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Alex, MS-Betroffener, 41 Jahre

Betroffene

Krank sein bei MS

8 Minuten

Veröffentlicht am 07.11.2019  von  Alex

Jeder von uns ist mal erkältet – durchschnittlich etwa dreimal im Jahr. Aber wie ist das bei MS? Eigentlich ist man doch schon krank? Reicht das denn nicht? Da hat man die chronischen Wehwehchen und dann wird man noch obendrauf krank. Mich hat es mal wieder erwischt: Der liebe Krankheitsgott möchte, dass ich stärker gequält werde. Einfach herrlich. Ironie aus. Ich liege in einer Decke eingewickelt auf der Couch, trinke Tee und nehme zu den MS-Medikamenten noch weitere gegen Erkältung ein, yippie! Ein Berg von Tabletten, der vor mir liegt und ich frage mich dabei oft: What the Fuck? Ich brauche nichts mehr zu essen, die Tabletten reichen aus, um satt zu werden.

Ständig erkältet wegen MS?

Bei mir ist es irgendwie merkwürdig: Erst dauert es ewig, bis eine Erkältung zum Vorschein kommt und dann ewig, bis sie wieder weg ist. Hat man sie gerade überstanden, kommt schon die nächste. Ist das bei Euch auch so? Manchmal ist das schon ziemlich nervig. Was hat das für eine Ursache? Liegt das an meinem Immunsystem?

Menschen mit MS, die immunsuppressive oder immunmodulatorische Medikamente erhalten, sind stärker gefährdet, sich eine Erkältung oder Grippe einzufangen als Menschen mit „normal“ funktionierendem Immunsystem. Aha! Dauert es also auch länger, wieder zu genesen? Ich denke ja.

Eine Grippe erhöht zudem das Risiko für einen Schub.

Alljährlich begrüßt uns die Grippesaison und ich laufe mit Desinfektionsspray durch das Büro und andere Räume, in denen ich mit Menschen zu tun habe. Wische alles ab und versprühe das Zeug im Raum, dass ich anfange zu husten und mich mein Arbeitskollege mit großen Augen anschaut. Zudem reibe ich mir die Hände so oft mit Handdesinfektion ein, dass meine Haut spröde wird und ich mir die Hände eincremen muss. In mir bricht dann einfach die kleine Angst aus, mir etwas einzufangen. Vor allem, weil ich weiß, was das zur Konsequenz hätte.

Über das Jahr, vor allem in den Wintermonaten, war ich öfter krank. Das ist ehrlich gesagt ziemlich nervig. Sollte ich mich gegen Grippe impfen lassen? Bisher haben die Erkältungen bei mir aber immerhin noch keine Schübe ausgelöst. Man beachte: Ich habe seit 2008 die Diagnose MS und war seitdem schon gefühlte hundert Mal krank. Aber einen Schub gab es dadurch nie. Toi toi toi! Ich habe auch gelesen, dass verschiedene MS-Medikamente die Wirkung von Impfungen abschwächen können. Andererseits heißt es, dass auch eine abgeschwächte Reaktion auf die Impfung vor einer Grippe schützen kann. Mann, okay, wie soll ich mich denn nun verhalten?

Alex

Impfen gegen Grippe – ja oder nein?

Am sinnvollsten wäre es, mit dem behandelnden Arzt Rücksprache zu halten. Impfungen können eine zusätzliche körperliche Belastung sein und bieten leider keinen Schutz gegen alle Erreger. Zudem kommt, dass eine Impfung grippeähnliche Symptome hervorrufen kann. Wie jetzt? Mit grippeähnlichen Symptomen kenne ich mich gut aus – die hat man ja auch als Nebenwirkung bei verschiedenen Medikamenten. Oh Mann! Ich will mich doch genau davor schützen? Andererseits weiß ich auch, dass bei einer Grippe das Risiko für Schübe steigt. Schübe können dann wiederum zu neurologischen Defiziten führen. Also, für was entscheide ich mich nun?

Ich habe lange überlegt, ob ich mich impfen soll. Die ganze Prozedur mag ich nicht. Meine Entscheidung ist es, mich nicht impfen zu lassen, vor allem, weil ich dadurch ja auch nicht hundertprozentig geschützt bin, sondern nur gegen bestimmte Erreger. Dies soll aber jedem selbst überlassen bleiben. Es gibt immer ein dafür oder dagegen. Vielleicht würde ich anders handeln, wenn ich dadurch tatsächlich mal einen Schub bekäme? Ich weiß es nicht.

Alles in allem versuche ich, bestmöglich darauf zu achten, erkältete Menschen zu meiden, was nicht immer so einfach ist, wenn alle Kollegen um einen herum krank sind. Aber man kann sich ja auch nicht die ganze Grippesaison über in einem stillen Kämmerlein einsperren und warten, bis es vorbei ist.

Ich lass mir dadurch aber nicht die Lust am Leben nehmen und verfolge weiterhin meine Träume und Ziele – mit oder ohne Einschränkung. Also, wenn ich mal eine Erkältung habe: Who cares? Dann hab ich halt MS und bin noch obendrauf krank. Mein Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich bereitet mir auf Dauer mehr Sorgen. Das Leben geht weiter. Mein Kopf bleibt ja auch weiterhin intakt. Und genau weil das so ist, lautet meine allseits bekannte Devise schon seit Jahren: „Der Kopf ist die Zentrale“.

Wer krank ist, ist krank. Und wenn dem so ist, heißt es „Fuß vom Gas“, ausruhen und gesund werden. Es dankt Dir niemand, krank arbeiten zu gehen und dann noch die ganze Belegschaft anzustecken – vor allem nicht Deine eigene Gesundheit.

Grüße

Euer Alex

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