Zurück
Therapie

Kreativität heilt: Kunsttherapie bei MS

7 Minuten

Veröffentlicht am 26.02.2019  von  trotz ms Redaktion

Kreative Tätigkeiten können Dich die Welt um Dich herum vergessen lassen. Außerdem stärkt es das Selbstbewusstsein zu sehen, was Du selbst erschaffen kannst. Diese Erfahrungen legen die Basis für Therapien, bei denen kreative Methoden wie Malen, Musik oder Tanz zum Einsatz kommen. Davon können auch MS-Betroffene in vielerlei Hinsicht profitieren. Zum Beispiel kannst Du dadurch Kraft für den Alltag tanken und neue Impulse gewinnen, um die MS besser zu bewältigen.

Frau malt ein Bild im Garten

Kreatives Gestalten ohne falschen Ehrgeiz

Es steckt kein großer Künstler in Dir? Malen ist nur was für Kinder? Diese Vorbehalte kannst Du bei der Kunsttherapie getrost ablegen. Denn dabei stehen das Spielen und Experimentieren im Vordergrund und nicht, ein großes Meisterwerk zu erschaffen. Deshalb bevorzugen manche Therapeuten auch die Bezeichnung „Gestalttherapie“.

Dieser Therapieansatz kann Menschen mit MS, je nach Gesundheitszustand und Einschränkung, auf unterschiedliche Art und Weise unterstützen. Auf körperlicher Ebene kannst Du damit zum Beispiel visuelle Einschränkungen, Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen sowie feinmotorische Störungen verbessern. Um psychische Beschwerden wie Depressionen oder Unruhe und kognitive Störungen zu lindern, eignet sich die Kunsttherapie ebenfalls.

Kreativsein erweitert das neuronale Netzwerk

So setzt man die Kunsttherapie zum Beispiel in der neurologischen Rehabilitation ein. Denn durch das Kreativwerden kannst Du Gewohnheiten verändern: Dein Gehirn muss umdenken und neue Lösungen suchen. So entstehen neue Nervenverbindungen. In der Folge können ungenutzte Bereiche des Gehirns einspringen und ausgefallene Funktionen erfüllen. Damit unterstützt die Kunsttherapie die regenerativen Prozesse im Gehirn, bei denen sich mehr Synapsen bilden.

Kunsttherapie kann die Lebensqualität steigern

Eine Studie* hat sogar ergeben, dass die Kunsttherapie die Lebensqualität von MS-Betroffenen verbessern kann. Besonders positive Auswirkungen hat die Kunsttherapie auf Stimmung, Selbstwirksamkeit, Sozialverhalten und bei Fatigue. Im Rahmen einer Kunsttherapie kannst Du Dich voll auf den Moment des Gestaltens einlassen und verschiedene Dinge ausprobieren. Das entspannt, lässt das Denken ruhig werden und durch eine spielerische Herangehensweise machst Du Erfahrungen, die auch ein Impuls zu neuen Verhaltensweisen im täglichen Leben sein können. Beispielsweise, indem Du erlebst, dass nicht das Ergebnis wichtig ist, sondern allein die Zeit des Kreativseins Dir guttut. Darüber hinaus kann es das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten stärken zu sehen, dass Du etwas schaffen kannst, wenn Du nur an Dich glaubst. Das kann Dir auch im Umgang mit Deiner MS helfen. Wenn Dich Gefühle belasten, kann Dir die Kunsttherapie Raum bieten, diese auszudrücken.

Bewussteres Sehen üben und die Feinmotorik verbessern

Die Maltherapie wirkt auch bei körperlichen Einschränkungen förderlich: Zum Beispiel lässt sich bei Sehfeldeinschränkung das bewusstere Sehen durch Kopieren trainieren. Häufig setzen Therapeuten Vorlagen ein, mithilfe derer Du ein Bild erstellst und Dich immer wieder korrigieren kannst. Bei Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen (Ataxie) können feinmotorische Defizite durch Formenzeichnen ausgeglichen werden. Denn diese Tätigkeit regt besonders den Bewegungsfluss an.

Gestalttherapie – einzeln oder in der Gruppe möglich

Eine Kunsttherapie erfolgt als Einzeltherapiesitzung oder in Gruppen mit zwei bis vier Teilnehmern. Da es sich um eine eher langfristig angelegte Therapieform handelt, solltest Du mit mindestens zehn Sitzungen planen. Während der Therapie arbeitest Du mit verschiedenen Materialien und Techniken wie Farbe, Ton, Wolle oder Stein.

Die Kosten für eine Kunsttherapie kann, zum Beispiel bei einer neurologischen Reha, die Krankenkasse übernehmen. Am besten wendest Du Dich an Deine Krankenkasse, um abzuklären, ob sie Dir eine Gestalttherapie auch außerhalb eines klinischen Rahmens ermöglicht.

Wie Du siehst, gibt es gute Gründe für eine Gestalt- oder Kunsttherapie. In Kombination mit medizinischen und psychologischen Maßnahmen kann sie für Menschen mit MS eine wertvolle Ergänzung darstellen.

Kurz & Knapp:

Eine Kunsttherapie kann bei MS viele positive Auswirkungen haben – zum Beispiel bei Fatigue, Depression, Koordinationsstörungen, Ataxie oder Sehstörungen.

* Sterz C, Heimes S, Blessing T, Flachenecker P (2013) Kunsttherapie steigert die Lebensqualität bei Multipler Sklerose. Ergebnisse einer randomisierten, kontrollierten Studie während einer stationären Rehabilitationsbehandlung. Neurol Rehabil 19:176-182

Deine Empfehlungen