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Therapie

Halliwick-Therapie bei MS: Unbeschwert im Wasser

6 Minuten

Veröffentlicht am 12.12.2018  von  trotz ms Redaktion

Du magst Wasser? Du schätzt die Leichtigkeit und das befreiende Gefühl, die das Wasser Deinem Körper verleiht? Dann solltest Du die Halliwick-Therapie einmal näher kennenlernen: Eine aktive und aktivierende Methode, die zu Bewegungsreaktionen im Wasser verleitet. Koordination und Gleichgewichtskontrolle werden aktiviert und verbessert, gleichzeitig verminderst Du Dein Sturzrisiko.

Beine im Wasser

Halliwick nutzt die Auftriebskraft des Wassers, fördert und fordert Dich

Das Halliwick-Konzept eignet sich besonders für MS-Betroffene mit stärkerer Symptomatik. Im Wasser sind viele Bewegungen möglich, die für Dich im Alltag vielleicht schwierig geworden sind. Da das eigene Körpergewicht auf ein Zehntel verringert ist, fühlst Du Dich im Wasser schwerelos und leicht. Der Druck auf die Gelenke ist sehr viel geringer. Die Spannung der Muskulatur kann durch die Auftriebskraft des Wassers reduziert werden. Aquatraining ist ein guter Ausgleich bei Belastung und Stress.

Besonders gut geeignet ist die Halliwick-Therapie bei Muskelschwäche, Koordinations- und Gangstörungen oder Einschränkungen der Beweglichkeit. Sie hat Ähnlichkeiten mit Pilates und trainiert besonders die Muskulatur, die die Körpermitte stabilisiert, sowie Deine Fähigkeit, verschiedene Reize über Haut, Muskulatur oder Gleichgewichtssinn wahrzunehmen und auf sie zu reagieren.

Ursprünge der Halliwick-Therapie

Die Halliwick-Therapie geht auf den Briten James McMillan zurück. Er gab bereits in den 1950er Jahren an der Londoner Halliwick-Schule körperbehinderten Mädchen speziellen Schwimmunterricht. Motorisch und kognitiv profitierten die Mädchen sehr von dem Schwimmunterricht. McMillan arbeitete seine Methode zu einem therapeutischen Konzept aus.

Das Therapie-Konzept: Drei Phasen des motorischen Lernens

Das Halliwick-System setzt sich aus drei aufeinander aufbauenden Phasen des motorischen Lernens zusammen. Der Therapeut arbeitet dabei gezielt an Deiner individuellen Symptomatik. Er sorgt dafür, dass Du Dich stets sicher fühlst.

In der ersten Phase geht es vor allem um den Aufbau von Vertrauen, damit Du Dich ohne Angst im Wasser bewegen kannst. Du lernst, auf das Wasser und seine Strömungsreize zu reagieren und dabei Deine Atmung zu kontrollieren. Dein Therapeut unterstützt Dich dabei, Körper und Kopf zu kontrollieren, bis es Dir aus eigener Kraft gelingt.

In Phase zwei geht es um Gleichgewichtskontrolle. Du trainierst, wie Du verschiedene Körperhaltungen und Positionen im Wasser über den Rumpf kontrollieren und halten kannst. Dein Therapeut wird versuchen, Dich aus dem Gleichgewicht zu bringen, um Dich zu Ausgleichsbewegungen zu animieren. Übungen, wie das Drehen im Wasser oder Rotationsübungen um die Körperachse, stabilisieren Deinen Bewegungsapparat.

In Phase drei lernst Du schließlich, Dich in jeder Situation im Wasser ohne Hilfsmittel selbständig und sicher zu bewegen. Du kannst den Wasserauftrieb nutzen und Dich bei guter Körperkontrolle in Rückenlage vorwärtsbewegen.

Dran bleiben und Erfolge feiern

Du wirst feststellen, wie wohltuend sich die Aquatherapie auf Deinen Körper auswirkt und wie gut es auch der Seele tut, alltägliche Situationen im Schwimmbad, wie An- und Umkleiden, gemeistert zu haben. Regelmäßiges Training zahlt sich aus. Deine Beweglichkeit wird positiv stimuliert und Deine Symptome können gelindert werden. Dein Selbstbewusstsein und Deine Lebensqualität werden gesteigert.

Wenn Du glaubst, dass die Halliwick-Therapie für Dich interessant sein könnte, geben Dir Reha-Zentren Auskunft. Falls Du auf den Rollstuhl angewiesen bist, ist das kein Problem, denn die Reha-Zentren sind darauf eingerichtet. Die meisten Anwendungen finden allerdings zurzeit noch stationär und nicht ambulant statt.

Kurz und knapp: Die Halliwick-Therapie trainiert Deine Kraft, Koordination und Beweglichkeit und regt zu eigenständiger Bewegung an. Trainingserfolge motivieren Dich und geben Dir mehr Selbstbewusstsein, alltägliche Herausforderungen zu meistern.

*Quelle: DMSG