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Carsten, MS-Betroffener, 50 Jahre

Blog Starke Worte

Großes Problem: Zeitmanagement und Termintreue

10 Minuten

Veröffentlicht am 19.11.2020  von  Carsten

Hallo an die Community, heute habe ich ein Thema, welches wahrscheinlich jeder von Euch kennt, aber speziell viele MS-ler stellt dies vor ein teils riesiges Problem!

Zeitmanagement – oder besser: Zeit-MISS-Management

Aber was genau verbirgt sich hinter diesen Begriffen eigentlich? Laut Wikipedia versteht man unter Zeitmanagement im Rahmen des Selbstmanagements alle Maßnahmen, die zur Verfügung stehende Zeit möglichst produktiv zu nutzen. Und mithilfe eines funktionierenden und guten Zeitmanagements ist man in der Lage, Aufgaben termintreu, also pünktlich, zu erledigen. Aha, wieder was gelernt! Und genau da liegt bei mir das große Problem bzw. der Hund begraben!

Gerade die Mitarbeiter in der Redaktion von trotz ms kriegen hier immer die Krise, wenn ich kurz vor dem Abgabetermin eines neuen Beitrags erneut um Fristverlängerung bitte, da mein Zeitmanagement eine termintreue Abgabe nicht zulässt – sorry Ihr Lieben :-)

Ich muss zu meiner Verteidigung aber auch sagen, dass es nicht immer nur an mir liegt – meistens schon – aber bei meinem letzten Videobeitrag konnte ich einfach aufgrund der Corona-Pandemie nicht fristgerecht abgeben. Was das hiermit zu tun hat? Ganz einfach: Ab dem 16. März war auf einmal der Kindergarten geschlossen, also war auf einmal Schluß mit der Ruhe. Die Zeit, welche ich mir vormittags für meine Überlegungen und das geplante Video nehmen wollte, war schwuppdiwupp einfach nicht mehr vorhanden, da mein Sohn Colin meine ganze Zeit und Aufmerksamkeit in Beschlag genommen hatte... Aber das ist eine einmalige und hoffentlich nie wieder vorkommende Konstellation. Alle anderen terminlichen Probleme waren letztendlich hausgemacht, also selbstverschuldet.

Wann und wie sind die Probleme aufgetreten?

Die Probleme des Zeitmanagements sind bei mir letztendlich immer dann aufgetreten, wenn ich im Job oder auch zu Hause neue Aufgaben bekommen hatte oder beispielsweise komplexe Auswertungen durchführen musste – Dinge, bei denen Konzentration und Genauigkeit also zwingend erforderlich waren. Dies hat dann bei mir zu zwei unterschiedlichen Arten von Problemen geführt:

  • Unterschätzung der benötigten Zeit für die Aufgabe
  • Unnötige Überschätzung der benötigten Zeit für die Aufgabe

Zum ersten Punkt: Es hat immer etwas gegeben, was ich lieber gemacht und somit gern dazwischengeschoben habe, sodass am Ende der Zeitdruck und Stress immer größer wurden, um die Aufgabe termingerecht zu erledigen. Der zweite Punkt hört sich zunächst erstmal komisch an, ist aber so: Ich habe bei einigen Aufgaben den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen, bin Dinge wesentlich komplizierter angegangen und habe den eigentlich einfachen Weg nicht gefunden, was dann am Ende auch wieder zu zeitlichen Problemen und Stress geführt hat.

Im Endeffekt ist es wie beim Navi. Hier kann man allerdings selber entscheiden, ob man den kürzesten, schnellsten oder wirtschaftlichsten Weg fährt. Bei mir hat allerdings unbewusst der Kopf die Entscheidung getroffen, den „stressigsten“ Weg zu nehmen.

Im Job waren dies alles Probleme, die ich dann auch (mental) mit nach Hause genommen hatte. „Druckaufbau“ würde ich das einfach mal flapsig nennen. Ich denke, dass dies auch jeder von sich selbst kennt… Zu Hause war es natürlich auch immer ärgerlich, wenn man ein geplantes Projekt nicht in der Zeit fertigstellen konnte, wie gedacht, aber hier ist der Stress dann doch nicht so gegeben wie im Job. Die Familie kennt die Probleme ja sehr gut, aber den Druck, die Dinge zu erledigen, macht man sich ja dann eigentlich immer auch selbst.

Carsten sitzt am Schreibtisch

Engelchen und Teufelchen

Beide Varianten äußerten sich dann letztendlich darin, das ich regelrecht Panik geschoben habe, dadurch fahrig und unkonzentriert wurde und dann erst recht Probleme in der zeitlichen Erledigung bekommen habe. Irrsinnigerweise war mir aber trotzdem jede noch so kleine Ablenkung recht, um von dieser Aufgabe „loszukommen“. Es war dann schon so wie ein kleiner Teufelskreis: Auf der einen Seite der Zeitdruck, den ich mir allerdings auch größtenteils selbst gemacht habe. Auf der anderen Seite habe ich dann andere Dinge dankend angenommen und wieder „wertvolle“ Zeit vertrödelt.

Also Engelchen auf der linken Schulter: „Komm zieh's durch, dann ist es erledigt und du hast weniger Stress“ und Teufelchen auf der rechten Schulter: „Ach komm, hat doch früher auch immer irgendwie geklappt, entspann dich mal, kannst Du auch später machen.” Bei mir hatte in der Regel das Teufelchen dann die Überhand gewonnen.

Was hat mein Zeitmanagement und die Termintreue noch beeinflusst?

Aufgrund meiner kognitiven Defizite ist es mir leider nicht möglich, die Konzentration und Aufmerksamkeit lange aufrecht zu halten und ich muss daher öfter eine Pause einlegen. Nach der Pause muss ich mich wieder neu in die Arbeit einfinden, habe dann auf einmal wieder neue Überlegungen oder stelle das vorher Herausgearbeitete infrage und überprüfe es noch einmal. Ich habe dann regelrecht Angst, etwas Wichtiges übersehen zu haben. Irgendwann falle ich dann plötzlich in ein Motivationsloch, da geht dann einfach gar nichts mehr. Dies muss bei den ganzen Aufgaben ja auch irgendwie berücksichtigt und eingeplant werden. Das funktioniert aber halt auch nur in der Theorie. Es gibt ja auch Tage bzw. Zeiten, da kann ich auf einmal über mich hinauswachsen und hochkonzentriert arbeiten, abends bin ich dann aber wieder geistig erschöpft.

Im Großen und Ganzen muss ich abschließend sagen, dass es wichtig ist, Terminvorgaben zu haben. Ansonsten zieht das Leben einfach nur plan- und ziellos an einem vorüber und das wollen wir doch schließlich vermeiden.

So, wenn ich jetzt auf den Kalender schaue, ist mein Beitrag termingerecht fertig geworden und das fühlt sich einfach nur toll an, YES!!!

In diesem Sinne, macht es gut und bleibt gesund!

Euer Carsten

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