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Therapie

Aua, das nervt: Neuropathische Schmerzen bei MS

5 Minuten

Veröffentlicht am 25.02.2020  von  trotz ms Redaktion

Schon als kleine Kinder haben wir gelernt: Wenn wir uns stoßen oder anderweitig verletzen, tut es weh. Wenn jedoch plötzlich Schmerzen auftreten, für die es scheinbar keine Ursache gibt, sind wir ratlos. Vor allem wenn herkömmliche Schmerzmittel keine Besserung bewirken, da es sich um neuropathische Schmerzen handelt. Viele Menschen mit MS kennen diese Situation. Etwa zwei Drittel aller MS-Patienten sind im Laufe ihrer Erkrankung von Schmerzen betroffen. Ein Teil davon leidet unter neuropathischen Schmerzen. Im Folgenden erfährst Du den Unterschied zu normalen Schmerzen und welche Möglichkeiten es gibt, neuropathische Schmerzen bei MS zu behandeln

Kaktus als Sinnbild für Schmerzen bei MS

Bei MS gilt: Schmerz ist nicht gleich Schmerz. So unterscheiden Ärzte zwischen nozizeptiven und neuropathischen Schmerzen. Wieso das? – Ganz einfach: Die Therapie richtet sich danach, welche Form vorliegt. Verantwortlich für die sogenannten nozizeptiven Schmerzen sind normale Schmerzreize, die unser Körper über die Nozirezeptoren wahrnimmt. Wenn Du Dich verbrennst oder stößt, signalisieren diese Rezeptoren dem Gehirn: Achtung, Schmerz!

Was sind neuropathische Schmerzen?

Im Unterschied dazu gibt es neuropathische oder neurogene Schmerzen, die Dir vielleicht schon einmal unter dem Begriff „Nervenschmerzen“ begegnet sind. Neuropathische Schmerzen entstehen als Folge von Verletzungen oder Erkrankungen von Gehirn, Rückenmark oder der peripheren Nerven. Dafür gibt es verschiedene Ursachen – beispielsweise Diabetes, einen Schlaganfall oder eben Multiple Sklerose. Bei MS schädigen Entzündungen die Myelinscheiden, die die Nervenfasern umgeben. Dadurch können Reize – zum Beispiel Schmerzen – nicht richtig weitergeleitet werden.

Wie äußern sich neuropathische Schmerzen?

Eine Studie mit rund 1.250 MS-Betroffenen hat gezeigt: Etwa ein Drittel der Teilnehmer leidet an neuropathischen Schmerzen. Insbesondere bei schweren Krankheitsverläufen steigt das Risiko für neuropathische Schmerzen. Diese können sich unterschiedlich äußern:

  • als Dauerschmerzen: Betroffene schildern konstant auftretende brennende, kribbelnde Empfindungen. Auch ein Ziehen, Pochen oder das Gefühl von Enge oder Einschnürung kann auftreten.
  • als Schmerzattacken: Es treten plötzlich einschießende, stechende Schmerzen auf. Typisch für MS ist zum Beispiel die Trigeminusneuralgie. Auslöser dafür können zum Beispiel Berührungen wie einen Windzug oder Kauen sein. Auch das Lhermitte-Zeichen fällt in diese Kategorie. Dabei kommt es zu einer Art Stromstoß, der vom Nacken in die Arme ausstrahlt.

Welche Therapien gibt es bei neuropathischen Schmerzen?

Herkömmliche Schmerzmittel wie Paracetamol können Dir bei neuropathischen Schmerzen keine Linderung verschaffen. Dennoch gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese zu behandeln. Zum Beispiel kann Dir Dein Arzt Medikamente mit Wirkstoffen wie Gabapentin oder Pregabalin verschreiben. Dabei handelt es sich um Antiepileptika. Zur Therapie einer Trigeminusneuralgie verordnet der Arzt häufig Carbamazepin und Phenotyin.

Darüber hinaus können Physiotherapie oder physikalische Therapien wie Wärme, Kälte oder Druck zum Einsatz kommen. Mit Akupunktur, Massage und Sport lassen sich Schmerzen ebenfalls lindern. Auch eine Verhaltenstherapie oder Entspannungsmethoden wie Qigong, Tai-Chi oder Yoga können helfen, mit Schmerzen umzugehen.

Tipp: Wer unter chronischen Schmerzen leidet, der kann vom Besuch einer Selbsthilfegruppe profitieren. Dort erfährst Du, wie andere mit der Situation umgehen. Eine Gruppe in Deiner Nähe findest Du auf der Webseite der Deutschen Schmerzliga e. V. . Eine mögliche Strategie ist es zum Beispiel, Dich abzulenken: mit Arbeit oder Verabredungen mit Freunden, damit Du Dich nicht dauernd auf den Schmerz konzentrierst.

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