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Forschung

Versorgungsatlas 2018: Welche Ärzte sind bei MS besonders gefragt?

6 Minuten

Veröffentlicht am 10.10.2018  von  Onmeda

Die multiple Sklerose bringt vielfältigster Beschwerden mit sich. An welche niedergelassenen Ärzte wenden sich MS-Patienten in Deutschland am häufigsten mit ihren Gesundheitsproblemen? Antworten liefert eine neue Studie.

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Eine multiple Sklerose (MS) ist mit vielen körperlichen, seelischen und geistigen Begleiterscheinungen verbunden, die sehr schwerwiegend ausfallen können. Die meisten MS-Patienten brauchen dauerhafte und intensive medizinische Betreuung und Beratung – und zwar von Ärzten verschiedener Disziplinen. An welche Fachärzte wenden sich MS-Patienten am häufigsten und wie oft im Jahr? Wie gut die Versorgungssituation von MS-Patienten in Deutschland ist, zeigt erstmals der Versorgungsatlas 2018, eine Initiative des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi).

Welche Ärzte MS-Patienten am häufigsten ansteuern

Die Grundlage für die Studie sind bundesweite, krankenkassenübergreifende Abrechnungsdaten von Ärzten. An der Untersuchung nahmen 223.838 MS-Patienten teil, die im Schnitt 50 Jahre alt waren und im Jahr 2015 in mindestens einem Quartal einen Arzt aufgesucht hatten. Etwa 72 Prozent davon waren Frauen. Zusätzlich bestimmten die Forscher den Anteil der Patienten, die in allen vier Quartalen ärztliche Leistungen in Anspruch genommen hatten. Als Vergleich dienten die Daten von Patienten, die nicht an MS erkrankt waren.

Ein erstes Ergebnis war, dass sieben von elf Fachärztegruppen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit (mehr als zehn Prozent) hatten, dass ein MS-Patient in mindestens einem Quartal in ihre Praxis kam. Weitere wichtige Ergebnisse:

  • Hausärzte: 94 Prozent der MS-Patienten besuchen in mindestens einem Quartal ihren Hausarzt. Fast genauso hoch ist der Anteil unter Menschen ohne multiple Sklerose (93 Prozent). Diese Zahlen ändern sich jedoch bei der Betrachtung aller vier Quartale: Hier sind es 60 Prozent der MS-Patienten im Vergleich zu 45 Prozent der anderen, die ärztliche Hilfe suchten.
  • Neurologen: MS-Patienten gehen fast siebenmal häufiger zu einem Neurologen als Patienten ohne die Nervenerkrankung. Bei dieser Ärztegruppe fanden sich die deutlichsten Unterschiede im Patientenvergleich mit und ohne MS (72 versus 11 Prozent).
  • Urologen sind bei MS-Patienten ebenfalls stärker gefragt als bei den Vergleichspatienten (20 versus 8 Prozent).
  • Psychiatrie/Psychotherapie: Wer unter multipler Sklerose leidet, benötigt häufiger die Hilfe von Psychiatern und Psychotherapeuten (13 versus 7 Prozent der Vergleichspatienten).
  • Nur Orthopäden suchen Patienten ohne MS häufiger auf als Personen mit der Nervenerkrankung. Bei der dauerhaften orthopädischen Versorgung heben sich die Unterschiede jedoch wieder auf.

MS-Patienten brauchen dauerhaft verschiedene Ärzte

Diese Zahlen zu den am häufigsten aufgesuchten Ärzten spiegeln die Tatsache wider, dass MS-Patienten eine viel größere Wahrscheinlichkeit haben, Lähmungen der Extremitäten, Erkrankungen der Harnblase und psychische Störungen zu erleiden, als Patienten ohne die Autoimmunkrankheit. Die größten Lücken zwischen Patienten mit und ohne MS tut sich laut Versorgungsatlas bei der dauerhaften ärztlichen Betreuung auf.

Die Forscher untersuchten zudem, ob es regionale Unterschiede in der Versorgung zwischen den Bundesländern gibt. In Brandenburg nehmen MS-Patienten die Neurologen am wenigsten in Anspruch, in Bremen dagegen am häufigsten.

Fazit

MS-Patienten sind dauerhaft auf die ambulante medizinische Versorgung angewiesen – und zwar von Fachärzten verschiedenster Disziplinen. Die gewonnenen Erkenntnisse seien eine gute Grundlage, um die ärztliche Versorgung der MS-Patienten weiter bedarfsgerecht auszugestalten, schreiben die Autoren des Versorgungsatlas.

Quellen:

Holstiege, J., Steffen, A., Akmatov, MK, Bätzing, J.: Versorgungsprofile der Multiplen Sklerose (MS) im vertragsärztlichen Sektor. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 18/05. (Juli 2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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