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Forschung

Warum Rauchen das MS-Risiko erhöht

7 Minuten

Veröffentlicht am 28.02.2018  von  Onmeda

Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für multiple Sklerose, sondern verschlimmert auch ihren Verlauf. Wie genau Nikotinkonsum die Aktivität der Gene beeinflusst, haben nun schwedische Forscher herausgefunden.

Frau hinter farbiger Rauchwolke

Dass Nikotinkonsum ein Risikofaktor für multiple Sklerose (MS) ist, ist schon lange bekannt: Die Wahrscheinlichkeit, an dem Nervenleiden zu erkranken, ist bei Rauchern um etwa 50 Prozent höher als bei Nichtrauchern. Auch die Dosis der Zigaretten spielt eine Rolle: Je mehr und je länger jemand geraucht hat, umso höher ist sein Risiko für multiple Sklerose.

Daneben beeinflusst das Qualmen aber auch den Verlauf der MS negativ. Bei Rauchern besteht die Gefahr, dass eine schubförmig verlaufende multiple Sklerose in eine sekundär chronisch-fortschreitende Form übergeht. Auch die durch MS bedingten Behinderungen fallen bei Nikotinkonsumenten schwerer aus. Dies gilt übrigens auch fürs Passivrauchen.

Schädlicher Mechanismus aufgedeckt

Weitgehend unbekannt waren bis heute jedoch die Mechanismen, wie genau das Rauchen mit der multiplen Sklerose in Verbindung steht. Mehr Licht in die komplexen Zusammenhänge brachte jetzt eine Studie von Forschern des renommierten Karolinska-Instituts im schwedischen Stockholm. Das Rauchen greife in die Aktivität bestimmter Gene ein, lautet eines der zentralen Studienergebnisse. Zudem scheinen sich durch die Krankheit auch die üblichen schädlichen Wirkungen des Rauchens zu verschärfen.

An der schwedischen Studie nahmen 50 Frauen mit multipler Sklerose teil, die zusätzlich ein genetisches Risiko für die Nervenerkrankung mitbrachten. Beteiligt waren außerdem 132 andere MS-Patienten und 135 gesunde Personen. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt: Raucher, ehemalige Raucher und Menschen, die niemals in ihrem Leben eine Zigarette angezündet hatten.

Die Forscher untersuchten die sogenannte DNA-Methylierung: einen Prozess, bei dem der Körper kleine chemische Schnipsel (Methylgruppen) an das Erbgut (DNA) anheftet. Diese Methylierung beeinflusst die Aktivität bestimmter Gene und damit die Eigenschaften der DNA.

Deutliche Auswirkungen auf Erbgut

Offenbar verändert der Nikotinkonsum das Muster und den Grad der DNA-Methylierung entscheidend. Bei Rauchern fiel der Grad der Methylierung viel geringer aus: Es waren weniger chemische Schnipsel am Erbgut nachweisbar. Nicht nur der blaue Dunst selbst, sondern auch die Dosis der Zigaretten spielte dabei eine Rolle. Je mehr eine Person rauchte, desto negativer waren die Auswirkungen auf das Erbgut.

MS-Patienten, die Raucher waren, zeigten zum Beispiel geringere Grade der Methylierung am sogenannten AHRR-Gen. Dieses Gen reagiert auf Umwelteinflüsse und unterstützt die Kontrolle des Immunsystems, besonders bei Entzündungen der Nervenzellen.

"Wir haben nachgewiesen, dass das Rauchen eine entscheidende Wirkung auf die DNA-Methylierung im Blut der MS-Patienten hat, und zwar im gesamten Genom", schreiben die schwedischen Forscher. "Dieser Effekt tritt besonders deutlich bei Rauchern in Erscheinung, aber auch bei Personen, die erst seit weniger als fünf Jahren Nichtraucher sind." Am größten waren die chemischen Veränderungen am Erbgut bei Frauen, die ein genetisch erhöhtes MS-Risiko besaßen. "Epigenetische Prozesse wie die DNA-Methylierung sind ein wichtiger Teil dessen, wie der Körper auf Umweltfaktoren wie das Rauchen reagiert."

Rauchstopp lohnt sich

Zwar war die geringere DNA-Methylierung auch bei gesunden Rauchern nachweisbar, der Effekt war bei MS-Patienten aber viel stärker ausgeprägt. Dies lasse vermuten, dass multiple Sklerose die schädlichen Effekte des Rauchens noch verschlimmert. "Der Einfluss des Rauchens ist von fundamentaler Bedeutung für das Verständnis und das Management der MS", schreiben die Autoren.

Die gute Nachricht: Die schädliche Wirkung des Rauchens lässt nach, wenn eine Person mit dem Rauchen aufhört. So entspricht das MS-Risiko nach zehn Jahren ohne Qualmen wieder dem eines Nichtrauchers.

Quellen:

Marabita, F. et al.: Smoking induces DNA methylation changes in Multiple Sclerosis patients with exposure-response relationship. Scientific Reports (6.11.2017)

Online-Information der Selbsthilfevereinigung AMSEL e.V.: www.amsel.de (Abrufdatum: 22.2.2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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