoga selbst treu bleibt und einen Stil und einen Lehrer findet, die zu einem passen. MS-Betroffenen lege ich besonders gerne HATHA-Yoga ans Herz, weil hier im Vergleich zu manch anderen Stilen ein großer Fokus auf Entspannung gesetzt wird.

Zurück zu meiner persönlichen Yogastory: Ursprünglich habe ich die Yogalehrerausbildung nicht mit dem Vorsatz begonnen, tatsächlich selbst zu unterrichten. Ich habe aber sehr schnell gemerkt, dass ich die positiven Wirkungen, die ich kennenlernen durfte, nicht für mich behalten wollte. So wage ich jetzt tatsächlich den Sprung in die Selbständigkeit und möchte mit meiner Geschichte und meinen Erfahrungen Menschen dazu inspirieren, sich auf ihre eigene Yogareise zu begeben.

Stay tuned!

Ich freue mich übrigens total, dass mit der „trotz ms TRÄUME WAGEN“-Kampagne etwas ganz Wunderbares auf die Beine gestellt wurde, wovon wir hoffentlich alle profitieren. Stay tuned und vielleicht kann sich der eine oder andere von Euch dazu inspirieren, Yoga (noch mehr) in sein Leben zu lassen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim yogisieren!

Flow on und Namasté

Andrea

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