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Forschung

Online-Meditation hebt die Lebensqualität

6 Minuten

Veröffentlicht am 11.07.2018  von  Onmeda

Multiple Sklerose erzeugt Stress und ist oft mit psychischen Problemen verbunden. Ein Achtsamkeitstraining per Internet lindert die Symptome, fanden italienische Forscher heraus. Stoppt man die Behandlung, verfliegt der Effekt jedoch wieder.

Meditationskissen und Decken

Multiple Sklerose (MS) beeinträchtigt die Lebensqualität entscheidend und erhöht das Risiko für psychische Probleme. Am häufigsten leiden MS-Patienten unter Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen. Strategien des Achtsamkeitstrainings sind zwar insgesamt sehr gut untersucht, wurden aber bislang kaum bei Patienten mit MS getestet. Denn ob ein Patient an solchen Begleittherapien teilnimmt oder nicht, hängt entscheidend vom Zeitaufwand und den Umständen ab, zum Beispiel von langen Anfahrtswegen.

Forscher der Klinik der Don Carlo Gnocchi Fondazione in Mailand (Italien) konnten jetzt nachweisen, dass ein Achtsamkeitstraining in Form einer Online-Meditation den MS-Patienten hilft. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im renommierten Fachmagazin Multiple Sclerosis Journal.

Achtsamkeitstraining vs. Wissensvermittlung

An der Studie nahmen 131 Patienten mit MS teil, die entweder unter der schubförmigen oder der sekundär-progredienten Verlaufsform der Nervenerkrankung litten. Nach dem Zufallsprinzip teilten die Forscher um den Psychologen Cesare Cavalera die Patienten in zwei Gruppen ein: Die einen (54 Patienten) absolvierten eine achtwöchige Achtsamkeitsmeditation per Internet, die auf die psychischen Probleme der MS zugeschnitten war und Stress reduzieren sollte. Das telemedizinische Training umfasste Musikmeditation, Diskussionen zur Akzeptanz von Symptomen, Video-Konferenzen mit dem Therapeuten und Live-Video-Chats. Eine eigens dafür generierte Webseite sollte die Teilnehmer dazu ermutigen, Inhalte mit den Gruppenmitgliedern zu teilen.

Die anderen Probanden (67 Patienten) dienten als aktive Kontrollgruppe und erhielten nur eine Online-Psychoedukation über den gleichen Zeitraum: Ihnen wurde strukturiertes Wissen zu ihrer Erkrankung über Videos und Übungen für zu Hause vermittelt. Zu Beginn der Studie sowie zwei und sechs Monate später befragten die Wissenschaftler alle Probanden zu ihrem psychischen Wohlbefinden. Die Patienten machten Angaben zu ihrer Lebensqualität, zu Depressionen, Angststörungen, Schlafproblemen und der chronischen Erschöpfung (Fatigue).

Effekt ist spürbar – aber nur kurzfristig

Patienten, die am Online-Achtsamkeits-Training teilgenommen hatten, fühlten sich insgesamt deutlich besser als jene, denen nur Wissen vermittelt wurde. Am Ende der Behandlung berichteten sie von einer gestiegenen Lebensqualität, weniger Depressionen, Ängsten und einem besseren Schlaf. Nach sechs Monaten waren die Unterschiede zwischen beiden Gruppen allerdings nicht mehr signifikant.

"Die Online-Meditation ist eine wirksame psychologische Behandlungsmethode bei MS, um das Wohlbefinden kurzfristig zu steigern", erklären die Studienautoren. "Die positiven Effekte können aber wieder verschwinden, vor allem wenn keine ausreichende Unterstützung mehr vorhanden ist." Weil das Achtsamkeitstraining keine langfristigen Effekte zeigte, müssten Forscher neue Strategien entwickeln, um positive Veränderungen über einen längeren Zeitraum zu bewirkten. Denkbar seien zum Beispiel intensivere Sitzungen begleitend zur normalen Behandlung. Auch Erinnerungsnachrichten oder andere Anreize könnten die Motivation nach dem Ende der Online-Therapie aufrechterhalten.

Unser Tipp: Achtsamkeit für zu Hause

Achtsamkeit ist erlernbar. Verschiedene Organisationen bieten auch in Deutschland Kurse an, wie MS-Patienten die Kraft des Augenblicks nutzen können. Informationen gibt es zum Beispiel auf dem Portal der Selbsthilfevereinigung AMSEL e.V. (www.amsel.de). Wissenswertes zu Entspannungsverfahren bei MS finden Sie bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).

Quelle:

Cavalera, C. et al.: Online meditation training for people with multiple sclerosis: A randomized controlled trial. Multiple Sclerosis Journal (Februar 2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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