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Alex, MS-Betroffener, 40 Jahre

Alex

MS und Stress – Faktoren, Arten und Bewältigung

9 Minuten

Veröffentlicht am 17.07.2018 von Alex

Jeder von uns kennt das: Der Alltag fordert uns jeden Tag aufs Neue. Stress ist in unserer Gesellschaft omnipräsent geworden und stellt schon lange kein seltenes Phänomen mehr dar. Es gibt immer wieder Stress und wir müssen versuchen, damit auszukommen und umzugehen. Stress kann durch unterschiedliche Einflüsse entstehen. Psychisch oder körperlich kann man Stress in unterschiedlichsten Lebenslagen und -situationen bekommen, auch mit MS: zu enge Zeitfenster, schwer bewältigbare Aufgaben, Leistungsdruck und noch dazu wenig Zeit zum Runterkommen. Wo so mancher Stress noch positive Effekte hat, wird eine andauernde negative Stressbelastung irgendwann unerträglich – man wird krank.

Was aber, wenn man schon krank ist und MS hat? Wenn man das Wort „Stress“ hört, ist dieses Wort eher negativ besetzt. Jeder denkt gleich: Stress ist nicht gut – Stress ist mit Problemen verbunden. Doch ist wirklich jede Art von Stress schlecht für uns MS-Betroffene? Was ist überhaupt Stress und wie entsteht er?
In meinem folgenden Beitrag möchte ich etwas näher aus meiner Sicht erklären, was Stress ist, welche Faktoren eine Rolle spielen, inwiefern MS und Stress zusammenspielen und wie Ihr Stress in den Griff bekommen könnt.

MS-Betroffener Alex sitzt auf dem Sofa

Stressfaktoren

Neben physikalischen Stressfaktoren (auch „Stressoren“ genannt), wie Hitze, Kälte oder Lärm, und körperlichen, wie Schmerzen, Hunger oder Durst, gibt es mentale und soziale Stressoren. Gesundheitliche Probleme sind oft durch diese Faktoren begründet. Im Kontext zur MS können diese Faktoren (je nach Umfang) einen, nicht nur meiner Meinung nach, sondern auch wissenschaftlich erwiesen, entscheidenden Einfluss auf den Verlauf nehmen. Ich möchte hierbei unterscheiden zwischen Faktoren, die auf die MS wirken (externe Einflüsse), und Faktoren, die durch die MS selbst Stress verursachen (interne Einflüsse). Stress ist aber nicht gleich Stress – hierbei muss man zwischen gutem und schlechtem Stress unterscheiden.

Stressarten: Positiver und negativer Stress?

Es gibt unterschiedliche Arten von Stress: Es gibt den positiven Stress (sogenannter Eustress), der uns mehr oder weniger positiv beeinflusst, uns mit neuer Energie versorgt und es gibt den negativen Stress (sogenannter Disstress), der uns die Energie raubt, weil er sich eben negativ auf unser Empfinden und auch auf unsere körperliche Konstitution auswirkt.

Nehmen wir das Beispiel „Sonne“: Sonniges Wetter ist, denke ich, für uns alle eine willkommene Abwechslung und macht gute Stimmung. Der Tag am See oder Pool, kalte Getränke und Grillen mit Freunden oder Bekannten – all das kann uns mit positiver Energie versorgen, auch wenn es mal etwas stressiger wird. Wir relaxen und tanken auf, obwohl es vielleicht mit Stress verbunden ist (Eustress).

Ist es hingegen richtig (unerträglich) heiß – Ihr wisst sicher, dass zu viel Hitze (genau wie auch Kälte) nicht so gut für die MS sein kann – und werden wir durch die riesigen Menschenmassen um uns herum mehr oder weniger „reizüberflutet“, kann dies bei uns negativen Stress verursachen (Disstress). Wir werden unruhig und unser Körper resigniert. Ebenso verursacht die MS dadurch selbst bei uns weiteren Stress und es kann zu körperlichen Symptomen kommen – wie etwa Fatigue, Kribbelmissempfindungen oder gar kurzzeitige andere Symptome. Wir werden also doppelt „gestresst“.

Ich würde grundsätzlich behaupten, dass positiver Stress nie schlecht für uns ist. Zumindest ist das so bei mir: Durch verschiedene Aktivitäten, wie zum Beispiel Musikmachen, tanke ich auf. Inwiefern Stress ins Negative geht, muss jeder für sich selbst herausfinden. Dabei muss man achtsam mit sich und seinem Körper umgehen. Hierbei gilt für mich der Grundsatz: Die Dosis macht das Gift.

Methoden zur Stressbewältigung

Ich möchte hierbei betonen, dass jeder für sich selbst herausfinden muss, wann das Maximum des Stresspegels erreicht wird.

Stressbewältigung ist bei jedem sehr individuell.

Die Möglichkeiten im Umgang damit sollten den persönlichen Bedürfnissen angepasst werden, damit sie optimal wirken.

Die Welt um sich herum kann man sicher schlecht verändern, aber man kann sich ändern. Eine effektive Methode ist dabei, die Summe der Stressoren (Stressdosis) zu verringern, sie auszuschalten oder ganz zu vermeiden. Eine weitere Methode ist es, negativen Stress in eine positive Bahn zu lenken. Ich nenne sowas immer gern: Schlechtes in Gutes „umverpacken“. Man kann die Bewertung der Stresssituation anders formulieren, um dadurch stressstabiler zu werden. Du nimmst Dich in der Situation zurück und versuchst aktiv zu entspannen. Dadurch reduzierst Du den Erregungszustand und verhinderst, dass Du emotional labiler wirst.

Andere Möglichkeiten sind: Man kann Pausen einlegen, sich bewegen oder gar den Ärger und den Stress heraus schreien (wenn ihr allein seid). Ihr könnt Musizieren, Reisen, Yoga machen, Euch im Fitnessstudio auspowern, mit Menschen offen über Eure Probleme reden und vieles mehr.

Fazit: Stress ist nicht gleich Stress

Stress ist nicht gleich Stress. Es gibt positiven und negativen Stress. Stress wird durch unterschiedliche Faktoren hervorgerufen und beeinflusst. Negativer Stress kann die MS beeinflussen und die MS selbst wiederum weiteren Stress verursachen. Als MS Betroffene sind wir dadurch also doppelt belastet. Positiver Stress hingegen kann MS auch positiv beeinflussen. Die Dosis macht das Gift. Jeder sollte seine Stressgrenzen kennenlernen und auch individuelle Methoden finden, um damit besser umgehen zu können. Zudem kann man Situationen innerlich anders bewerten, um den Stresspegel nicht allzu groß werden zu lassen. Emotionale Stabilität beseitigt Stress.

MS ist Stress – aber nur so viel wie ihr im Kopf auch zulassen wollt.

In diesem Sinne – lasst Euch nicht stressen!
Euer Alex

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