Blog Starke Worte

Support durch die Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn Unterstützung auf Bahnreisen mit MS

8 Minuten

Veröffentlicht am 25.10.2022  von  Heike

Die Mobilitätszentrale der Deutschen Bahn finde ich so klasse, dass ich darüber berichten möchte. Mit dieser notwendigen Unterstützung kann ich meine Reisen entspannt – und vor allem auch eigenständig – antreten.

Heike sitzt im Zug.

Die Umsteigehilfe der Deutschen Bahn nutze ich schon seit über 20 Jahren. Damals hatte ich noch gar keine MS-Diagnose erhalten. Durch das Fehlen meines rechten Unterarms zählte ich bereits damals zum Personenkreis von Menschen mit Behinderungen. Ich war oft mit Zug und mit Kinderwagen unterwegs und daher beim Umsteigen auf Hilfe angewiesen. Gerade wenn Züge Verspätung hatten und es dann beim Umsteigen hektisch wurde, war ich über jegliche Hilfe sehr dankbar.

Früher hatte ich noch die Bahnhofsmission der jeweiligen Umsteigebahnhöfe kontaktiert. Ob es die Mobilitätszentrale damals schon gab, weiß ich nicht. Ich kannte sie damals jedenfalls noch nicht.

Ohne Kinderwagen konnte ich später die Züge wieder ohne Hilfe allein nutzen, bis dann durch die MS die Gehbehinderung zugenommen hat.

Erfolgreich Hilfe suchen bei Zugreisen mit MS

Irgendwann stand ich in Frankfurt auf dem Hauptbahnhof und wollte nach Idstein fahren. Der Zug war am Bahnsteig angeschlagen, aber er ist nicht eingefahren. Stattdessen ertönte zur Abfahrtszeit die Durchsage, er würde in fünf Minuten von einem anderen Gleis losfahren. Alle Menschen rannten los. In meiner Verzweiflung hatte ich einen Herrn in Bahnuniform angesprochen, weil ich alleine ja nicht mehr so schnell laufen konnte. Er war so nett gewesen und hatte mich zu dem Bahnsteig begleitet, obwohl er als Zugführer zu seinem Einsatz unterwegs war. Aus dieser Begebenheit habe ich gelernt und wenn ich allein unterwegs bin, organisiere ich mir Support, auch wenn laut Fahrplan genügend Umsteigezeit vorhanden wäre.

Reisen mit MS mit Hilfe der Mobilitätszentrale: Die Planung

Heute plane ich eine Bahnreise ganz anders. Sobald feststeht, wohin ich reisen möchte, fahre ich zu einem Servicepunkt der Deutschen Bahn. Hier erhalte ich Beratung, kann die Fahrkarte einschließlich Platzkarte kaufen und oft wird der Mobilitätsservice gleich mit angemeldet. Neben den Informationen zur Reise ist es ratsam, den Behindertenausweis am Servicepunkt vorzulegen.

Die Umsteigehilfe

Bei einer Anmeldung der Umsteigehilfe per Telefon unter der Rufnummer 030/65212888 wird von den Mitarbeitern der Mobilitätszentrale gefragt, in welcher Wagennummer man reist. Deswegen wird eine Platzkarte benötigt. Durch meine Behinderung ist die Platzkarte im ICE kostenfrei. Plätze müssen bei einer Anmeldung der Umsteigehilfe immer angegeben werden. Nur so können die Hilfesuchenden am Bahnhof gefunden werden. Wenn man im Regional-Express, einer Regionalbahn oder in der S-Bahn reist, gibt man einen Wagen an, z. B. der erste Wagen hinter dem Fahrer. In der S-Bahn fahre ich immer im ersten Waggon, wenn ich allein reise. Außerdem begleitet Sicherheitspersonal hier im Rhein-Main-Gebiet abends den Waggon, sodass ich um Hilfe beim Aussteigen bitten kann. Bisher konnte ich mich immer auf eine angemeldete Umsteigehilfe verlassen.

Wissenswertes für Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer

Wer mit einem Rollstuhl unterwegs ist, muss beachten, dass der Hubwagen für den Transport des Rollstuhls auch nur bei bestimmten Wagen eingesetzt werden kann. Daher sollte bei der Bestellung der Platzkarten angegeben werden, ob ein Rollstuhl benötigt wird. Die Mitarbeiter der Mobilitätszentrale kontaktieren Hilfesuchende dann.

Wo Du bei Bahnreisen sonst noch Hilfe findest

Vor Beginn einer Fahrt meldet man sich ca. 20 Minuten vor der Abfahrt an der DB-Information des Startbahnhofs. Ich habe aber schon erlebt, dass der Schalter geschlossen war. Sollte kein DB- Informationsschalter geöffnet haben und keine Mitarbeiter der Bahnhofsmission verfügbar sein, dann helfen die Mitarbeiter der Deutschen Bahn mobilitätseingeschränkten Personen, die gerade Zeit haben.

Wenn ich bereits unterwegs bin und mit einem Zug oder der S-Bahn an einen Bahnhof anreise, wird mir natürlich schon beim Aussteigen und beim Umsteigen geholfen. Oder ich kann zum Taxistand vor dem Bahnhof begleitet werden.

Übrigens: Bei Problemen bzw. bei kurzfristig notwendiger Hilfe besteht die Möglichkeit, die 3-S-Zentrale der Deutschen Bahn AG zu kontaktieren (bundesweit erreichbar unter der Rufnummer 089/13081055). Die 3-S stehen für Service, Sicherheit und Sauberkeit. Im Notfall erhält man dort Hilfe, aber für planbare Hilfen ist zuerst die Mobilitätszentrale zu kontaktieren. Oft haben mir auch ehrenamtliche Mitarbeiter der Bahnhofsmission geholfen. Hier konnte ich zudem Interessantes aus dem Leben der Menschen erfahren, z. B. hat mir ein Physiker, der neben seiner Arbeit ehrenamtlich am Bahnhof hilft, etwas über seine aktuelle Forschung auf dem Gebiet der Gammastrahlung erzählt. Spannend!

Ich hoffe, der Artikel hat euch geholfen, wieder Freude am Reisen zu bekommen. Probiert es aus!

Liebe Grüße

Eure Heike

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