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Grundlagen

MS – oder doch NMOSD?

6 Minuten

Veröffentlicht am 08.11.2021  von  trotz ms Redaktion

NMOSD – ist das sowas wie MS? Jein. Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten zählte man NMOSD lange als eine Unterform zur MS. Heute gilt sie aber als eigenständige Erkrankung.

Du hast noch nie von NMOSD (Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen) gehört? Kein Wunder, zählt sie doch zu den seltenen Erkrankungen. Andersherum wurden wahrscheinlich viele Menschen mit NMOSD bereits mit MS konfrontiert: Aufgrund der Ähnlichkeiten erhielten NMOSD-Betroffene früher häufig zunächst die Fehldiagnose „MS“ – und auch heute ist das zum Teil noch Realität.

Viele Gemeinsamkeiten, wichtige Unterschiede

Wie MS gehört auch NMOSD zu den chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen des zentralen Nervensystems. Deshalb können beide sehr ähnliche Symptome hervorrufen. Da bei NMOSD meist Rückenmark und Sehnerven betroffen sind, gehören Sehstörungen und Lähmungserscheinungen zu den häufigsten Beschwerden. Weitere Symptome der NMOSD können aber auch u.a. Übelkeit, unstillbarer Schluckauf und/oder anhaltendes Erbrechen sein.

Symptome bei MS und NMOSD

Die NMOSD verläuft überwiegend schubförmig, die Beschwerden bilden sich nach einem Schub jedoch häufig nur schlecht oder gar nicht zurück. Deshalb sollten Betroffene frühzeitig eine Therapie erhalten, um erneuten Schüben und so einer Verschlechterung der Symptome vorzubeugen.

Sichere Diagnose heute möglich

Aufgrund der vielen Gemeinsamkeiten wurde und wird z. T. noch häufig vorschnell die Diagnose „MS“ gestellt, was bei einer NMOSD aber fatale Folgen haben kann: Einige der bei MS eingesetzten Medikamente zeigen keine Wirkung oder können die NMOSD Symptomatik sogar verschlechtern. Doch mittlerweile stehen Methoden zur Verfügung, mit deren Hilfe Ärzt:innen NMOSD sicher diagnostizieren können. Dazu gehören die Magnetresonanztomographie (MRT), die Untersuchung des Nervenwassers (Liquor) und eine Blutuntersuchung zur Feststellung von Autoantikörpern.

Auf der MRT-Aufnahme finden sich auch bei NMOSD Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark, sie unterscheiden sich aber von denen der MS. Auch die Liquor-Untersuchung erleichtert den Ärzt:innen die Abgrenzung zur MS. Die eindeutige Diagnose „NMOSD“ wird durch den Nachweis des Autoantikörpers gegen ein körpereigenes Eiweiß (Aquaporin-4) im Blut der Betroffenen ermöglicht, welcher im Zusammenhang mit dem klinischen Bild einer NMOSD 2004 entdeckt wurde. Mit einem einfachen Test auf diesen AK können Ärzt:innen die Diagnose NMOSD sicher stellen – zumindest bei rund drei Viertel der Patient:innen. Etwa 25 Prozent weisen diesen AK trotz NMOSD nicht auf.

Neue Therapieoptionen

Sowohl MS als auch NMOSD sind bisher nicht heilbar – aber behandelbar. Bei beiden verfolgen die Therapieansätze unterschiedliche Ziele: Die Schubtherapie mit hochdosiertem Kortison hilft bei einem akuten Schub und die Schubprophylaxe beugt einem erneuten Schub vor. Dabei handelt es sich um Medikamente, die in die Entzündungsprozesse der NMOSD eingreifen. Diese müssen, wie die verlaufsmodifizierenden Therapien der MS, langfristig angewendet werden.

Du siehst, trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch deutliche Unterschiede zwischen MS und NMOSD. Aber für beide Erkrankungen gilt: Eine sichere Diagnose und eine frühzeitige Behandlung mit wirksamen Medikamenten sind entscheidend für den Therapieerfolg.

Das neue Patient:innenportal „Stark mit NMOSD“ bietet hilfreiche Informationen rund um die seltene Erkrankung.

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