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Carsten, MS-Betroffener, 47 Jahre

Betroffene

MS, Gürtelrose und Urlaub – Das Chaos ist perfekt

11 Minuten

von  Carsten

Hallo, an alle eifrigen Nutzer der trotz ms Website und vielen Dank für Euer Interesse an den Belangen und Problemen von uns MS-lern! Heute habe ich ein ganz spannendes Thema im Gepäck: Was haltet Ihr von einer Gürtelrose in Kombination mit MS und einem anstehenden Sommerurlaub? Richtig, wahrscheinlich nicht viel. Ich hätte auch gut darauf verzichten können.

Der eigentliche Plan für den Sommerurlaub?

Wir hatten unseren Sommerurlaub für Anfang Juli geplant. Es sollte nach Holland in einen Park an die Küste gehen. Mit dabei: meine Frau, unser Sohn Colin, unsere Fahrräder samt Anhänger und viel Vorfreude auf Fahrradtouren in der Küstenregion Hollands. Eine Woche vor unserem Urlaub stand dann noch ein Kurztrip mit drei Freunden von mir an, ebenfalls in Holland, an einem anderen Küstenabschnitt, zum Fußball gucken.

Die ersten Anzeichen

Als ich mich Freitagmorgen auf den Weg zu den Jungs machen wollte, hatte ich so ein komisches Gefühl an meiner linken Schulterseite. Ein Blick in den Spiegel zeigte Rötungen und eine leichte Bläschenbildung. Ich habe mir nichts dabei gedacht und den Bereich dann erst einmal mit einer Salbe eingecremt. Wir hatten ja schon einige Zeit schönes Wetter und ich war mit Colin die ganze Woche im Freibad. Daher war mein erster Gedanke, dass es eine Allergie sei. Also, ab auf die Autobahn und mal 300 km bis zum Zwischenstopp gefahren, die Jungs eingesammelt und weiter nach Holland.

Die beiden kommenden Tage waren durch den nun auftretenden starken Juckreiz schon recht schmerzvoll, der Ausschlag hatte sich mit stärkerer Bläschenbildung über die linke Schulter noch weiter ausgebreitet und ging dann auch nach vorne an die linke Seite des Brustkorbs. Ich war heilfroh am Sonntag wieder bei meiner Frau und Colin zu sein. Meine Frau war dann auch sehr erschrocken, als sie das „Malheur“ sah und cremte mich mit Handschuhen dann auch erst einmal ein.

Diagnose: Gürtelrose

Montagmorgen bin ich dann direkt zum Arzt gegangen, er hat es sich kurz angeschaut und meinte: „Das ist ja mal eine schöne Gürtelrose.“ Ich wurde anschließend kurz über die Gürtelrose und deren Verlauf aufgeklärt. Gürtelrose ist eine Zweiterkrankung nach einer Windpocken-Infektion und tritt oft bei einer Schwächung des Immunsystems auf. Es kommt zu Hautausschlag mit Kribbeln sowie brennenden und stechenden Schmerzen, dann Knötchenbildung und nach kurzer Zeit Bläschenbildung. Um es einmal kurz zusammenzufassen: Insgesamt kann es bis zur Abheilung circa drei Monate dauern. Genauso war auch mein Verlauf, aber mit einem entsprechend ordentlichen Ausmaß. Mein Rücken sah zu dem Zeitpunkt schon aus wie eine Kraterlandschaft, echt nicht schön.

Gürtelrose ist eine Zweiterkrankung nach einer Windpocken-Infektion und tritt oft bei einer Schwächung des Immunsystems auf.

Der erste Schritt der Behandlung war eine Tinktur, die auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen werden musste, damit die Bläschen besser und schneller austrocknen, das Ganze dreimal pro Tag. Morgens und abends hat mich meine Frau verarztet, mittags dann meine Schwiegermutter. Selbst konnte ich das ja nicht machen, am Rücken kommt man ja selbst nur äußerst schlecht dran, nicht wahr?! Gegen die Schmerzen wurden mir Tropfen verschrieben, die haben aber leider nicht viel gebracht. Ich habe letztendlich den ganzen Tag über ein T-Shirt und darüber noch eine Trainingsjacke getragen, um eine Ansteckung bei meinem Sohn zu vermeiden – bei 25° Grad im Schatten war das natürlich auch nicht so prickelnd.

Was bedeutet es für die MS?

Aufgrund der neuen Krankheit neben der MS habe ich dann auch meine MS-Nurse verständigt, die mich umgehend ins Neurozentrum beordert hat, um sich das Ganze mit einem Neurologen anzuschauen. Denn mein MS-Medikament unterdrückt bewusst das Immunsystem, demzufolge steht auch die Gürtelrose als häufige Nebenwirkung auf dem Beipackzettel. Der Neurologe hat mir dann gegen die Schmerzen ein stärkeres Medikament verschrieben, welches speziell die Nervenschmerzen bekämpfen soll. Laut meinem Arzt war eine Unterbrechung der MS-Therapie allerdings nicht notwendig, was mich beruhigte.

Trotzdem nach Holland gefahren!

Meine Frau hat unseren Urlaub infrage gestellt, aber ich wollte unbedingt, dass wir fahren, da sie auch dringend Urlaub nötig hatte – also auf die Zähne gebissen und los ging es.

Carsten im Urlaub

Dünenlandschaft mit einem Leuchtturm

Eine Straße am Meer

Carsten leidet unter einer Gürtelrose

Der Urlaub war sehr schön. Wir haben viele Fahrradtouren mit unserem Zwerg unternommen und auch das Wetter hat gepasst; wäre da nicht diese blöde Gürtelrose gewesen. Ständig diese Schmerzen an den betroffenen Stellen, die sich als plötzlich auftretendes Stechen äußerten. Diese waren teils so stark, dass ich mir beim Fahrradfahren die Schulter halten und mit schmerzverzerrtem Gesicht kurz innehalten musste. Diese Form der Schmerzen tritt schnell auf, ist aber auch nach ein paar Sekunden schon wieder verschwunden. Die anderen Schmerzen am Schulterblatt und an der Achsel waren nicht so stark, aber eher länger anhaltend, was dann auch sehr unangenehm und nervig war. Man bezeichnet diese Schmerzen als Postzosterneuralgie und sie können schlimmstenfalls dauerhaft zurückbleiben, was ich aber nicht hoffe.

Schongang im Urlaub

In unserer Ferienanlage hatten wir eine schöne Pool-Landschaft. Doch da hat die Gürtelrose mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ich durfte nicht ins Wasser und musste somit schön mein T-Shirt anbehalten und vom Liegestuhl aus zuschauen. Das sah dann schon ein wenig komisch aus bei den subtropischen Temperaturen im Schwimmbad ☹. Da gab es auch schon ein paar „verstörte“ Blicke von den anderen Feriengästen. Ohne T-Shirt hätten die Leute wahrscheinlich noch mehr geguckt. Die Tinktur musste ja nach wie vor aufgetragen werden, auch wenn die Bläschen schon rückläufig und größtenteils ausgetrocknet waren, aber der Rücken sah halt nicht gerade schön aus.

Status Gürtelrose

Nach nunmehr fünf Monaten ist ein Teil der Schmerzen immer noch vorhanden, allerdings nicht mehr so ausgeprägt wie zu Beginn. Schmerztabletten nehme ich weiter. Schauen wir mal, ob es irgendwann komplett weg geht, ich gebe die Hoffnung jedenfalls nicht auf.

In diesem Sinne bleibt mir gewogen und vergesst nicht: Wer resigniert verliert, don´t give up! Na, das passt grad ja irgendwie ;-)!

Euer Carsten

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