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Steffi H., MS-Betroffene, 52 Jahre

Blog Starke Worte

Austausch über MS in Covid-19-Zeiten

6 Minuten

von  Steffi H.

Zu Beginn jedes Jahres widme ich mich seit einigen Jahren der Pflege und Aktualisierung der Homepage unserer MS-Selbsthilfegruppe. So fing auch das Jahr 2020 an: Akribisch entwarf ich einen Plan, wann und wo wir uns im Laufe des Jahres treffen und was an den jeweiligen Tagen geplant ist. Die ersten beiden Treffen fanden auch wie geplant statt, doch dann kam das, was niemand vorhergesehen hatte und was uns bis heute noch immer mehr oder weniger beschäftigt, beeinträchtigt, nervt: Covid-19.

Austausch mit anderen MS-Betroffenen in Corona-Zeiten

Ganz zu Beginn der Pandemie hatte jeder mehr oder weniger mit sich selbst und der nicht gewollten, aber notwendig gewordenen Neuorganisation des eigenen Lebens zu tun. Relativ schnell kristallisierte sich aber heraus, dass es neben den buchstäblichen Dramen in Alten- und Pflegeheimen, Behinderteneinrichtungen und Krankenhäusern auch noch mindestens eine Gruppe gab, die drohte, durch die Kontaktbeschränkungen auf der Strecke zu bleiben: Die Menschen mit Einschränkungen, die oftmals schon in „normalen“ Zeiten eine Gratwanderung zwischen dazugehören und ausgeschlossen sein absolvieren müssen, hatten von einem auf den anderen Tag plötzlich keine Chance mehr, sich wenigstens in einem einigermaßen beschützten und bestenfalls bekannten Rahmen dazugehörig zu fühlen. Unsere Selbsthilfegruppe „Albatros“ steht von Beginn an dafür ein, dass sich die Mitglieder (und bei Bedarf auch deren Angehörige) wenigstens einmal im Monat treffen und bei diesen Treffen alles loswerden können, wonach ihnen gerade der Sinn steht. Wir leben von dieser Grenzenlosigkeit – es gibt weder dumme noch peinliche Fragen und es ist jedes Mal wieder so schön zu sehen, dass es nichts gibt, worüber nicht gesprochen werden kann in unserer Selbsthilfegruppe. Jetzt kam da so eine Pandemie daher, die niemand bestellt hat, und machte das meiste von dem, was teilweise über Jahre gewachsen war, schlicht unmöglich.

Online-Treffen: Alternative mit Vorteilen

Relativ schnell suchten und fanden wir eine Möglichkeit, uns anderweitig um unsere Gruppenmitglieder zu kümmern. Wir kamen auf die Idee, ganz einfach den gewohnten Stammplatz unserer monatlichen Treffen beizubehalten und diesen, statt im Lieblingsrestaurant, dann eben auf den jeweiligen heimischen Sofas stattfinden zu lassen.

Es war überhaupt erstaunlich festzustellen, was plötzlich alles online möglich war – von Schulungen, Versammlungen über ärztliche Konsile bis hin zu einem virtuellen Kinetik-Kurs, an dem ich wegen einer zu großen Fahrstrecke in real nie teilgenommen hätte, aber online gab es plötzlich keine Entfernungsgrenze mehr.

Bei der ersten Online-Veranstaltung unserer Albatrosse war noch nicht soooo viel los, bei jedem weiterem Online-Treffen waren aber mehr Teilnehmer zugegen – zumal sich auf den anderen sozialen Medien schnell herumgesprochen hatte, wie entspannt und lustig so ein virtuelles Treffen sein kann. Teilweise nahmen Mitglieder unserer Gruppe an den Treffen teil, die aus verschiedensten Gründen schon längere Zeit an unseren Vorort-Treffen gar nicht mehr dabei waren. So hatte die ganze erzwungene missliche Lage doch auch etwas Gutes. Selbst die Leute, die in einer Reha waren und vor Ort niemals hätten dabei sein können, hatten so die Möglichkeit, trotzdem an unseren Treffen teilzuhaben.

Echte Begegnungen sind aber schöner

Nach über einem Jahr haben wir uns zum ersten Mal wieder real getroffen. Ein bequemes Fläzen auf der Couch in Jogginghose war so nicht mehr drin. ABER es war unbeschreiblich schön, wieder so viele Begegnungen in ECHT haben zu können. Die virtuellen Treffen waren eine unglaublich große Hilfe in den vergangenen Monaten, um trotz allem ein gewisses Maß an Gemeinsamkeit beibehalten zu können, aber sie sind trotz allem in keiner Weise mit realen Begegnungen zu vergleichen.

Wir wissen jetzt, dass wir auch derart schwierige Situationen meistern können – noch viel lieber verzichten wir aber auf Wiederholungen jeglicher Art.

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